Die Freitagsreportage Was von Silvester übrig blieb

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Die Wiese am Museum ist übersät mit Silvester-Überresten. Foto:  

Marbach - Das sieht nicht schön aus!“, schimpft eine Spaziergängerin am Neujahrstag, als sie die Reste der Knallerei sieht. „Eigentlich wollten wir die schöne Aussicht genießen und sind jetzt doch sehr verwundert, was hier an Müll rumliegt.“

Um die Museen herum und auf der Schillerhöhe ist es hingegen recht ordentlich. „Ich weiß nicht, ob unser Hausmeister am Morgen schon aufgeräumt hat, aber als ich gekommen bin, war schon alles weg“, berichtet eine Mitarbeiterin, die am Literaturmuseum die Kasse betreut.

Ronja und ihre Geschwister sammeln im kleinen Park die Raketenstöcke ein. „Da kann man toll was draus basteln.“ Auch eine bunte Verpackung wird mitgenommen, da passen die Stöcke gut rein. „Es liegt schon einiges rum, aber keine Unmengen“, berichtet der Familienvater von den Anwohnerstraßen.

Nachdenklich schaut Schiller von seinem Sockel auf die gefüllten Abfalleimer. Gut, dass der Dichter nicht hinter sein Museum sehen kann. Sonst wäre sein Werk vom „Abfall“ vielleicht anders ausgegangen. Die Wiese vor dem Nationalmuseum ist regelrecht übersät mit leeren Boxen und Verpackungsmüll, vom 152-Schuss-Systemfeuerwerk für 50 Euro bis hin zu den vielen roten Schutzkappen, die zwischen den grünen Grashalmen hervorblinken.

Dazu kommen einige leere Flaschen: Sekt, Wein und sogar „Mex Shot“ mit Zimtgeschmack säumen den Wegrand. „Wer den Müll verursacht, könnte ihn auch wieder aufräumen, wenn schon nicht in der Nacht, dann wenigstens am nächsten Tag“, findet die Passantin. Anwohner ärgern sich ebenfalls über den Müll. „Hier sind ja regelmäßig Feiern, wenn das nur mal in der Silvesternacht wäre, könnte man das tolerieren. Aber so, wie es regelmäßig hier aussieht, gibt das kein gutes Bild ab von der Marbacher Schokoladenseite.“

An der Oehler-Kreuzung liegen ebenfalls Berge von Müll. „Da waren 20 bis 30 Leute, die haben geballert wie die Wilden“, berichtet Familie Wolz, die gerade vor der eigenen Haustüre aufräumt. „Am Ortseingang von Marbach soll es ja gut aussehen.“ Der Anblick gegenüber ist weniger erfreulich. Zwischen Straße und Neckar türmen sich beim Fußgängersteg die Verpackungen. Für Kinder, die einige abgefeuerte Batterien aufeinander türmen, nicht ganz ungefährlich: In manchen Schachteln sind sogar noch nicht abgebrannte Böller drin.

Alexander Pleiner nutzt wie viele am Neujahrstag den milden Sonnenschein für einen Spaziergang. Was er und seine Freundin unterwegs aber alles entdecken, stimmt weniger milde. „Das wird leider immer mehr zum Standard, dass der Müll einfach liegen bleibt“, beklagt der junge Mann.

In manchen Straßen musste man am Neujahrsmorgen Slalom fahren. Immerhin wird aber, wenn man ausgeschlafen hat, vielerorts der Besen geschwungen und die Reste der Böller, Diamantsonnen und Knallfrösche weggekehrt. Im Hörnle waren einige Saubermänner und Putzfrauen zugange und haben den ganzen Müll ordentlich neben der Bushaltestelle aufgestapelt. Auch die Einmündung vom Eichgraben zur Ludwigsburger Straße ist schon geschrubbt.

Vergleichsweise ordentlich sieht es sogar am Galgen aus, sonst ein „Hot Spot“ der Feuerwerker. „Hier wurde sogar schon mal die Bank abgefackelt“, erinnert sich ein Anwohner am Kirchenweinberg. Einige Kinder finden es aber gar nicht gut, dass ihr Spielplatz vermüllt ist, und räumen auf. Schnell ist ein großer blauer Abfallsack voll. „So viel Müll“, staunt einer der Jungen. „Draußen auf dem Feld liegt noch ganz arg viel“, berichtet eine junge Tretrollerfahrerin.

Die Mülleimer quellen über, immerhin waren einige Feuerwerker in der Lage, ihre abgebrannten Batterien auf dem Weg zum Auto noch einige Meter über die Wiese mitzunehmen. In der Erde stecken aber trotzdem einige Pyramidenfackeln. Die Kinder ziehen sie vorsichtig heraus und verfrachten die abgebrannten Pappröhren in die mitgebrachten Mülltüten.

Weil in der Altstadt nicht geböllert werden darf, versammelten sich viele am Cottaplatz oder oben in der Wildermuthstraße. Entsprechend sieht das Entree am Torturm auch aus. Der ganze Platz ist übersät mit Pappe und Kleinteilen. Hier hilft nur noch die Kehrmaschine. Der Bauhof hatte in dieser Woche viel zu tun. „Die Holzstöcke von den Raketen müssen wir von Hand auflesen, die stellen sich sonst in der Kehrmaschine quer“, erklärt Peter Braunsdorff, stellvertretender Leiter des Marbacher Bauhofs. Aufwendig sind auch die viereckigen Batterien, die müsse man von Hand aufladen.

Die fleißigen Helfer in Orange haben am 2. Januar einen Großteil des Mülls weggeräumt – auch hinter der Schillerhöhe sind die Mitarbeiter „mal durchgegangen“, berichtet Braunsdorff. „An vielen Stellen waren die Sachen ja schon zentral deponiert, dass man es nur aufladen und wegfahren musste.“ Am Hochbehälter Eck haben Anwohner den Müll zusammengetragen und auch am Galgen waren die Kleinteile von den Kindern schon in Müllsäcke gesteckt. „Das erleichtert uns die Arbeit sehr, wenn wir nicht alles zusammenlesen müssen.“

Nur eben an der Schillerhöhe war es weniger angenehm, die Wiese und Hecke wieder in eine ansehnliche Form zu bringen. „Wir hatten dann noch das Problem, dass durch den Wind einige Papiertonnen umgeflogen sind“, berichtet der stellvertretende Bauhofchef. Insgesamt haben die städtischen Mitarbeiter geschätzte fünf bis sechs Kubikmeter Müll eingesammelt und abgefahren. „Ich muss sagen, es war schon schlimmer, insgesamt betrachtet sah es eigentlich ganz zivilisiert aus.“

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