Marbach „Warum in die Ferne schweifen?“

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Manuel und Felix Seiter (hinten rechts und Mitte) sind die Kompetenz vor Ort, was Bühnenbilder für Südlich vom Ochsen angeht. Foto: KS-Images.de

Marbach - Hinter herausragenden Angeboten stehen oft Menschen, die Herausragendes leisten. Häufig noch dazu rein ehrenamtlich. Das sieht auch in der Schillerstadt nicht anders aus, wenn dort Ende Juni die ersten Marbacher Theaterfestspiele starten. Die ambitionierten Visionäre Tobias Frühauf und Phillip Wolpert, die hinter dem jungen Theaterlabel „Tacheles und Tarantismus“ stehen und die wohl Deutschlands jüngstes Intendantenduo darstellen, gehen dabei mit dem Kulturverein Südlich vom Ochsen eine künstlerische Zusammenarbeit ein.

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Das bedeutet für dessen Mitglieder: Viel zu tun hinter den Kulissen. Viel Freizeit einsetzen. Und um beim Stichwort Kulissen zu bleiben: Auch dafür braucht es Profis, die ihr Wissen einbringen. Mit den Brüdern Felix und Manuel Seiter hat der Verein schon beste Erfahrungen gemacht. Denn schließlich haben die beiden Künstler bereits für das Bühnenbild der Produktion Platonov auf dem Burgplatz gesorgt und ein weiteres im Schlosskeller für die Schachnovelle gestaltet. „Es ist zudem sehr angenehm mit ihnen zusammenzuarbeiten“, erklärt Mark Scheuerle, der gemeinsam mit Nadja Muckle und Maren Schmitt den Vorstand bildet. Tina Strba als Schriftführerin und Aline Schaupp als Kassier erweitern die Runde mit ihrem Engagement.

Nadja Muckle fasst die Vereins-Entscheidung für das Brüderduo wie folgt zusammen: „Wenn Kompetenz am Ort ist, warum dann in die Ferne schweifen?“ und erntet eifriges Kopfnicken von den anderen. Für die Seiters eine Rückmeldung, die Freude macht und die sie in ihrem Tun bestätigt. Für sie geht es mit der Arbeit schon los, wenn Regisseur Phillip Wolpert und der Dramaturg Tobias Frühauf ihnen das Stück vorstellen. „Ab diesem Moment rattert unser Gehirn“, sagt Manuel Seiter, der jetzt mit Bruder Felix die Uraufführung von Emilia Galotti auf dem Burgplatz gestalten wird. Der „Kleine Prinz“, der von Leah Wewoda übersetzt und dramatisiert wurde und meist vormittags gespielt wird, soll dann von dem leicht abgeänderten Bühnenbild profitieren.

Doch wie soll die Kulisse werden? „Fellinimäßig“, rutscht es Mark Scheuerle spontan heraus und die Brüder Seiter konkretisieren: „Im Stil der 60er und 70er und vorwiegend italienisch. Ein wenig trashig und morbide und das Ganze mit einer Spur Nachterotik und amerikanischem Einfluss“. Um das Bühnenbild von Fabian Egli’s szenischem Chansonabend, ebenfalls eine Uraufführung, brauchen sie sich nicht zu kümmern.

Auch auf die Vereinsmitglieder, die sich schon seit Monaten beinahe täglich um die Organisation der Theaterfestspiele kümmern, wartet immer noch viel Arbeit. „Es ist beachtlich, was da vor dem eigentlichen Event schon alles auf die Beine gestellt wurde“, lobt Felix Seiter die rührigen Ehrenamtler. Was für eine glückliche Fügung, dass jüngst die Nachricht kam, rund 30 Geflüchtete hätten ihre Bereitschaft zum Helfen signalisiert. „Leute, die richtig Lust darauf haben“, freut sich der Vorsitzende Scheuerle, der Helfer für den Auf- und Abbau genauso braucht, wie etwa für die Platzanweisung.

Und auch, wenn sich das Vereinsteam um die Bewirtung auf dem Burgplatz nicht kümmern muss, weil es die Aufgabe an professionelle Anbieter abgibt; um den Schlosskeller, wo das Stück „Vergessen – Literarische Lethe“ aufgeführt wird, kümmert es sich. So scheint es an ein Wunder zu grenzen, dass der kleine Verein die anspruchsvolle Aufgabe überhaupt zu stemmen gewagt hat. „Zwar ist es ein uralter Traum, Festspiele in Marbach abzuhalten“, doch mussten zuvor sämtliche Mitglieder befragt und eine detaillierte Kostenkalkulation ausgearbeitet werden. „Wir haben mehrfach nach unten reduziert und den Plan überarbeitet“, betont Nadja Muckle, die froh ist, dass letztlich „alle Abstriche gemacht haben und uns entgegen gekommen sind“. Die Schauspieler beim Kleinen Prinzen dürfen nun etwa selber musizieren, um Geld einzusparen. „Wir haben das Geld lieber in die Richtmikros investiert, um eine gute Akustik zu garantieren“, so Muckle.

Die Tiefpunkte der vergangenen Monate scheinen überwunden. Obwohl nicht so viele Sponsorengelder wie erhofft geflossen sind, kann das Projekt nun definitiv gestemmt werden. „Wir haben uns arg ins Zeug gelegt, um Sponsoren zu finden. Das war wochenlang unsere Hauptaufgabe“, erinnern sich auch Muckle, ihre Schwester Maren Schmitt und Tina Strba, die letztendlich mit den Firmen Huober, Theravent, dem Stadtmarketing, der Stadt und der Marbacher Zeitung fünf Großsponsoren aufgetan haben.

Strba zeigt sich positiv überrascht davon, wie wohlwollend und aufgeschlossen speziell Marbacher Händler auf die Anfragen reagiert hätten. Für Scheuerle steht fest: „Alle dürften interessiert sein, weil es für Marbach und den Tourismus viele Vorteile bringt“. Wenn alles funktioniert, könnte es in Zukunft durchaus eine Wiederholung der Festspiele geben.

Die Festspiele und die Serie

Die Theaterfestspiele findet von Donnerstag, 28. Juni, bis Sonntag, 22. Juli, statt. Gespielt wird auf dem Burgplatz und im Schlosskeller. Vier Stücke werden insgesamt gezeigt. Karten gibt es online auf www.reservix.de. Reservix-Vorverkaufsstellen sind in Marbach: Schilleria, Markstraße 15, Beran, Marktstraße 32, und Euli-Service in Rielingshausen. Über die Tourismusgemeinschaft Marbach-Bottwartal sind auch Pauschalarrangements mit Ticket, Programmheft, Übernachtung und Blick hinter die Kulissen erhältlich. Kontakt unter Telefon 0 71 44 / 10 22 97 und -2 50 oder per E-Mail an touristik@schillerstadt-marbach.de.
In einer achtteiligen Serie führen wir auf die Festspiele hin, stellen Stücke und Protagonisten vor.
 
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