Marbach Vor Schillers Füßen entsteht ein Musikvideo

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  Foto: avanti

Marbach - Eigentlich passte der sonnendurchflutete Samstag zur Liedaussage des Songs „Schwarzer Regen“ nur wenig. Das morbide Thema rund ums Sterben und die düsteren Suizidgedanken des Musikstückes nämlich verlangen eine weniger idyllische Szenerie. Doch gerade diese, so verdeutlichte der Regisseur und Kameramann Tom Dannenberg, „ist für unser Vorhaben optimal“. Denn der Park auf der Schillerhöhe und die gleich gegenüber gelegene Aussichtsplattform, die hoch über dem Neckartal und vis á vis des Literaturmuseums der Moderne (Limo) thront, bilden die idealen Voraussetzungen für das Musikvideo, das dort gedreht wurde.

Die Künstler dafür waren von weit her gereist. Die Schauspielerin Isabell Aschenbrenner etwa wollte mit dem Zug aus Berlin anreisen, um sich mit den übrigen Kollegen in Kassel zur Weiterfahrt mit dem Auto zu treffen. Doch ihnen spielte der Streik der Lokführergewerkschaft übel mit und der vereinbarte Drehtermin verschob sich nach hinten. „Vier Stunden sind wir in Verzug“, konstatierte Dannenberg, der für das in Marbach ansässige Unternehmen „Castlewood Media“, die Aufnahmen macht. Und so traf sich die Crew bei wahrhaft sommerlichem Ambiente vor dem Schillerdenkmal. „Verdammt großes Glück haben wir mit dem Wetter gehabt“, erläuterte Tom Dannenberg die Begleitumstände zu dem „minutiös geplanten Vorhaben“ einer stark veränderten Szenerie zu Füßen des steinernen Dichterfürsten.

Verblüffend für unbedarfte Zuschauer ragten dort nämlich drei Grabsteine aus dem Boden. Einer aus echtem Stein, geliehen vom Marbacher Steinmetz Bertele, und zwei weitere, echt aussehende, aber aus Styropor. „Wir haben von vielen Stellen Unterstützung bekommen“, sagte Dannenberg glücklich. Auch die örtliche Feuerwehr war darunter. Sie hat für den Wasseranschluss der „Regenmaschine“ gesorgt, einer eigenwilligen Schlauchkonstruktion Marke Eigenbau.

Wenig später verteilte der Regisseur seine Anweisungen an die umstehenden Künstler. Etwa an Marvin Vesper, der den John darstellt, einen verzweifelten jungen Mann, dessen Frau gestorben ist und der fast ausschließlich in der Vergangenheit lebt. Sein Leid wird durch die Szene am Grabstein besonders deutlich. Später will er sich in die Tiefe stürzen, weil er keinen Sinn mehr im Leben sieht. Doch seine tote Partnerin, die im Videoclip recht vital zugegen ist und dabei in der Rückschau erscheint, wird ihn vor diesem tragischen Ende bewahren. „Es geht alles gut“, beschwichtigt Isabell Aschenbrenner.

Später, bei einbrechender Dunkelheit und vor der Brüstung des Museums, wird sie mit Marvin Vesper ihren Part spielen und dabei wird auch die Gesangsperformance düster in Szene gesetzt. Der Song zum Film wird von Baktach Negahban und Ersan Seker interpretiert, zwei Solisten, die im Soul und R & B-Genre arbeiten und nun das Projekt gemeinsam bestreiten. Im Dezember soll das Video „Schwarzer Regen“ dann auch auf Youtube zu sehen sein.

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