Marbach Von Feuerwehrleuten und Firefighters

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BU: Andreas Lorenzen und Veit Keim zeigen die amerikanische “batch“ mit der Nummer 1160, die die Marbacher Feuerwehr als Ehrenmitglied der Washingtoner Feuerwehr ausweist, hinten in der Vitrine ist eine verchromte Glocke ausgestellt – ein Gastgeschenk der amerikanischen Kameraden. Foto: privat

Marbach - Ein großer Ordner zeugt von der seit vielen Jahren intensiv gepflegten Partnerschaft zwischen den Feuerwehren in Marbach und im amerikanischen Washington im Bundesstaat Missouri (MO). Gesammelt sind darin unzählige Einladungsschreiben, Programme und Zeitungsartikel. „Eine Partnerschaft lebt von den Leuten, die sie pflegen“, sagt Veit Keim, der erste stellvertretende Kommandant der Marbacher Feuerwehr, der sich gemeinsam mit einem kleinen Ausschuss innerhalb der Feuerwehr um die Partnerschaft kümmert – genauso wie Andreas Lorenzen, der auch für das Archiv der Feuerwehr zuständig ist. Beide gehören zu den 22 Feuerwehrleuten, die Mitte Mai anlässlich des Jubiläums der Städtepartnerschaft gemeinsam mit einer Delegation der Stadt Marbach nach Washington, MO, reisen (wir berichteten).

Ein abwechslungsreiches Programm haben die Feuerwehrleute aus Washington für ihre Marbacher Kollegen vorbereitet und bereits per Mail geschickt. Firmenbesuche beispielsweise stehen zur Auswahl, oder auch Besichtigungen anderer Städte in der Umgebung. Und als ganz besonderes Highlight ist die Teilnahme an einer Übung mit Polizei und Rettungsdienst auf dem eigenen Übungsgelände der Washingtoner Feuerwehr geplant. Sogar ein Helikopter soll zum Einsatz kommen.

Bereits im Jahr 1988 begann die Partnerschaft zwischen den beiden Feuerwehren, zunächst als Briefkontakt. Schon im darauffolgenden Jahr besuchten die Feuerwehrleute Veit Keim und Wilfried Pribil die amerikanischen Kameraden. Während diesem Besuch ernannte die Washingtoner Feuerwehr die Feuerwehr Marbach zum Ehrenmitglied und verlieh ihr den „Batch“, zu Deutsch: die Dienstmarke, mit der Nummer 1160, die Veit Keim und Andreas Lorenzen stolz zeigen. Ganz besonders ist auch eine verchromte Glocke zu erwähnen, die als Gastgeschenk überreicht wurde. Diese Glocke wird geläutet, wenn ein Kamerad verstorben ist – bei der Hauptversammlung und bei der Beerdigung. Viele weitere Geschenke, beispielsweise ein silbernes Sprachrohr oder eine Feuerwehraxt sind im Feuerwehrhaus ausgestellt.

Auf die Frage, worin sich die Arbeit der beiden Feuerwehren unterscheide, antwortet Keim schmunzelnd: „Feuer brennen dort genauso wie bei uns.“ Trotzdem gebe es Unterschiede, und zwar vor allem darin, was die genaue Vorgehensweise im Ernstfall und die Technik in den Fahrzeugen angehe. „Und weil es dort im Stadtgebiet nur wenige Hydranten gibt, werden größere Löschfahrzeuge benötigt“, sagt Lorenzen. Die Stadt Washington sei bei ähnlicher Einwohnerzahl wie Marbach auf ein viel größeres Gebiet verteilt, „die Stadt Washington umfasst von der Fläche her etwa den halben Landkreis Ludwigsburg.“

Lorenzen erinnert sich an einen Besuch in Amerika, bei dem er seine amerikanischen Kollegen bei einem Einsatz nach einem Sturm begleitet hat. „Bei unseren Besuchen werden wir als Feuerwehrleute richtig integriert“, berichtet er. Und Veit Keim wurde bei seinem ersten Besuch direkt nach der Ankunft samt Jetlag vom amerikanischen „Firechief“ mit zu einem Brand in der Nachbarstadt genommen.

Untergebracht sind die Besucher allesamt in Gastfamilien und die Marbacher hatten wiederum schon Kameraden aus Washington in ihren privaten Wohnungen oder Häusern beherbergt. „Wir wohnen eigentlich immer bei den selben Familien und haben auch unter dem Jahr öfter Kontakt per E-Mail oder Whats App“, berichtet Veit Keim. Für viele Marbacher Feuerwehrleute haben sich mittlerweile richtige Freundschaften mit den „Firefighters“ und ihren Familien entwickelt. In diesem Jahr sind 14 Feuerwehrkameraden aus Marbach zum ersten Mal bei der Reise nach Amerika dabei. Keim sagt dazu: „Die Idee ist, dass Jüngere Kameraden die Partnerschaft weiter beleben.“ Von den 130 Feuerwehrkameraden hätten auch nicht alle die Möglichkeiten, an einer solchen Reise teilzunehmen – schon was die Kosten für den Flug angehe.

Das Gastgeschenk der Marbacher Feuerwehr für die Firefighters aus Washington, MO, ist noch nicht ganz fertig, es ist etwas selbst gebautes – und soll noch eine Überraschung bleiben.

 

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