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MarbachVon der Sinnentleerung weihnachtlicher Rituale

Fenja Sommer, vom 27.12.2012 10:37 Uhr
Junge Gäste suchen nach einem Zugang zur Literatur. Foto: Fenja Sommer
Junge Gäste suchen nach einem Zugang zur Literatur.Foto: Fenja Sommer

Marbach - Mal weg vom Essen, wieder raus aus der Wohnung – verschiedene Gründe haben die Besucher des Literaturmuseums der Moderne (Limo) am zweiten Weihnachtsfeiertag dazu bewogen, an der Weihnachtsführung teilzunehmen. Unter dem Motto „Geheimnisvolle Weihnachtsgeschichten“ erzählte Nadjila Nasar Wissenswertes aus dem Leben der Autoren und deren Nachlässen.

So hat sich Hans Magnus Enzensberger mit der Frage beschäftigt, ob Poesie maschinell herstellbar sei. Die Tafel in der Zwischenebene des Limo erinnert eher an eine Flughafenanzeige. Per Knopfdruck ändern sich die Worte. „Egal, wie oft sie herkommen, es ist nie dasselbe“, verdeutlichte Nasar.

Der eine oder andere wusste vielleicht bis dato auch nicht, dass sich Erich Kästner anfangs geweigert hatte, „Emil und die Detektive“ zu schreiben. Kästner sei vollkommen ausgerastet, als seine Verlegerin ihm den Vorschlag unterbreitet habe. Aber letztlich habe er das Buch doch geschrieben. Weiter ging die Führung zum ersten weihnachtlichen Exponat – ein Brief von Theodor W. Adorno, den er Siegfried Kracauer Weihnachten 1923 geschrieben habe. Die Satire „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ von Heinrich Böll kritisierte die Sinnentleerung weihnachtlicher Rituale. Gezeigt wurde zudem ein Wunschzettel der anderen Art von Lilly Schnitzler, ein Liebesbrief von Kurz Tucholsky und vieles mehr. „Lieber Michael Ende, dein Buch hat mir gefallen“, lauteten die Zeilen, die Daniela Werz im Jahre 1986 verfasst hatte. Dies sei ein schönes Beispiel, welche Gedanken Kinder haben, verdeutlichte Nadjila Nasar. Ihr Ziel war es zudem, nicht nur einen Einblick in die Bestände des Museums zu geben, sondern auch zu verdeutlichen, wie die Mitarbeiter bei ihrer Tätigkeit im Archiv vorgehen. Außerdem fügte sie an, dass es immer ein bisschen schwierig sei, eine Führung zu gestalten, wenn, wie an diesem Tag, viele Kinder dabei seien – „weil man hier nicht nur Kinderexponate liegen hat“. Zwar wurden die Kinder an einigen Stellen mit in die Führung einbezogen und Nadjila Nasar überzeugte mit ihrem Wissen. Allerdings waren die vielen Fakten oftmals nicht kindgerecht genug verpackt. Daher waren die achtjährige Sophie, die neunjährige Anna und der siebenjährige Tom enttäuscht, weil sie sich unter einer Weihnachtsführung etwas gänzlich anderes vorgestellt hatten – mehr wirkliche Weihnachtsgeschichten, wie es der Titel der Führung versprochen hat. „Ich habe das meinen Nichten und Neffen zu Weihnachten geschenkt“, erklärte Alexander Pakakis, der mit den drei Kindern aus Pattonville nach Marbach gefahren ist. Er habe auch zuvor im Limo angerufen und gefragt, ob die Führung für Kinder geeignet sei. Diese Frage sei bejaht worden.

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