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MarbachTief in gefährliches Netzwerk eingetaucht

Rita Brandenburger-Schift, vom 24.02.2016 09:00 Uhr
Wolfgang Schorlau hat in der Marbacher Stadthalle vorgelesen. Foto: Werner Kuhnle
Wolfgang Schorlau hat in der Marbacher Stadthalle vorgelesen.Foto: Werner Kuhnle

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igentlich könnte er aufhören, erörtert Privatermittler Georg Dengler mit seinem Erfinder Wolfgang Schorlau. Schließlich hat er schon sieben Fälle gelöst. Aber es geht nicht, der Protagonist ist ebenso gefragt wie sein Autor. „Wer erschoss Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt?“ setzt Schorlau seinem Detektiv und ehemaligen BKA-Mann vor die Nase. Das verbundene Thema Nationalsozialistischer Untergrund, bekannt als NSU, lockt nicht nur den ausgebrannten Dengler auf den Plan, Schorlaus Krimiroman „Die schützende Hand“ beschäftigte schon vor seinem Erscheinen im November 2015 Medien und Politik.

Es wundert nicht, dass die Stadthalle nach einer Einladung durch die Schiller-Volkshochschule in Kooperation der Buchhandlung Taube voll besetzt ist. Schon der Auftakt durch den Gitarristen Werner Dannemann mit Bob Dylans „All along the watchtower“ ist hochkarätig. Dann begrüßt Schorlau die Zuhörer zum ersten Mal in Marbach, schlägt sein jüngst erschienenes Buch auf und liest Passagen daraus vor.

Nach besagtem Anruf muss Georg Dengler an einen seiner ersten Fälle als Privatermittler denken, nachdem Dr.  Müller, sein Chef, und Mike Nopper, sein Gegenspieler beim hessischen Verfassungsschutz, ihn aus dem BKA gedrängt hatten. Als er erfährt, dass Nopper nun stellvertretender Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes ist, taucht er tief in den NSU-Komplex und das Netzwerk von Staatsschützern und Neofaschisten ein. So tief, dass er nicht bemerkt, dass die Drahtzieher ihn selbst ins Visier genommen haben.

Der 1951 in Idar-Oberstein geborene Schorlau ist bekannt für seine politisch brisanten, exzellent recherchierten Krimis. Mit 50 veröffentlichte er seinen ersten Roman, Denglers ersten Fall „Die blaue Liste“. Es folgten weitere Fälle: „Das dunkle Schweigen“, „Fremde Wasser“, „Brennende Kälte“, „Das München-Komplott“, „Die letzte Flucht“ und „Am zwölften Tag“. Dazu verfasste er weitere Romane, „Sommer am Bosporus“ und „Rebellen“ oder Schriften zu „Stuttgart 21“. Wolfgang Schorlau erhielt etliche Auszeichnungen für seine Werke: 2004, Erzählpreis der Nahe-Zeitung, Idar-Oberstein; 2006, Deutscher Krimipreis für „Dunkles Schweigen – Denglers zweiter Fall“; 2008, Stadtschreiber in Trabzon/Türkei; 2009, Herzogenrather Handschelle; 2012, Stuttgarter Krimipreis für „Die letzte Flucht“; 2014, Stuttgarter Krimipreis für „Am zwölften Tag“.

Dass er in „Die schützende Hand“ einen Fall abhandelt, der in einem aktuell laufenden Prozess gegen die Mitangeklagte Beate Zschäpe verhandelt wird, macht den Krimi besonders interessant. Der Autor liest nicht nur, er erzählt auch über Fakten, die er sich als Material für seinen Roman eingeholt hat. Er bezog sie aus Protokollen und Berichten, Gutachten und Gerichtsakten, die Bestandteil der Ermittlungen im NSU-Verfahren sind. Eine Prozedur, die bis heute nicht befriedigend aufgeklärt ist.

Im fiktiven Krimi fragt sich der ermittelnde Dengler, ob er nicht lange ein völlig falsches Bild von den Verhältnissen im Land hatte.

„Geschichten, die uns Fragen stellen, sind wichtig“, bedankt sich Buchhändler Markus Schneider nach der Lesung. Schorlaus Duett mit Dannemann, Mundharmonika, Gitarre und Gesang, bilden einen krönenden Abschluss des Krimiabends.

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