Marbach Textiles Werken und Buchdruck in Vollendung

Von
Elisabeth Böckmann steppt, stickt und montiert Gegenständliches. Foto: Veranstalter

Marbach - Die zweite Auflage der Nachtschicht Kunst wird wieder mit einer vorgezogenen Vernissage um 19 Uhr im Rathaus eröffnet. Elisabeth Böckmann zeigt in ihrer mittlerweile dritten Ausstellung „Textile(s) Gestalten“. Mit Techniken, die im Schneiderhandwerk und bei Handarbeiten bekannt sind, entstehen aus den Händen der Textilgestalterin Kunstwerke aus Garn und Stoff. „Meine Sachen haben mit Gebrauchsnutzen nichts zu tun“, erklärt die Künstlerin. Stilettos oder „Herrenschuhe“ sind mit einem Schmunzeln zu betrachten, wären als tatsächlich genutztes Schuhwerk jedoch völlig unpraktisch.

Mit der Nähmaschine gestaltet Elisabeth Böckmann Bilder, experimentiert mit textilen Strukturen, steppt Gegenständliches, stickt und montiert das Ergebnis in Kästen. „Dabei arbeite ich gern mit Nessel, dem einfachen ungebleichten Baumwollstoff.“ Ein weiteres Thema ist das Up-Cycling. Alte T-Shirts werden zerschnitten, geflochten und mit der Nähmaschine zu Bildern, Teppichen und Sitzkissen gestaltet. „Farben mischen sich überraschend und lebendig. Die Gegenstände unterscheiden sich durch ihre Einzigartigkeit wohltuend von den industriellen Produkten“, ist Elisabeth Böckmann begeistert.

Die Vernissage wird von dem Gitarristen Mazen Mohsen musikalisch umrahmt. Bürgermeister Jan Trost eröffnet die Ausstellung im Rathaus, und um 19.30 Uhr gibt „Mister Sax“ den musikalischen Startschuss zur Nachtschicht Kunst. Um 21 Uhr liest der Marbacher Autor Peter Frömmig aus seinem Buch „Venedig lebt noch. Erzählungen eines Sommers“ im zweiten Obergeschoss des Rathauses. Schwarzweiß-Fotografien von Jörg Henninger illustrieren den Text.

Für Gert Bader ist die Nachtschicht Kunst schon beinahe Routine. Im vergangenen Jahr stellte der Künstler aus Erdmannhausen in der Kopfsteingalerie aus, dieses Mal sind die Bilder „von fast fotografischer Ästhetik mit dem Gestus der kritischen Entlarvung und einem Schuss Humor, Komik und Häme“ in der Buchhandlung Taube in der Wendelinskapelle zu sehen.

Auf den großformatigen Ölbildern springen dem Betrachter Menschen mit fülligen Leibern und ihren prallen Formen mit wuchtigen Ausmaßen geradezu entgegen. Das Bildnis eines „Unterwasserlesers“ regt hingegen zum Nachdenken an: Die aus dem Kontext herausgeschälten Figuren passen nicht zum Umfeld, wirken real, und doch aus der Wirklichkeit herausgestoßen.

Die Buchhandlung Taube mit Markus Schneider und seinem Team zeigt die nominierten und preisgekrönten Bücher der Stiftung Buchkunst aus diesem und den vergangenen Jahren. Aufwändig gestaltete Bücher mit Aussage und hohen ästhetischen Ansprüchen versprechen Buchherstellungskunst in Reinform.

Zudem findet an diesem Abend in der Galerie in der Wendelinskapelle die Vernissage „Grenzland | Traumland“ statt (wir berichteten). „Das ganze Haus bebt und vibriert an diesem Abend also vor Kunstseligkeit“, freut sich Markus Schneider auf die Nachtschicht Kunst.

Fotostrecke
Artikel bewerten
1
loading