Marbach Schiller und die „Butterbemme“

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Schillers Füße baden in einem Blumenmeer. Foto: KS-Images.de

Marbach - Seine Füße baden in einem Blumenmeer. Blumen, die er vorher mit stoischer Ruhe hat an sich abgleiten lasssen. Etwas anderes blieb ihm auch gar nicht übrig. Denn der Schiller, der auf dem hohen Sockel im Park auf der Schillerhöhe steht, ist aus Bronze.

Zuvor hat er ebenso gelassen auf all das hinabgeblickt, was die Viertklässler der Marbacher Grundschule inszeniert haben, um seinen 258. Geburtstag zu feiern. Ein wenig wurde das Programm am FReitagmittag wegen des Wetters allerdings verkürzt. Denn der kalte Wind und der Nieselregen ließen den einen oder anderen ganz schön frösteln. Selbst die Mikrofone mussten zwischendurch mit Plastiktüten geschützt werden, und über die Kinder, die Block- oder Querflöte spielten, wurde vorsorglich ein Regenschirm gehalten.

Auch wenn man es kaum glauben mag: Es gibt immer noch was über Friedrich Schiller zu berichten, das nicht weithin bekannt ist. So haben die Schüler gemeinsam mit ihren Lehrern ein Gedicht ausgegraben, das Schiller für seinen kleinen Sohn Karl geschrieben hatte, damit er es zum Geburtstag der Jenaer Vermieterin Frau Griesbach vortragen konnte: „Mach auf, Frau Griesbach, ich bin da und klopf an deine Türe. Mich schickt Papa und die Mama, dass ich dir gratuliere“, beginnt es und endet mit dem bescheidenen Wunsch nach einer „Butterbemme“, auf Hochdeutsch: einem Butterbrot. Abwechselnd trugen die Schüler die lustigen Verse vor und setzten sich dabei nacheinander einen schwarzen Dreispitz auf.

Das Schützenlied aus „Wilhelm Tell“ sangen die Kinder erst in einer lateinischen Variante, bevor sie die deutsche Übersetzung folgen ließen – anschaulich dargestellt mit schön gemalten Bildern von Bergen, Tälern und aus schwarzer Pappe ausgeschnittenen Wildschweinen, Hirschen und anderem Getier.

Dass sich die Grundschüler in den vergangenen Wochen fleißig mit den Geburtstagsvorbereitungen beschäftigt haben, wurde aber auch daran deutlich, dass sie alles auswendig vortrugen und kaum einmal hängenblieben. Nur einmal musste, deutlich hörbar, souffliert werden, was für Schmunzeln im Publikum sorgte.

Schiller sei ein Revolutionär gewesen, der mit seinem Freiheitsgedanken auch nach seinem Tod noch viele inspiriert habe, wissen die Kinder. Passend dazu sangen sie das Lied „In dem Kerker saßen zu Frankfurt an dem Main“. Die zentralen Begriffe wie „Menschenrechte“, „Gleichheit“ oder „Bürgerglück“ hatten die Schüler auf große Pappschilder geschrieben, die sie abwechselnd hochielten.

Gegen Ende der einstündigen Veranstaltung galt es noch, mit Wissen über Friedrich Schiller zu glänzen. Hierzu war analog zu Wim Thoelkes einstigem Dauerbrenner „Der große Preis“ das Spiel „Der große Schillerpreis“ vorbereitet worden. Auf einer Tafel waren verschiedene Fragen verborgen, die beantwortet werden mussten, etwa: „Welche Haarfarbe hatte Schiller?“ oder „In welche Stadt im Ausland floh Schiller, nachdem er ‚Die Räuber’ geschrieben hatte?“ Nach der gemeinsam gesungenen „Ode an die Freude“ folgte das letzte Highlight der Feier: Der Schulleiter Wolfgang Röslin gab das Startsignal zum langersehnten Blumenwerfen.

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