Marbach-Rielingshausen Einige Eltern halten Gebührenschraube für überdreht

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Viele Eltern buchen nach dem Unterricht eine Betreuung, die etwas kostet. Foto: dpa

Marbach-Rielingshausen - Schritt für Schritt wurde in den vergangenen Jahren das Betreuungsangebot an der Quellen-Grundschule in Rielingshausen ausgebaut – ohne dass die Eltern dafür tiefer in die Tasche hätten greifen müssen. Deshalb sah der Gemeinderat nun den Zeitpunkt gekommen, an der Gebührenschraube zu drehen. Zumal auch in der Kernstadt die Tarife unlängst angehoben worden seien, wie der Bürgermeister Jan Trost betonte. „Wir ziehen jetzt in Rielingshausen nach“, sagte er. Das Gremium stand geschlossen hinter diesem Vorgehen und folgte damit der Empfehlung von Verwaltungsausschuss und Ortschaftsrat, die das Thema in den Wochen zuvor auf der Tagesordnung hatten.

Allerdings goutieren diesen Schritt offenbar längst nicht alle Mütter und Väter im Stadtteil. „Nach der letzten Sitzung des Ortschaftsrats kam doch einige Kritik aus der Elternschaft“, berichtete der Ortsvorsteher Eberhard Ruoff. Den Eltern sei der doch erhebliche Kostensprung sauer aufgestoßen. In der Tat ist die Steigerung speziell bei der Kernzeitbetreuung nicht ohne. Wer seinen Nachwuchs dafür von Montag bis Freitag anmeldet, muss von Februar an pro Monat 95 Euro überweisen. Aktuell müssen die Eltern für die gleiche Leistung lediglich 65 Euro berappen. Er habe den Kritikern entgegengehalten, dass die Gebühren nachkalkuliert worden seien und jahrelang keine Anpassung vorgenommen wurde, betonte Eberhard Ruoff. Gleichwohl sei angekündigt worden, dass verschiedene Eltern ihre Kinder nun abmelden würden.

Der Erste Beigeordnete Gerhard Heim machte daraufhin keinen Hehl daraus, dass sich die prozentuale Steigerung durchaus saftig gestalte. Und sie falle zugegebenermaßen bei der Kerni, die es schon weitaus länger gebe, und der Ganztagesbetreuung, bei deren späterer Einführung man sich an den Zahlen in Marbach orientiert habe, auch unterschiedlich aus. „Vor zwei, drei Jahren hatten wir schon einmal überlegt, ob wir die Beiträge anpassen sollen“, erklärte Gerhard Heim. Der Gedanke sei dann aber wieder verworfen worden. „Es gab ja die Diskussion um Ganztagesbetreuung an der Grundschule Marbach. Wir haben damals beschlossen, diesen Prozess abzuwarten“, erklärte er. Jetzt sei aber die Zeit reif gewesen, nachzuziehen. Der Erste Beigeordnete machte jedoch darauf aufmerksam, dass die Eltern auch Geld gespart hätten, weil ja in der Vergangenheit eben keine Erhöhungen angesetzt wurden.

Sebastian Engelmann von den Grünen schlug vor, dass man sich für die Zukunft vielleicht überlegen könne, in kürzeren Intervallen die Tarife anzuheben. „Dann wirkt es nicht so bombastisch.“ Aktuell müsse man aber den langen Zeitraum sehen, über den die Beiträge nicht angetastet worden seien. Da relativiere sich das Ganze doch deutlich. „Die Eltern haben in der Vergangenheit gespart“, argumentierte Jochen Biesinger von der CDU in eine ähnliche Richtung. Er regte aber ebenfalls an, einen festen Turnus zu etablieren, damit die Erhöhungen künftig nicht so gravierend ausfallen. „Wir müssen erhöhen, die Eltern haben jahrelang profitiert, dass wir nicht erhöht haben“, ergänzte Heinz Reichert von der SPD. Und Hendrik Lüdke von Puls erinnerte nochmals daran, dass im Juli für die Marbacher Grundschule ein ähnlicher Beschluss mit ähnlichen finanziellen Dimensionen gefasst worden sei. „Das ist jetzt in Rielingshausen auch passiert, weil man jahrelang nicht erhöht hat.“

Im Gegenzug bekommen die Eltern ein ausgesprochen flexibles System geboten, bei dem die Angebote selbst tageweise buchbar sind. Gerhard Heim führte in der Sitzung aus, dass man bei der Anmeldung auch keine Fristen setze. Wenn der Bedarf da sei, könne man jederzeit einsteigen. „Wir haben entsprechend freie Kapazitäten“, betonte er. Andernfalls könne man den Zuzug von Familien auch gar nicht berücksichtigen.

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