Marbach Punkrocker zeigen eine unbekannte Seite

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Die Siffer auf der Bühne – das wird das nächste Mal am Freitag im Café Provinz der Fall sein. Foto: privat

Marbach - Wenn es für eine musikalische Liaison so etwas gäbe, könnten Die Siffer demnächst auf ihre silberne Hochzeit anstoßen. Genau 24 Jahre ist es nämlich her, dass die Band zum allerersten Mal in einem Proberaum zusammensaß und es krachen ließ. Die im Laufe der Zeit vom Quartett zum Trio geschrumpfte Gruppe hat zwar inzwischen aufgrund familiärer und beruflicher Verpflichtungen nicht mehr ganz den Output der ungestümen Jugendphase, sprüht aber immer noch vor Tatendrang. Das unterstreicht die Tatsache, dass Christoph Neumeyer, Wolfram Berner und Fabian Friedl eine neue CD aufgenommen haben – mit nicht weniger als 17 Stücken. Erscheinen wird die Scheibe am morgigen Freitag, umrahmt von einer Release-Party im Café Provinz, das so etwas wie die gute Stube der Band ist.

Das Album heißt passend zum Alter der Siffer: „Vierundzwanzig“. Ein Titel, der zugleich zeigt, dass die Gruppe ihren Humor weiter hegt und pflegt. Denn dabei handelt es sich offensichtlich um eine augenzwinkernde Anspielung auf Adele, hat die britische Sängerin ihre bisherigen CDs doch ebenfalls nach der Zahl ihrer Lebensjahre benannt. Stilistisch sind die Unterschiede aber gravierend. Hier die Balladenqueen, da die rauen Punkpopper. „Der Grundtenor ist bei uns weiter der Rock“, bestätigt Sänger und Gitarrist Christoph „Kiko“ Neumeyer. Gleichzeitig wollte man auf keinen Fall einen Longplayer nach Schema F vorlegen, um auf Nummer sicher zu gehen, betont Schlagzeuger Fabian Friedl. „Es ist leicht, einen Punk-Bestseller mit den üblichen Zutaten zu machen. Wir haben uns aber weiterentwickelt. Und das sollte sich auch auf der CD niederschlagen“, erklärt der Benninger. Seine Fertigkeiten an den Drums seien heute beispielsweise viel besser, was ihm ganz andere Möglichkeiten für seine Rhythmusarbeit eröffne. Vor allem aber könne man in den neuen Stücken vermehrt elektronische Einflüsse hören, ergänzt der Marbacher Bassist Wolfram Berner. Zudem habe man sich für die Aufnahmen die Dienste eines Trompeters und eines Kontrabassisten gesichert, was eher genreuntypisch ist.

Usus sind im Punkrock hingegen gesellschaftskritische, politische Texte. Da bilden Die Siffer keine Ausnahme, die einst mit ihrem Song „Nazis ham ’ne Scheißfrisur“ einen kleinen Hit landeten und eine klare Ansage machten. „Alarm“ ist so ein Stück auf „Vierundzwanzig“, in dem sich die Band mit dem Weltgeschehen auseinander setzt und die Fremdenfeindlichkeit anprangert. „Das Stück befasst sich mit der Flüchtlingsthematik“, sagt Christoph Neumeyer. Die Idee dazu hatte er schon, bevor das Thema 2015 richtig akut wurde. Es gehe um Leute, die urplötzlich Angst um ihr Land und ihre Identität haben. „Das beste Beispiel dafür ist doch die Diskussion um den Bau von Flüchtlingsheimen in der Region. Das zeigt, dass Angst offenbar eine Grundtendenz bei vielen Menschen ist“, sagt Wolfram Berner.

„Wir beleuchten aber auch Dinge, die wir im Alltag beobachten“, sagt Fabian Friedl. „Wobei die Geschichten, die wir daraus stricken, nicht lapidar sein sollen“, fügt Christoph Neumeyer hinzu. Albern darf es bei den Siffern hingegen schon mal zugehen. Das gehört zu den Markenzeichen der Band, live wie auf Platte. Auf „Vierundzwanzig“ erlaubt sich das Trio aber auch einen Blick zurück. Wie bei „Jennifer Hart“, das nach einer Fernsehfigur benannt wurde. Das Stück kreist um die Serienhelden der Kindheit, sagt Christoph Neumeyer, der wie Wolfram Berner 39 Jahre alt ist. Fabian Friedl ist mit seinen 37 Lenzen der Benjamin der Truppe.

Ideen für die Stücke bringen sie alle gleichermaßen ein. Etwas, das dank moderner Technik leichter ist als zu den Anfangszeiten. Die Songelemente können zuhause am PC eingespielt und dann per Mail an die anderen Bandmitglieder geschickt werden. Die machen sich dann an die Arbeit und ergänzen das Grundmaterial. Die Schlagzeugspuren wurden im Ludwigsburger Studio Jam-Music eingespielt. Gesang, Bass und Gitarre nahm man im Proberaum sowie nach Feierabend in den Räumlichkeiten von Christoph Neumeyers Arbeitgeber am Laptop auf. „Am Ende hatten wir 21 Songs zusammen. Das Album sollte aber nicht länger als eine Stunde werden. Also haben wir die vier Stücke aussortiert, die am wenigstens stark waren oder nicht ganz reingepasst haben“, sagt der Sänger.

Auf einer klassischen Tour werden die neuen Lieder nicht zu hören sein. „Das ist schwer. Erst mal müssten alle frei haben. Außerdem ist so eine Tour einfach auch enorm anstrengend“, sagt Fabian Friedl. „Wir mögen aber Konzerte und die Live-Präsenz“, betont Wolfram Berner. Folglich werde man übers Jahr verteilt in verschiedenen Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz Gigs spielen. Was einmal mehr unterstreicht: Die Siffer sind zwar schon lange im Geschäft dabei, aber längst noch nicht müde.

Info

Die Siffer stellen ihr neues Album „Vierundzwanzig“ am Freitag, 19. Januar, im Café Provinz in Marbach vor. Beginn der „Plattentaufe“, wie die Band das Event nennt, ist um 20 Uhr. Von da an steht die Gruppe zwei Stunden lang auf der Bühne des Lokals. An dem Abend kann man zudem die neue CD erwerben – wie auch bei den weiteren Konzerten, die die Gruppe im Laufe des Jahres spielen wird. Ferner ist der Longplayer für zwölf Euro über www.diesiffer.de sowie bei Amazon erhältlich. Überdies kann man „Vierundzwanzig“ bei Spotify, iTunes und Co. streamen. Die Siffer bemühen sich auch darum, dass die CD bei Müller in Marbach in den Regalen steht.

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