Marbach Neue Chancen auf Tempo-30-Regelung

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Der Lärm durch den Straßenverkehr ist für viele Marbacher Bürger ein Ärgernis. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Marbach - Die Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen ist vielen Marbachern wohl wenn überhaupt nur wegen der historischen Pfahlbauten im Bodensee ein Begriff. Doch das 8000-Seelendorf ist es, das Kommunen wie Marbach jetzt neue Chancen auf einen verbesserten Lärmschutz ermöglichen könnte. Speziell wenn es darum geht, erlaubte Höchstgeschwindigkeiten im Straßenverkehr aus Lärmschutzgründen zu reduzieren – auch, wenn Grenzwerte nicht überschritten werden. Die Bodensee-Gemeinde hat im August in einem solchen Fall erfolgreich vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim geklagt.

Seit dieser Woche liegt der rund 70-seitige Erlass des VGH auch auf dem Schreibtisch des Marbacher Ordnungsamtsleiters Andreas Seiberling – und der konnte zumindest bereits den Eindruck gewinnen, dass sich dadurch für die Schillerstadt neue Möglichkeiten auftun. „Es scheint, als könnten Kommunen künftig ihrer Forderung auf Geschwindigkeitsbegrenzungen mehr Nachdruck verleihen. Grundsätzlich sehe ich da Chancen“, sagte Seiberling am Donnerstagnachmittag in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik des Gemeinderats. Er äußerte sich dabei vorsichtig, denn noch hat der Amtsleiter das Werk nicht ganz durchgearbeitet. In der Ausschusssitzung blieb die Frage also offen, inwieweit genau die Schillerstadt profitieren kann.

Denkbar ist aber, dass das bislang vom Landratsamt Ludwigsburg verneinte Thema – durchgängig Tempo 30 an stark lärmbelasteten Stellen – früher wieder auf den Tisch kommen könnte als bei der Verkehrsschau in drei Jahren, bei welcher die Stadtverwaltung ihrer Forderung auf die Geschwindigkeitsreduzierung Nachdruck verleihen möchte. Von „härteren Bandagen“ bei der Fortschreibung spricht bereits Bürgermeister Jan Trost. Anwohner im vom Verkehrslärm geplagten Marbach dürfen aufhorchen.

Auch sonst könnte sich im Bereich Lärmschutz etwas tun. Denn Jan Trost und Andreas Seiberling untermauerten in der Sitzung ihr Vorhaben, sich mit den Behörden von Kreis und Land an einen Tisch setzen zu wollen, um dieses Thema anzugehen. Gerade über den Lärm an der Kreuzung Bahnhof-, Güntter- und Rielingshäuser Straße waren zuletzt Klagen von Anwohnern laut geworden. Ihre Beschwerden brachten aber keine für sie zufriedenstellende Reaktion ein (wir berichteten).

Hauptanliegen eines solchen Treffens sei es nun, aufzuzeigen, wo „kurzfristige Lösungen“ denkbar seien, betonte Andreas Seiberling. Der Stadtverwaltung geht’s dabei im Besonderen um die Ausbesserung der maroden Straßen. Schlaglöcher und abgesenkte Gullydeckel sind schließlich ein Hauptgrund für den Verkehrslärm. Wie Jan Trost hervorhob, soll in den Gesprächen auch nicht nur der Bahnhofsbereich ins Auge gefasst werden. „Wir möchten das auf ganz Marbach beziehen.“ Beispielsweise auch auf die Affalterbacher Straße.

Auch die Mitglieder des Ausschusses taten am Donnerstag ihren Ärger über den Zustand der Straßen kund. „Wenn ich im Lkw nur mit 30 Stundenkilometer durch ein Schlagloch fahre, hopft mir mein Nebenmann an die Decke“, meinte Andreas Bertele (CDU). Als „richtiggehend schlecht“ bezeichnete auch Ernst Morlock von der SPD die Straßenzustände in Marbach. Sein Fraktionskollege Dieter Zagel sowie Hendrik Lüdke (Puls) und Jürgen Waser (Grüne) sprachen zudem an, dass es durch das Aufheulen von Motoren, lauter Musik und Geschwindigkeitsüberschreitungen auch viel vermeidbaren Lärm gebe.

Die geplanten Gespräche der Stadt wurden fraktionsübergreifend als richtig erachtet. Jochen Biesinger von den Christdemokraten betonte dabei die besondere Bedeutung der ersehnten Sanierungen. „Diese sind entscheidend. Denn tagsüber kann man oft sowieso nicht mehr als 30 fahren.“

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