Marbach/Leichtathletik Wer zu spät ins Ziel kommt, den bestraft der Regen

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Rund 220 Teilnehmer sind beim Hauptlauf und beim Entdeckerlauf auf die Strecke gegangen. Foto: avanti

Marbach - Der Himmel erscheint grau in grau, doch zunächst können alle Tropfen, die während des 17. Marbacher Gassenlaufs herunterkommen, noch unter der Rubrik „erhöhte Luftfeuchtigkeit“ abgelegt werden. Der Nachwuchs kommt beim Schülerlauf sowie bei den beiden Keims Brezelläufen noch nahezu trocken über die Strecke. Begeistert werden sie – wie alle, die an diesem Tag das Ziel passieren – von den Tänzerinnen des TSC Dance Inspiration angefeuert, die sich als Cheerleader betätigen.

Bei den Brezelläufen gilt dabei das Motto, das ein Nachwuchsläufer auf dem T-Shirt trägt: „Einer siegt, alle gewinnen!“ Denn es gibt hier keine Zeitmessung und keine Platzierungen. Nur eine Brezel für jeden als Belohnung, und die jeweils schnellsten Jungen und Mädchen bekommen einen kleinen Preis. Die kleine Johanna geht übrigens gleich doppelt auf die Strecke. Denn zunächst startet sie fälschlicherweise bei den ganz Kleinen der Jahrgänge 2013 und jünger. Als der Fehler bemerkt wird, läuft sie eben auch noch die doppelte Distanz in ihrer richtigen Altersklasse (2011 und jünger) – und ist in beiden Läufen die Schnellste! Organisationschef Achim Seiter hatte sich im Vorfeld insbesondere für die Brezelläufe wieder mehr Teilnehmer gewünscht. Mit 33 Startern war er letztlich zufrieden, „auch wenn wir in früheren Jahren schon deutlich mehr hatten. Aber das war auch dem Wetter geschuldet“, fand er.

Seiter hatte am Vormittag übrigens „drei Höllenstunden“ zu überstehen: „Ich habe die Zeitmessung einfach nicht zum Laufen bekommen. Erst im vierten Anlauf hat es dann geklappt.“ Da er für die gefundene Lösung allerdings nicht die passenden Kabel in der entsprechenden Länge parat hatte, befand sich die Zeitmessung diesmal nicht wie gewohnt in seinem Bus, sondern nur wenige Meter vom Ziel entfernt unter einem Zeltdach.

Unters Dach flüchteten sich schließlich auch viele Zuschauer und bereits ins Ziel gekommene Teilnehmer, als es zum Ende des Hauptlaufes dann doch noch richtig nass wurde. Es galt das Motto: „Wer zu spät ins Ziel kommt, den bestraft der Regen“. Das tat der Begeisterung der meisten Läufer allerdings keinen Abbruch. Über die Gesamtzahl von rund 280 freute sich Achim Seiter sehr: „Das Bild am Start des Hauptlaufes war einfach super, als da mehr als 200 Teilnehmer bereit standen.“ Einen großen Dank schickte er an die Marbacher Schulen. „Allein von denen sind rund 70 Läufer gekommen. Das Ehepaar Braden hat da tolle Arbeit geleistet“, lobte er. Und die Familie lief auch selbst mit. Sebastian Braden, im „Nebenberuf“ Turntrainer, legte nach jeder Runde eine Radwende über die Zielmatte. Seine Frau Martina absolvierte ebenfalls die komplette Strecke, die ältere Tochter Paula wurde Erste beim Entdeckerlauf über 3,5 Kilometer, die jüngere Tochter Marlene Zweite beim Schülerlauf.

Die männliche Wertung des Entdeckerlaufs gewann auch ein sehr junger Teilnehmer. Niklas Hirsch vom Friedrich-Schiller-Gymnasium ist erst elf Jahre alt, ließ die Konkurrenz aber um mehr als eine halbe Minute hinter sich. Der junge Steinheimer läuft sonst für denn TSG, „am liebsten die 5000 Meter“. Die Strecke beim Gassenlauf empfand er als „sehr anstrengend. Aber ich habe vorher trainiert.“ Die volle Strecke beim Gasssenlauf wird er übrigens nicht so bald absolvieren. „Dafür bin ich noch zu jung, da darf ich erst in drei Jahren starten“, erklärte er.

Vielleicht müssen sich Ralf Himmelsbach und Simon Albert dann warm anziehen. Himmelsbach, bereits zweimal Gassenlaufsieger, und Titelverteidiger Albert lieferten sich ein heißes Rennen um den Sieg. „Nach einer halben Runde war klar, dass wir das unter uns ausmachen“, erklärte Himmelsbach. Gleichauf liefen sie nach den ersten beiden Runden durchs Ziel, „noch an der letzten Kurve waren wir Brust an Brust. Im Sprint hatte ich dann ein bisschen Glück“, räumte Himmelsbach ein, der mit einer Sekunde Vorsprung seinen dritten Gassenlaufsieg holte.

Wesentlich deutlicher war der Vorsprung von Alexandra Olpp. Die schnellste Frau war am Ende zweieinhalb Minuten vor der zweitplatzierten Anne-Sophie Häuser im Ziel. „Ich bin eigentlich Triathletin“, erklärte die Backnangerin, die früher das Friedrich-Schiller-Gymnasium besucht hatte und die Gassen daher schon kannte. „Die Sommerpause der Triathlonliga endet demnächst, da wollte ich noch mal einen schnellen Lauf absolvieren. Die Strecke hier ist echt tough durch die Aufstiege und engen Kurven, das ist kein Bestzeitenkurs. Aber er gibt Kraft“, fand Olpp. Und wer den 17. Marbacher Gasssenlauf so schnell absolvierte wie sie, der kam auch noch vor dem Regen ins Ziel.

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