Marbach/Laufen Gassenlauf wird zur Hitzeschlacht

Von
Eine traumhafte Kulisse: In Marbach ist es durch die malerischen Gassen gegangen. Foto: avanti

Marbach - Dass der Gassenlauf hart ist – ist bekannt. Dass die Steigungen von Runde zu Runde mörderischer werden – auch. Und doch machten sich am Samstag bei der 16. Auflage der Veranstaltung rund 200 Wagemutige bei Temperaturen von über 30 Grad auf durch die Gassen von Marbach. Sie schwitzten, sie schimpften, sie kämpften – und kamen am Ende doch alle happy und stolz ins Ziel.

„Boah, war das ekelhaft“, meinte Stefan Kamenz mit schmerzverzerrtem Gesicht und pumpte, was das Zeug hielt. „Ist das eine eklige Strecke. Das war mega anstrengend“, brachte er nur noch heraus, meinte kurz darauf, wieder bei Puste, aber noch: „Am Rathaus war eine tolle Stimmung. Das ist wirklich ein super Event.“ Sebastian Fischer fasste seinen Lauf so zusammen: „Nach der ersten Runde habe ich gedacht ich sterbe. Nach der zweiten Runde habe ich gewusst, dass ich sterbe und nach der dritten Runde habe ich gehofft, dass ich sterbe.“ Ein paar Minuten später war er aber wieder überraschend lebendig und fand: „Das war toll.“ Ein ähnliches Fazit zog auch Bettina Wissmeier-Huber, die beim Interview im Zielbereich jedoch zu fertig zum Aufstehen war. Pitschenass – auch dank der Wasser-Abkühlung von Freunden – saß sie abgekämpft im Zielbereich. „Gott, das war saumäßig heiß. Nach der ersten Runde habe ich gedacht ich schaffe es nicht. Nach der zweiten Runde dachte ich ‚Ich steig aus’, und in der dritten Runde habe ich gedacht ‚Jetzt ist auch egal, ich reiß es runter’.“ Vor allem die Steigungen hoch zur Schillerhöhe hatten ihr zu schaffen gemacht. „Die waren fies. In den Holdergassen ging es dafür immer gut.“ Auch wegen des zeitgleich stattfindenden Holdergassenfestes, das zahlreiche Besucher in die Schillerstadt lockte und das als gute Kulisse für den Lauf diente. „Manchmal musste man die Leute etwas animieren. Aber dann haben sie mitgemacht“, meinte Sebastian Braden, der am Ende der 10,5 Kilometer sogar noch die Kraft aufbrachte, per Handstand über die Ziellinie zu laufen.

Der Sportlehrer vom Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasium hatte insgesamt rund 50 Teilnehmer dazu gebracht, beim Lauf mitzumachen. Neben den FSGlern standen auch eine Handball-Mannschaft der HSG Marbach-Rielingshausen sowie eine Gruppe vom Asylkreis Marbach im Fokus. Und natürlich die Erstplatzierten – allen voran David Albert vom Team Silla Hopp. Mit einem neongrünen Achsel-Shirt setzte er sich von Beginn an beim Hauptlauf an die Spitze und feierte am Ende nach 38:54 Minuten auch einen Start- und Ziel-Sieg. „Ich habe es einfach mal probiert. Mal geht so etwas gut, mal nicht. Aber der Radfahrer vor mir hat alles super frei gepfiffen und ich habe jede Menge Unterstützung von meinen Kollegen vom Polizeirevier Marbach bekommen. Die hingen alle am Fenster. Das war klasse“, meinte der Marbacher Polizist und war happy, „dass ich es nach sieben Jahren endlich auf Platz eins geschafft habe und mein Bruder Simon Vierter wurde“. Direkt hinter David Albert kam Sven Kratochwil ins Ziel (39:31 Minuten), der nach der ersten Runde noch Dritter war, sich dann aber an Björn Laibacher, dem späteren Drittplatzierten vorbeischob. „Mehr war heute bei mir einfach nicht drin“, sagte Laibacher, der am 10. Oktober beim Ironman in Hawaii startet und noch einmal einen Wettkampf unter „heißen Bedingungen“ absolvieren wollte, wie er erzählte. Seine Endzeit: 39:55 Minuten.

Bei den Frauen strahlte die Siegerin des Hauptlaufs, Birgitt Schrode, nach 49:09 Minuten noch erstaunlich fit im Zielbereich. „Mit dem Alter lernt man, die Bedingungen einzuschätzen“, erklärte sie lächelnd und meinte: „Es war wirklich brutal heiß heute, aber ich kann mit Hitze gut umgehen.“ In der zweiten Runde hatte sie die Führung übernommen. Danach gab sie diese nicht mehr aus der Hand und war darüber mehr als zufrieden. „Ich war heute zum 16. Mal dabei und habe zum vierten Mal gewonnen. Darüber freue ich mich riesig“, so die Dauerstarterin. Zweite wurde Zarah Willmann (51:39 Minuten), Dritte Bettina Wissmeier-Huber (52:23 Minuten), die wie bereits vorne erwähnt zwischenzeitlich ja sogar ans Aufhören dachte, am Ende aber ebenso wie alle Teilnehmer mega stolz darauf war, bei diesen Bedingungen gefinisht zu haben, gezeigt zu haben, dass der Gassenlauf hart, man selbst aber härter ist.

Fotostrecke
Artikel bewerten
6
loading