Marbach/Kirchberg Sorge vor mehr Verkehr wegen Baumit

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Die Marbacher Stadtverwaltung würde gerne wissen, wie sich die Verkehrsströme nach der Baumit-Ansiedlung um den Steinbruch in Zingelhausen herum entwickeln. Foto: Archiv (Kuhnle)

Marbach/Kirchberg - Es ist eher ungewöhnlich, dass in der Bürgerfragestunde Themen angeschnitten werden, die mit Vorkommnissen auf der eigenen Gemarkung nur am Rande zu tun haben. Sowohl im Rielingshäuser Ortschaftsrat als auch im Marbacher Gemeinderat war genau das jetzt aber der Fall. Und beides Mal ging es um dasselbe Thema: die geplante Ansiedlung der Firma Baumit in Zwingelhausen direkt am Steinbruch Lukas Gläser.

Angedacht ist, dass der Steinbruch-Betreiber künftig Baumit mit Material versorgt, das dann zu Estrich, Mörtel und Co. verarbeitet wird. Rund 80 Prozent der Gesteine soll Lukas Gläser liefern, der Rest muss herangekarrt werden – was bei den Rielingshäusern die Alarmglocken schrillen lässt. Sie treibt die Sorge um, dass deshalb mehr Lastwagen im Ort unterwegs sein werden. Folglich erkundigte sich Stefan Heß, einer von zwei Sprechern der Bürgerinitiative gegen die Steinbrucherweiterung in Rielingshausen, im Gemeinderat, welche „verkehrstechnischen Auswirkungen“ für Marbach und Rielingshausen befürchtet werden. Im Rahmen des Anhörungsverfahrens werde man genau diese Informationen einfordern, kündigte der Bürgermeister Jan Trost an. „Das soll durch ein Verkehrsgutachten aufgezeigt werden“, erklärte er. Entsprechend soll auch die Stellungnahme der Stadt Marbach zum Bebauungsplanverfahren in Kirchberg ausfallen. Allerdings muss der Ausschuss für Umwelt und Technik die Forderung nach einem Gutachten noch absegnen. Das Thema steht am morgigen Donnerstag auf der Tagesordnung.

Wie und wohin sich die Verkehrsströme entwickeln werden, kann auch der Kirchberger Bürgermeister Frank Hornek nicht prognostizieren. „Das hängt letztendlich davon ab, wer die Lieferanten und wer die Abnehmer sind“, erklärt der Rathauschef. Allgemein betrachtet sei es aber so, dass nach dem Umzug Baumits vom aktuellen Standort in Aldingen nach Zwingelhausen weniger Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein werden. Schließlich werde derzeit das gesamte Gestein, das das Unternehmen benötigt, von einem Steinbruch in Vaihingen-Roßwag herangeschafft. „Das fällt weg“, sagt Frank Hornek. In Zwingelhausen werde schließlich ein Großteil des Materials über ein 300 Meter langes Förderband einfach von A nach B befördert. Teil der Wahrheit sei aber auch, dass vor Ort das Verkehrsaufkommen unweigerlich zunehmen werde. Zum einen müssten 20 Prozent zugeliefert werden. Zum anderen werde das von Baumit verarbeitete Material anschließend abtransportiert.

„Die Anbindung ist aber gut“, betont der Kirchberger Bürgermeister. Die Produkte könnten direkt über Landesstraßen an- und abgefahren werden. „Das will zwar keiner hören. Aber unabhängig davon, welche Landesstraßen in der Umgebung dafür tatsächlich benutzt werden: Sie sind alle nur schwach bis mittelmäßig befahren“, gibt der Bürgermeister zu bedenken.

Rollen werden die Laster von und zu Baumit in Zwingelhausen voraussichtlich spätestens von 2020 an. Das Unternehmen wird sich direkt neben dem Steinbruch im Norden ansiedeln. Hier habe sich Lukas Gläser ein vier Hektar großes Areal gesichert, erklärt Frank Hornek. Zwei Hektar sind für Baumit reserviert, die anderen beiden Hektar befinden sich in einem potenziellen Überschwemmungsgebiet, werden also nicht überplant. Zwischen den vier Hektar und dem Steinbruch befindet sich ein Feldweg, der für das Kooperationsprojekt der beiden Unternehmen benötigt und deshalb weichen muss. Der Gemeinderat gab dafür per Umwidmungsbeschluss seinen Segen.

Der Wegfall der Trasse war in einer Infoveranstaltung von Bürgern heftig beklagt worden, weil die Strecke als Radweg nach Aspach genutzt wird (wir berichteten). Frank Hornek betont aber, dass man auch andere Verbindungen nutzen könne, um per Drahtesel dorthin zu gelangen. Jene Alternativen wolle man im Gegenzug besser gestalten. Verbesserungen soll es auch für die Bürger in Zwingelhausen geben, die sich durch die Arbeiten im Steinbruch drangsaliert fühlen. Der Betreiber will das Schotterwerk modernisieren, wodurch bei der Produktion und im Betriebsablauf weniger Staub anfallen soll, wie Frank Hornek erläutert. „Mit den Arbeiten im Steinbruch selbst hat das aber nichts zu tun“, will der Bürgermeister keine falschen Hoffnungen machen. Heißt: Mit den Begleiterscheinungen, die das Geschäft dort mit sich bringt, müssen die Bürger unverändert leben. Allerdings werde sich der Steinbruch perspektivisch nicht zur Siedlung hin, sondern davon weg bewegen – im Gegensatz zum benachbarten Rielingshausen, wo die Betreiber-Firma Klöpfer zum Ort hin erweitern möchte .

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