Marbach Keine Angst vor dem Piks

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Nach dem Spenden bleibt man am besten noch ein wenig liegen und drückt auf die Einstichstelle. Foto: Michael Raubold Photographie

Marbach - Für Esther Maier ist die 107. Blutspende wie jede eine ganz besondere. Seit fast 60 Jahren ist die bald 80-Jährige im Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes in Marbach aktiv, und wie immer seit dem 23. August 1960 die Organisatorin und die „gute Seele“ im 22-köpfigen Aktionskreis. „Am Anfang waren wir noch weit und breit die einzige Blutspende“, erinnert sich Esther Maier. Mit mehr als 200 Spendern, darunter traditionell auch immer viele Erstspender, hatte man regen Zulauf. 2014 wurde bei der 100. Aktion die Zahl von insgesamt 16 000 Spendern erreicht. Jetzt hat man zwischen 115 und 130 Spender, 117 waren es am vergangenen Freitag im Marbacher Schulzentrum, davon 20 Erstspender.

Für Esther Maier beginnt die intensive Phase immer schon vier Wochen vorher. „Da startet die Werbung.“ Die Tage vor der Blutspendeaktion sind mit Botengängen gefüllt. 100 Brezeln, zwei große Hefezöpfe, Brot, der Wurstsalat, Aufschnitt, Wurst und Käse werden bestellt. „Das Geschirr, die Tassen und Gläser haben wir beim DRK, das packen wir eine Woche vorher schon in Kisten.“ Am Tag selbst geht Esther Maier um 11.30 Uhr aus dem Haus, dann werden noch frische Sachen eingekauft wie Tomaten, Paprika und Obst. „Heute gibt es Trauben, die sahen einfach gut aus.“

Um 14 Uhr steht das Küchenteam bereit. Auch schon fast 90-Jährige – man würde sich über jüngeren Nachwuchs freuen – schmieren fleißig die Brezeln. „Wenn das Team vom Blutspendedienst kommt, muss der Kaffee fertig sein.“ 180 Tassen werden gekocht, davon bekommen die Spender natürlich auch einige ab. Aber Kaffee ist schon wichtig, findet Tanja Lutz vom Rettungsdienst, die heute an der Eingangskontrolle Dienst hat. Sowohl der Blutspendeausweis als auch der Personalausweis müssen vorgelegt werden. Um Missbrauch auszuschließen, muss sichergestellt sein, dass jeder Spender sich ausweisen kann.

Im Idealfall sind auf dem neuen Blutspendeausweis schon alle wichtigen Daten wie Spendernummer und Blutgruppe gespeichert, was das Prozedere etwas vereinfacht. „Uns geht es oft einfach auch darum, dass fleißige Spender den Mindestabstand von 56 Tagen zwischen zwei Blutspenden einhalten“, erklärt Tanja Lutz. „Erstspender müssen 18 und dürfen höchstens 63 Jahre alt sein. 73 Jahre ist derzeit die Altershöchstgrenze.“

Wer früh kommen kann, spart Zeit. Abends wird es voll. Eine halbe bis dreiviertel Stunde sollte man aber in jedem Fall einplanen, so lange dauert es auch ohne Wartezeiten. Nächste Station nach der Eingangskontrolle mit Fragebogen ist die ärztliche Untersuchung. Dr. Karin Steinhoff-Balzer und ihr Team schauen genau hin.

Nicht nur, ob alle Fragen sorgfältig beantwortet wurden. Auch, wer alles mit Nein ankreuzen kann, ist nicht automatisch zur Blutspende zugelassen. „Eine oder zwei müssen wir meist wieder wegschicken“, so Steinhoff-Balzer. Eine kleine Verletzung vom Vortag, eine leichte Erkältung kann schon reichen. Oder, was selbst die erfahrene Ärztin überrascht: Nicht nur eine Karibik-Reise, auch Aufenthalte in Griechenland, Teilen Italiens oder in Wien schließen derzeit wegen des „West-Nil-Fiebers“ eine Blutspende aus.

Interessant ist auch der „vertrauliche Selbstausschluss“. Wer weiß, dass er oder sie eigentlich kein Blut spenden darf, kann beim Verwendungshinweis ein rotes Nein aufkleben. „Es kann vorkommen, dass von der Arbeit oder dem Sport ganze Gruppen sich zur Blutspende anmelden, da will man ja nicht jedem auf die Nase binden, dass man eigentlich nicht spenden darf“, erklärt Steinhoff-Balzer diese Besonderheit. Viele kommen aus Überzeugung. Eine 26-Jährige legt sich gerne auf eines der acht Betten, um 500 Milliliter Blut zu spenden. „Wenn ich in einer Notfall-Situation bin, dann bin ich auch froh, wenn mir jemand helfen kann.“ Den kleinen Piks nimmt die junge Frau gerne auf sich. „Es tut nicht so arg weg, wie man denkt.“ Kreislaufprobleme hatte sie nur beim ersten Mal, und das auch nur „weil ich zu wenig getrunken hatte“. Darauf achtet Gernot Rose im Labortest. Außerdem wird der Blutdruck kontrolliert und der Hämoglobinwert getestet. „Bei Frauen muss der Wert zwischen 12,5 und 16,5 liegen, bei Männern zwischen 13,5 und 18,5.“ Wer drunter oder drüber liegt, darf nicht spenden. Ein zu niedriger Wert ist Hinweis auf Eisenmangel. Das zunächst abgenommene Blut wird in verschiedene Röhrchen gefüllt. „Im lila Röhrchen wird die Blutgruppe bestimmt, das rote ist für Infektionskrankheiten wie Hepatitis, mit dem schwarzen wird eine PCR-Untersuchung gemacht, die ebenfalls Aufschluss über Infektionen geben kann“, gibt Gerda Klaski vom Blutspendedienst Auskunft.

Der 18-jährige Julius Betz erlebt das alles zum ersten Mal. „Ich wollte mal schauen, wie’s abläuft“, sagt der Erstspender. Ein „kleines bisschen Angst“ vor der Nadel habe er schon, gibt Betz zu, „aber das tut sicher nicht arg weh. Zudem kann ich andern Menschen helfen, das ist doch prima!“ Für Klaus Kling ist es schon die 81. Blutspende. „Die linke Seite ist besser“, weiß der Routinier. „Es hat immer gut geklappt, sonst wäre ich sicher nicht so oft gekommen.“

Mancher pumpt, andere lassen das Blut einfach in die Beutel laufen. Nach einigen Minuten ertönt das charakteristische Bimmeln. Das Zeichen für Frank Laabs vom „Transportservice“, sich auf den Weg zu machen. „Problematisch ist meist nur das Aufstehen.“ Dreimal pro Blutspendetermin komme es im Schnitt vor, dass jemand „zusammenklappt“. Aber mit freundlichen Worten, ein paar Kreislauftropfen und einem kräftigen Vesper haben die Mitarbeiter vom DRK-Ortsverein bisher noch jeden wieder fit bekommen. „Deshalb ist es uns wichtig, dass die Leute noch hierbleiben und was essen“, sagt Esther Maier. „Das kräftigt den Körper, man kann sich unterhalten, und wir haben die Leute ein paar Minuten länger unter Beobachtung.“

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