Marbach-Hörnle Vorwürfe gegen Polizei nach Todesfall

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Die Steinheimerin Gaby Hess Foto: Werner Kuhnle

Für den ehemaligen Erdmannhäuser und jetzigen Löchgauer Klaus Fejsa ist die Sache klar: Die im September 2017 im Stadtteil Hörnle verschwundene Cäcilia P. könnte noch leben, wenn es nicht schwere Versäumnisse der Polizei gegeben hätte. Tatsächlich hat er kurz nach der Bekanntgabe des Vermisstenfalls in der Zeitung mehrfach der Polizei gegenüber die Vermutung geäußert, die 76-Jährige habe möglicherweise bei einem Spaziergang austreten müssen, sei dabei einen mit Wald oder Gebüsch bewachsenen Hang hinabgestürzt und hilflos liegengeblieben. Für ihn, so Fejsa, würde das erklären, warum sie bei der Suche vom Hubschrauber aus nicht entdeckt werden konnte. Er nannte auch Beispiele für einen solchen Hang in der Nähe des Stadtteils. Und in der Tat wurden die sterblichen Überreste der Frau im Januar dieses Jahres in genau so einem Gebiet aufgefunden: am bewaldeten Hang zwischen Marbach und Neckarweihingen nahe der Bushaltestelle gegenüber dem Kraftwerk.

Der Polizeisprecher Peter Widenhorn erklärte auf unsere Nachfrage, am 11. September, dem Tag des Verschwindens von Cäcilia P., sei die von den Personensuchhunden der Polizei am Wohnhaus der Vermissten im Hörnle aufgenommene Spur im Bräunersbergweg in Marbach-Süd und damit in entgegengesetzter Richtung zur späteren Fundstelle abgerissen. Parallel dazu und am Folgetag habe man mit Durchsuchungskräften am Boden und dem mit einer Wärmebildkamera ausgerüsteten Polizeihubschrauber den Bereich Marbach-Süd, Hörnle, Eichgraben, Makenhof bis Neckarweihingen und Poppenweiler durchsucht. Auch das betreffende Waldstück habe dazugehört. Suchhunde, räumt er auf weitere Nachfrage ein, habe man in diesem Gebiet jedoch nicht eingesetzt.

„Es hatten sich keinerlei Hinweise ergeben, die einen Hundeeinsatz in diesem Bereich erforderlich gemacht hätten, zumal auch die Mantrailer-Hunde die Spur nicht in diese Richtung verfolgten“, so Widenhorn. Genau darin sieht Fejsa das Hauptversäumnis der Polizei: „Der Suchhund hätte zwingend nicht nur beim Wohnhaus angesetzt werden dürfen, von wo er nicht die letzte, sondern die deutlichste Spur auf dem regelmäßigen Einkaufsweg der Frau nach Marbach anzeigte, sondern der Hund hätte zwingend zeitnah an diesen von mir angegebenen Waldhang geführt werden müssen.“ Ganz so einfach ist die Sache indes nicht.

Denn ein gut ausgebildeter Mantrailer folgt nicht einer durch häufige Nutzung möglicherweise besonders intensiven Spur eines bestimmten Menschen, wie das Fejsa mutmaßt, sondern in der Regel der frischesten Spur, sagt die Steinheimerin Gaby Hess. Sie muss es wissen, denn sie führt für das Deutsche Rote Kreuz einen ausgebildeten Mantrailer. Die frischeste Spur müsse ein Hund aber erst suchen. Die Suche ab einem Wohnhaus könne problematisch sein, wenn es mehrere Aus- und Abgänge gebe und man den falschen nehme. „Wenn der Hund das Haus umrundet, stößt er aber oft auf die frischeste Spur“, so die erfahrene Hundeführerin.

Von größter Wichtigkeit sei es, dass der Geruchsträger für den Hund sauber sei, sprich dass wirklich nur der Geruch des Vermissten daran haftet, betont sie und zieht einen anschaulichen Vergleich: „Sonst ist das so, wie wenn man einem Menschen ein Gruppenbild hinhält und sagt ‚Such!‘“ Häufig meinten die Leute es gut und fassten einen rein persönlichen Gegenstand des Gesuchten wie beispielsweise eine Zahnbürste an. Dann hafte auch ihr Geruch daran. Nur wenn man sicher wisse, wer den Geruchsträger alles berührt habe, könne man für den Hund diese Personen ausschließen.

Generell käme ein Mantrailer beim Einsatz nur in etwa 30 Prozent der Fälle bei der gesuchten Person an, erklärt die Steinheimerin. Nicht nur, weil Geruchsträger verunreinigt seien, sondern auch, weil Geruch auch von anderen weitergetragen werden könne. Bei Brücken sei ein völliger Geruchsabriss möglich. Auch das Wetter spiele eine Rolle. Regen trage bei einer Hanglage ein bisschen Geruch weg, Wind sei auch eher ungünstig für Trailinghunde. Nach den Aufzeichnungen von Yannick Garbe, Meteorologe der Marbacher Zeitung, war es am 11. und 12. September 2017 wechselhaft mit Regenschauern, der Wind kam in Böen aus Südwest, also aus Richtung des betreffenden Waldstücks. Am 13. September wurde der Wind stürmisch, und abends gab es kräftigen Regen. Doch nur wegen des Wetters solle man sich nicht entmutigen lassen, betont Hess. „Die sächsische Polizei, bei der wir immer wieder zu Schulungen sind, sagt: ‚Starten und probieren.’“

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