Marbach Hausaufgaben für den Rektor und das Rathaus

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Über die Betreuung wird stark diskutiert. Foto: dpa

Marbach - Wer davon ausgegangen war, dass sich die Unzufriedenheit der Eltern über das reduzierte Betreuungsangebot an der Grundschule in Luft aufgelöst hat, wurde am Donnerstag eines Besseren belehrt. Mit Kind und Kegel waren viele Mütter und Väter in den Sitzungssaal des Rathauses geströmt, wo der Gemeinderat darüber debattierte, ob die Kids nach dem Wegfall der Kerni wenigstens in der langen Mittagspause beaufsichtigt werden sollen. Mit dieser konzertierten Aktion und ihren kritischen Fragen demonstrierten die Eltern, dass ihr Missfallen nach wie vor vorhanden ist. Und immerhin konnten sie den Verwaltungssitz mit einem Teilerfolg im Rücken wieder verlassen.

Das Gremium rüttelte zwar nicht grundsätzlich am Betreuungskonzept und will zunächst auch die Kerni nicht wieder einführen. Doch die Verwaltung und der Rektor Wolfgang Röslin bekamen zumindest Hausaufgaben mit auf den Weg, die zu einer Verbesserung der Situation führen sollen. So unterstützte die Runde einen von Hans Martin Gündner (SPD), Sebastian Engelmann (Grüne) und Dr. Michael Herzog (Freie Wähler) initiierten Antrag, wonach die Stadt die Eltern weiter in der Sache unterstützen soll. Verlangt wird, dass die Kommune dabei hilft, einen Partner wie die Karlshöhe oder die Jugendhilfe Hochdorf zu finden, der bei der Betreuung mit ins Boot kommt. Alternativ soll den Müttern und Vätern dabei unter die Arme gegriffen werden, das Ganze mit der Gründung eines Vereins selbst zu schultern. Die Betreuung in der langen Mittagspause sollte zunächst Itzebitz aus Großbottwar übernehmen. Doch der Verein winkte letztlich ab, weil sich keine qualifizierten Kandidaten für die Aufgabe beworben hatten (wir berichteten). Wobei die Verwaltung auf Vorschlag von Michael Herzog zunächst klären soll, ob die Eltern auch mit einer Betreuung durch Personal einverstanden wären, das nicht einschlägig ausgebildet ist.

An die Adresse von Wolfgang Röslin richtete sich ein Beschluss, der auf einer Anregung von Jochen Biesinger basiert. Der CDU-Mann appellierte an ihn, die Stundenpläne nach Möglichkeit so zu überarbeiten, dass von der Kita, über den Kindergarten bis zur Schule halbtags vergleichbare Betreuungszeiten angeboten werden. Aktuell endet der Unterricht vor einer langen Mittagspause um 11.35 Uhr – womit nicht zuletzt berufstätige Eltern augenscheinlich Probleme haben, Familie und Job unter einen Hut zu kriegen.

Röslin deutete aber schon an, dass damit die Quadratur des Kreises verlangt werde. Die Pläne seien auf der Basis des Ganztageskonzepts entwickelt worden. Dieses sehe Mischklassen aus Halbtags- und Ganztagsschülern vor. Unter der Prämisse sei der Stundenplan von 8 bis 15 Uhr ausgestaltet worden. Er habe keinen Spielraum, das einfach zu ändern. „Ich bin gefangen in dem System, das wir selbst gewählt haben“, betonte er. Die Stundenpläne standen aber nicht nur deshalb im Fokus. Sebastian Engelmann bemängelte, dass bei der Verabschiedung des Konzepts die Taktung mit einem Unterrichtsende auch schon um 11.35 Uhr nicht klar gewesen sei. Auch Jochen Biesinger war nur von beispielhaften Lösungen ausgegangen. So oder so sei es wichtig, dass die Eltern eine echte Wahl zwischen Ganztagsbetrieb und Halbtagsschule hätten. „Das wurde immer versichert“, erklärte er. Die Gespräche mit den Eltern hätten jedoch gezeigt, dass es in der Richtung Nachholbedarf gebe. „Wir haben weder Fisch noch Fleisch. Es wäre gut, wenn beide Konzepte auch pädagogisch zufriedenstellend verwirklicht würden“, meinte auch Engelmann.

Hans Martin Gündner argumentierte ähnlich und betonte, dass Verlässlichkeit für die Eltern ein hohes Gut sei. Die Kinder müssten also „bis zur Mittagszeit, beziehungsweise in der Pause bis zum Wiederbeginn des Nachmittagsunterrichts“ betreut werden. Deshalb solle sich die Stadt um eine Betreuung in der langen Pause bemühen. Dagegen hatte Hendrik Lüdke (Puls) nichts einzuwenden. Seine Fraktion würde sich auch einem neuen Modell nicht verschließen. Wobei bei all dem bedacht werden müsse, dass für die betroffenen Kinder eine Teilnahme am Ganztagesbetrieb möglich gewesen wäre.

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