Marbach Gemeinsam viel erreicht

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Am Montag haben sich die ehrenamtlichen Vorleser nochmal zu einem kleinen Abschiedsfest getroffen. Foto: Werner Kuhnle

Marbach - Nächsten Mittwoch wird die Marbacher Bücherkiste im Musiksaal der Grundschule zum letzten Mal Schätze heben. Nach 14 Jahren hören die Ehrenamtlichen rund um Ursula Pink auf. Einmal im Monat haben sie sowohl in der Grundschule in Marbach als auch in Rielingshausen Erst- und Zweitklässlern vorgelesen. Im Stadtteil wurde das Projekt bereits vergangenes Jahr beendet. „Einer aus unserem Team dort konnte aus beruflichen Gründen nicht mehr, eine andere aus gesundheitlichen“, erklärt Ursula Pink. Aufgefangen wurde das Vakuum durch die Stadtbücherei, die in der Rielingshäuser Außenstelle seitdem einmal im Monat eine Vorlesestunde anbietet.

Die Entscheidung, dass jetzt dann auch in der Kernstadt Schluss sein wird, haben die derzeit rund 15 Vorleser gemeinsam getroffen. „Seit zwei Jahren sind einfach immer weniger Kinder gekommen. Die Teilnehmerzahl hat rapide abgenommen und wir als Gruppe hatten dann einfach das Gefühl, es ist Zeit aufzuhören“, begründet Ursula Pink die Entscheidung. Wollten anfangs noch bis zu 70 Kinder in Fantasiegeschichten mitgenommen werden, waren es zuletzt nur noch 17 Kinder. „Die Kinder haben einfach immer weniger Zeit und wollen dann neben Schule, Musik und Sport auch noch ein wenig Freizeit haben“, erklärt sich die 74-Jährige die Entwicklung. „Da fällt dann das Lesen als Erstes runter, weil es in den Augen der Kinder vielleicht keinen Nutzen hat.“

Die Idee für die Bücherkiste hatte Ursula Pink 2004, nachdem der Stadtinfoladen ein Lese- und Erzählseminar über die Württembergische Elternakademie in der Volkshochschule angeboten hatte. „Da haben zwölf Marbacher mitgemacht und ich dachte mir: Das kann doch nicht umsonst gewesen sein“, erinnert sich die 74-Jährige. Also nahm sie Kontakt zu den beiden Grundschulen auf, bei denen sie auch offene Türen mit der Idee einrannte. „Anfangs haben wir in Marbach sogar vier Nachmittag im Monat angeboten. Zwischen sechs und acht Vorleser haben in Gruppen bis zu 70 Kindern vorgelesen.“ Erst im Herbst 2008 wurde auf einmal pro Monat, genauer gesagt auf den jeweils dritten Mittwoch im Monat, reduziert. In Rielingshausen, erinnert sich Ursula Pink, waren zwei Mädels sogar so begeistert, dass sie bis zum Ende der Grundschulzeit in die Bücherkiste kamen. Zwischendurch, mit Beginn der Ganztagsschule an der Grundschule, wurde die Bücherkiste in die Betreuung sozusagen integriert. Was für die Ehrenamtlichen keine wirkliche Freude gewesen ist, berichtet Pink. Denn es seien vor allem Kinder gekommen, die eigentlich nicht wollten, aber mussten. „Nach einem Jahr haben wir uns ausgeklinkt und wieder außerhalb der Ganztagsschule ein freiwillige Angebot gemacht und es lief wieder gut.“

Am Montagabend hat sich die Gruppe im Stadtinfoladen zu einem kleinen Abschiedsfest getroffen und noch einmal die vergangenen 14 Jahre Revue passieren lassen. Fazit: Gemeinsam hat man etwas erreicht. „Wir haben mehreren Generationen gezeigt, wie wichtig Lesen ist“, bringt es Pink auf den Punkt.

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