Marbach Ein Schlussstein für Pauline Stiegler

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  Foto: Fenja Sommer

Marbach - Stolpern heißt, auf etwas stoßen – das betonte Bürgermeister Jan Trost, als gestern in der Niklastor-straße der Stolperstein für Pauline Stiegler verlegt und die Hinweistafel eingeweiht wurden. Die Hinweistafel hat Stadtrat Michael Herzog gespendet, die Kosten für den Stein übernimmt Klaus Ruge.

„Wir stoßen auf etwas, das in unsere Stadt unfassbar ist“, so Trost weiter. Die geistig behinderte Pauline Stiegler wurde im Nationalsozialismus vergast. Mit dem Stolperstein bekommen Opfer der nationalsozialistischen Politik ein Gesicht, so Trost weiter. Unverhofft stoße man im täglichen Leben auf derartige Steine. „Die Opfer sind auf diese Weise wieder mitten unter uns.“

Gunter Demnig, der innerhalb der vergangenen 20 Jahre in mehr als 1000 Städten mehr als 40 000 Steine verlegt hat, gab dem Stein auch in Marbach seinen Platz. Mit bewegenden Worten beschrieb Demnig, warum er sich so engagiert. „Es ist überflüssig zu sagen, dass der Hintergrund kein Grund zur Freude ist.“ Auch sei die Verlegung eines Stolpersteins – obwohl es mittlerweile schon viele sind – alles andere als Routine. „Die Schicksale sind immer wieder neu.“ Viele Begegnungen hat Gunter Demnig in den vergangenen Jahren durch die Stolpersteine schon gehabt. Und noch viele weitere liegen vor ihm. Denn nicht nur in Deutschland, auch im Ausland finden sich Stolpersteine. „Wenn es klappt, kommt auch ein Stein nach Kasachstan.“ Dieser soll an einen russischen Zwangsarbeiter erinnern, der in Magdeburg ermordet wurde.

Die Worte, die Demnig wählte, regten sehr zum Nachdenken an. Wenn die vielen Familien nicht durch die nationalsozialistische Politik ausgelöscht worden wären, würden „die Kinder und Enkel mit unseren spielen, wären Freunde.“ Stolpersteine sind für ihn keine Grabsteine, sondern Schlusssteine – die dem grausamen Schicksal einen Abschluss geben.

Die Musikklasse 8k des Friedrich-Schiller Gymnasiums unter der Leitung von Wolfgang Jauch begleiteten die Veranstaltung. Schüler der Anne-Frank-Realschule unter der Leitung von Lara Schweizer lasen eindrückliche Gedanken vor und legten weiße Rosen nieder. Man müsse erkennen, „dass nicht die gestört waren, die umgebracht wurden, sondern die, die es taten“, so eine Schülerin.

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