Marbach „Ein Leben ohne Freund ist mehr dem Tode gleich“

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Der Vorsitzende des Tobias-Mayer-Vereins, Armin Hüttermann, und Finanzier Hermann Püttmer (von links) durchschneiden gemeinsam das Band. Foto: Werner Kuhnle

Marbach - Marbach ist auch Schillerstadt. Doch am Samstag gehörte die Altstadt einem anderen Sohn der Stadt – dem Astronomen Tobias Mayer. Einst hatte dieser auch ein Sonett geschrieben, über die Freundschaft. Und wie viele Freunde der 1762 verstorbene Marbacher noch heute hat, ist bei der Eröffnung mehr als deutlich geworden. Schon von Weitem war das Stimmengemurmel zu hören, das Festzelt in der Torgasse war gut gefüllt.

Hinzu kamen gleich 16 Redner, die mit Grußworten im Gepäck angereist waren. Nicht nur aus Marbach selbst, sondern auch aus Esslingen und Göttingen. Dort hatte Tobias Mayer einen Großteil seines Erwachsenenlebens gewirkt. Und auch der Liederkranz Marbach brachte ihm ein Ständchen dar.

Das große Interesse berührte den Vorsitzenden des Tobias-Mayer-Vereins, Armin Hüttermann: „Dieser Tag markiert einen Höhepunkt in der Geschichte des Vereins.“ Er nutzte die Gelegenheit, sich bei allen Helfern, den Nachbarn „und allen, die an uns geglaubt haben“, zu bedanken. Dazu gehöre vor allem der Finanzier und Riva-Geschäftsführer Hermann Püttmer sowie seine Frau Erika: „Mit ihnen haben wir das große Los mit Zusatzzahl gezogen.“

Püttmer zog wiederum seinen Hut vor dem Vereinsmitglied Dieter Baader, „der mich beackert und bezirzt hat“ – bei einem selbstgebrauten Bier in der Holdergasse. Der Brauer sei somit „quasi die treibende Kraft, also die Hefe gewesen“, schloss sich Siegfried Krauter, ein Schulfreund von Püttmer, an.

Keiner der am Bau Beteiligten hatte es sich nehmen lassen, vorbeizukommen. So waren auch Architekt Martin Webler und Achmed Rasch, der für die Gestaltung der Ausstellung zuständig war, vor Ort und überbrachten dem Verein ihre guten Wünsche. „Ein weiterer Akzent für die Stadt ist hier geschaffen worden“, so Webler. Bürgermeister Jan Trost schloss sich an: „Das Museum ist ein richtiger und wichtiger Schritt.“ Er sei froh, dass die Differenzen mit dem Denkmalamt ein gutes Ende genommen haben. Sein Vorgänger Herbert Pötzsch zeigte sich ebenfalls erfreut: „Wohl sei der Stadt, die so einen Gönner hat.“

Marbach beeindruckte auch Stephan Wittkampf, der ein Nachfahre von Tobias Mayer ist und anlässlich der Eröffnung des Museums angereist ist: „Ich bin fasziniert und erstaunt, wie eine kleine Stadt so etwas auf die Beine stellen kann.“

Gekommen waren auch Vertreter vieler Vereine, wie die Keppler-, Bohnenberger- oder auch die Gaus-Gesellschaft. Die „alte Tante“ – wie sich der Schillerverein selbst vorstellte – war ebenfalls mit von der Partie. Doch wie es Achmed Rasch richtig gesagt hatte: „Sehen ist besser als viele Worte.“ Daher wurde Hüttermann und Püttmer schließlich die Ehre zuteil, das Band zu zerschneiden. Während sich Luftballons in den Himmel erhoben und die „Ode an die Freude“ erklang öffneten sich die Türen zum Museum zum ersten Mal. Darin prangt auf einer Tafel das Sonett von Mayer: „Ein Leben ohne Freund ist mehr dem Tode gleich. Ein Leben unter Freund der Erden Himmelreich.“ Die Eröffnung seines Museums ist dafür wohl der beste Beweis.

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