Marbach „Ein Krönchen muss schon sein“

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Pudel Maxl ist Vollprofi, was den Besuch im Hundesalon angeht. Foto: Michael Raubold Photographie

Marbach - Der Besuch beim Friseur geht oft mit einer gewissen Nervosität einher: Hoffentlich sehen die Haare am Ende auch gut aus. Pudel Maxl hat da keine Bedenken, als er freudig schwanzwedelnd mit seinem Frauchen Angela Trinkner zu Siglinde von Droste kommt. „Na Maxl, hast du heute Lust?“, fragt die Inhaberin von „Siggis Hundesalon“ den Vierbeiner, der schon genau weiß, wo das Körbchen steht, in dem er auf den Beginn der Pflege wartet.

„Wir sind wirklich überfällig“, erklärt Angela Trinkner mit Blick auf ihren Pudel. Normalerweise kommen sie alle sechs Wochen vorbei: „Aber diesmal ist Maxl krank gewesen und wir haben mal pausiert.“ Schon seit er noch ein Welpe war, besuchen die beiden „Siggis Hundesalon“. Und das ist auch gut so, wie Siglinde von Droste erklärt: „Hunde müssen sich erst an die Prozedur gewöhnen. Je früher desto besser.“ Denn das Rundum-Programm für gepflegtes Fell bietet einige Herausforderungen – die Maxl aber natürlich souverän meistert.

Los geht es in der Regel mit einem Bad. Sorgfältig prüft Siglinde von Droste erst die Temperatur und fängt dann am Hinterteil von Maxl mit der Dusche an: „Das Duschen mögen die Hunde meistens nicht so.“ Vor allem, wenn es um Gesicht und die Ohren geht, daher passt von Droste hier natürlich besonders auf, was den Schaum angeht: „Das ist wie bei einem Kleinkind.“ Mit einem Massagehandschuh wird Shampoo eingearbeitet, auf Spülung verzichtet sie dagegen: „Sonst ist das Fell nicht griffig.“

Ein kräftiger Schüttler und ein Tupfen mit dem Handtuch und schon hat Maxl das Bad hinter sich gebracht. Nächste Station? Ein überdimensionaler Fön: „Sonst würde das ewig dauern. Es kommen ja auch große Hunde wie Labradore zu mir.“ Maxl gefällt die warme Luft offensichtlich, die seine Ohren flattern lässt. Siglinde von Droste greift derweil schon zur Bürste: „Das ist die halbe Miete.“ Das Fell muss ganz weich sein und gut durchzukämmen, ehe es an den Schnitt gehen kann. Und das führt in Kombination mit dem Bad dazu, dass Maxl plötzlich wie eine kleine Wolke aussieht – ganz fluffig und aufgeplustert.

So geht es dann schließlich weiter zum Endspurt. Zuerst wird Maxl mit einem Rasierer geschoren, „ein bisschen wie ein Schaf“, stellt von Droste mit einem Lachen fest. Dabei beginnt sie an den Beinen, „wobei da jeder sein eigenes System hat“. Auf diese Weise wird erst einmal das „Profil“ des Hundes freigelegt: „Maxl, du bist ja eigentlich ein schlanker Kerl.“ Der Feinschliff folgt dann mit einer Schere. Hier wird dem Pudel ein flottes Krönchen geschnitten, „das muss schon sein“. Und gut aussehen tut es ja auch. „Und dein Geißenbart muss auch noch weg“, erklärt Siglinde von Droste Maxl, dessen Ohren mit einem Haarband nach oben gebunden sind, damit sie nicht beim Schneiden im Weg sind. Die typische „Pudel-Frisur“ wie sie früher oft beliebt war, wird heute kaum nachgefragt: „Das ist eher etwas für Hundeschauen als für den tatsächlichen Alltag.“

Auch Siglinde von Droste hat Urkunden von Wettbewerben und Schauen an der Wand. Heute betreibt sie aber nur noch ihren Hundesalon in ihrem eigenen Haus: „So muss ich keine Miete zahlen.“ Zu ihrem Beruf kam sie über Umwege. Sie hat eine Ausbildung zur zahnmedizinischen Assistentin gemacht. „Eigentlich wollte ich Friseurin werden, aber das durfte ich damals nicht.“ Nachdem ihr Beruf ihr aber immer weniger zusagte, fing sie an, Schulungen zur Haarkunde oder Hundepsychologie zu belegen: „Die Tierliebe war bei mir schon immer da. Ich hatte auch selbst Pudel.“ Noch heute hält sie selbst Westis, und ein solcher ist auch an diesem Tag ihr nächster Kunde. Pudel Maxl wartet indessen ganz geduldig im Körbchen auf seine Besitzerin.

Der Westi Sammy hat an diesem Tag einen Termin zum Trimmen. Das bedeutet, dass alte Haare herausgeholt werden. „So wird das rassetypische Fell mit kräftigen und drahtigen Haaren erhalten“, erklärt Siglinde von Droste, die für diese Arbeit gern einen Trimmstein verwendet. Sonst würde das Fell nach und nach wolliger und heller werden. Vor allem bei Westis ist das etwa alle drei Monate notwendig: „Aber der Boom dieser Hunderasse ist so gut wie weg.“ Heute seien vor allem Misch-Rassen wie etwa der Labradoodle beliebt – doch auch die brauchen Fellpflege: „Die Arbeit geht eigentlich nie ganz aus.“

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