Marbach Der Ort der tausend coolen Sommerspiele

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Da staunen die Kinder: Ein Gerät für Kassetten und ein Telefon mit Wählscheibe. Foto:  

Marbach - Hat jemand grüne Socken an?“ Drei Mädchen fragen neugierig jeden, der ihnen über den Weg läuft. „Wir spielen ,Wetten, dass . . .’“, schieben sie eine Erklärung hinterher und düsen weiter. Alles ein bisschen retro an diesem Tag im Jugendhaus planet-x. Kein Wunder. Es geht diesmal beim verrückten Sommerteam um Zeitreisen – und heute eben um das Jahr 1998. Und das aus gutem Grund, denn das Jugendhaus am Leiselstein ist heuer genau 20 Jahre alt, eröffnet 1998, ein Jahr, das für die sechs- bis zwölfjährigen Ferienkinder in tiefster Vergangenheit liegt.

Das haben die Betreuer – im planet-x „Teamer“ genannt – gleich morgens bemerkt. „Wir haben den Kindern ein paar Film- und Serienmelodien von damals vorgespielt – von Biene Maya bis Heidi“, berichtet Jenny Bayer. „Ein paar haben sie erkannt“, fügt sie grinsend hinzu. „Nachher spielen wir noch Singstar mit alten Liedern. Wenn die keiner kennt, müssen wir neue nehmen.“

An einem „alten Lied“ aus dem Jahr 1998 probiert sich derweil gerade der Jugendhausleiter Georg Stenkamp, wenn auch nicht ganz freiwillig. Eine Gruppe von Kindern macht einen Film und der Chef des Hauses darf „Baby one more time“ von Britney Spears singen.

Filmen gehört zum Angebot beim verrückten Sommerteam, ebenso wie gefühlt 1000 andere Dinge. Langeweile kann bei dem neuntägigen Ferienprogramm eigentlich gar nicht aufkommen. Im großen Saal wird Theater gespielt, oben vorgelesen, unten gebastelt, in der Küche Sahnekaramells hergestellt, auf der Couch gemütlich in Comics geschmökert . . .

Eine ganze Gruppe ist an diesem Tag in der Marbacher Stadtbücherei unterwegs, draußen vor dem Jugendhaus werden mittelalterliche Perlen aufgefädelt, Musik gemacht, Stockbrot gegrillt und – ganz wichtig: Hütten gebaut.

Bei Letzterem geht es rustikal zur Sache, innerhalb der neun Tage entsteht ein ganzes Dorf aus groben Holzbalken samt Bänken, Leitern und was das Herz der kleinen Baumeister sonst noch so begehrt. Klar, dass da auch mal der Hammer auf dem Daumen landet oder sich einer „einen elften Zehennagel“ holt, wie es Georg Stenkamp ausdrückt. „Das passiert immer wieder. Aber toi toi toi, es ist noch nie etwas Größeres passiert.“

Dass ausgiebiges Hämmern, Spielen, Herumtoben und Basteln hungrig macht, beweisen zwei kleine Jungs um dreiviertel zwölf. „Wann gibt’s Mittagessen?“, fragen sie die Jugendhaus-Mitarbeiterin Claudia Freude. Die zeigt den Hungrigen auf der Uhr an der Theke im Jugendhaus, wie lange es noch dauert, bis das Essen von Jägers Restaurant Schillerhöhe geliefert wird. Heute gibt es für die Kinder und Betreuer 170 Portionen Bulgur mit Gemüse – im praktischen Waffelschälchen, damit ist auch die Frage des Abwaschs dann auch schnell geklärt.

Nach dem Mittagessen geht die Zeitreise in die späten 1990er-Jahre in die heiße Phase. In einem Retro-Parcours dürfen die Ferienkinder unter anderem Passendes zueinander suchen – die Schallplatte und den Schallplattenspieler zum Beispiel. Zwei echte Kracher hat das Jugendhausteam vom Marbacher Stadtarchivar Albrecht Gühring ausgeliehen: Einen Kassetten-Rekorder und ein Telefon. Auf Ersterem haben die Jungs und Mädchen ihre liebe Müh’, die Aufnahmetaste zu finden. Zweiteres, das Telefon, sorgt für ganz große Augen. Es hat eine Wählscheibe, funktioniert aber einwandfrei . . . Da staunen Sechs- bis Zwölfjährige.

Ebenso übrigens über das Auto von Claudia Freude: Es ist Baujahr 1998 und hat noch einen Kassetten-Rekorder. „So eine Zeitreise ist schon ganz schön“, findet die Jugendhaus-Mitarbeiterin. „So besinnt man sich mal auf einige Sachen.“ Sahnekaramell zum Beispiel. „Wer macht heute schon noch Bonbons selber?“, fragt sie. Dabei macht das den Ferienkindern ganz schön Spaß – wie die vielen anderen Aktionen, Workshops, Ausflüge, und, und, und . . .

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