Marbach Der Letzte seiner Art

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Der Baum bietet ein gemütliches Plätzchen in den Holdergassen. Foto: Julia Amrhein

Marbach - Er kommt in der Buchreihe „111 Orte, die man gesehen haben muss“ gleich zweimal vor – in der Version zum „Stuttgarter Umland“ und ebenfalls in „Deutsche Wirtshäuser“. Und auch das SWR ist mit einem Kamerateam schon zu Besuch gewesen. Nun gut, eigentlich steht dabei meist die Salzscheuer im Fokus, aber der Walnussbaum vor der Brauerei von Dieter Baader ist mit dieser unzertrennlich verbunden: „Die Leute kommen hier her, weil sie das Grün von Weitem sehen.“ Gar als „Highlight of Marbach“ hätten einige Touristen das schattige Plätzchen schon bezeichnet, erzählt Baader. Regelmäßig machen hier auch die Stadtführungen Halt.

Umso größer sei der Schreck gewesen, als der Baum gemeinsam mit zwei anderen Exemplaren in den Holdergassen ins Visier geraten ist: Zu groß der Wuchs und zu tief die Wurzeln. Teilweise hatten Letztere Rohre beschädigt, weiß Baader: „Da ist es auch verständlich, dass eingegriffen wird.“ Ein weiterer Nussbaum war dagegen morsch geworden, doch das treffe auf den Baum vor der Salzscheuer nicht zu, erklärt Dieter Baader: „Der Baum ist kerngesund.“ Folglich setzte er sich auch im Rahmen eines Ortstermins des Ausschusses für Umwelt und Technik für den Erhalt ein: „Die Holdergassen werden beworben, dass es hier ‚grünt und blüht’. Die Innenstadt soll begrünt werden und hier wird dann ein Baum entfernt?“ Der Feuereifer, mit dem Dieter Baader das Gewächs verteidigt hat, das vor rund 30 Jahren von dem vorherigen Eigentümer der Salzscheuer und dessen Nachbarn gepflanzt worden ist, hat diesem zu einer Galgenfrist verholfen – der Baum steht unter Beobachtung, so Baader weiter: „Aber gesehen habe ich noch keinen.“ Das wird auch erst im Spätherbst der Fall sein, informiert Roland Kübler, der bei der Stadt für die Grünplanung zuständig ist: „Es gibt jedes Jahr einen Kontrollgang, bei dem alle Bäume in der Stadt begutachtet werden.“

Dabei wird auch der Nussbaum künftig auf Krankheiten und Risikofaktoren hin untersucht. „Kritisch wird es etwa, wenn sich größere Faulstellen bilden“, erklärt Kübler. Auch wenn der Baum abbauen oder schwächlich aussehen würde, müsste man ein genaues Auge auf ihn haben. Faktoren wie die Größe oder Schattenbildung seien dagegen nicht ausschlaggebend, so Kübler mit Verweis auf den Ausschuss: „Das wäre eine politische Entscheidung und die ist ja schon getroffen worden.“ Was das Laub und die fallenden Walnüsse angeht, kehre man regelmäßig und entferne auch die Nüsse, „wobei die auch gerne von Familien gesammelt werden“, betont Dieter Baader.

Fest steht allerdings: Der Nussbaum bleibt nicht das einzige Grün. Im Herbst will die Stadt Marbach die Stümpfe der gefällten Bäume entfernen und dort neue Fauna ansiedeln, führt Kübler aus: „Mein Vorschlag wäre Weißdorn.“

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