Marbach Der Kürbis-Weltrekord gerät ins Wanken

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Jens und Romy Eisenmann freuen sich über die Vielfalt auf dem Feld. Foto: Werner Kuhnle

Marbach - Es ist ein warmer Septembermorgen. Jens Eisenmanns Blicke schweifen über das Kürbisfeld. Neben ihm drängt seine Tochter Romy: ,,Komm Papa, wie gehen den größten Kürbis suchen“. Kaum hat sie das ausgesprochen, taucht die Sechsjährige auch schon in das Meer aus Kürbissen ein. Ungefähr 800 verschiedene Sorten hat ihr Vater dieses Jahr im Mai auf dem 18 Hektar großen Feld ausgesät: von großen Ungetümen und ulkig gefärbten bis hin zum klassisch orangen Halloweenkürbis. Es ist genau diese unerschöpfliche Vielfalt, die Jens Eisenmann fasziniert und reizt – und darüber hinaus sportlichen Ehrgeiz entfacht. Schließlich hält er den Weltrekord – und möchte ihn in diesem Jahr bei der Kürbisausstellung im Blühenden Barock brechen.

Anders als bei den Wiegemeisterschaften, bei denen Jens Eisenmann eher schlechte Chancen hätte. Denn mit seinen 300 bis 400 Kilogramm schweren Freilandkürbissen kommt er nicht gegen die tonnenschweren Gewächshausprodukte vom Züchter an. Doch seine Auswahl an verschiedenen Sorten ist bestechend. Der Weltrekord von 648 Sorten aus dem Jahr 2016 blieb ungebrochen. Bis jetzt. Aber in diesem Jahr will Jens Eisenmann die alte Marke knacken. „Die Chancen dafür stehen sehr gut, da das Wetter dieses Jahr gut mitgespielt hat“, erzählt der Rielingshäuser. Kürbisse ziehen wie die meisten Menschen nämlich Wärme und eine Südlage vor. Auch ein guter Boden fördert das Wachstum des Gemüses. Aber nicht alle ausgesäten Samen ergeben am Ende auch essbare oder schöne Produkte. Von den 800 Sorten, die angebaut werden, sprießen circa 100 nicht. Manche exotischen Sorten mögen es einfach noch wärmer.

Jens Eisenmann steckt viel Herzblut in den Anbau und Verkauf des vielseitigen Gemüses. Es ist das Interesse und die Neugier, die ihn immer wieder auf neue Ideen bringen. Was den Kürbisanbau so spannend macht, ist die Sortenvielfalt. Da seine Kürbisse im Freiland angebaut werden, werden die Samen jedes Jahr nach dem Bienchen-Blümchenprinzip gemischt. So ist es stets eine Überraschung, welche Sorten es wohl diese Saison geben wird. Zudem stammen die Samen aus aller Welt. Australien, Amerika, England alles kommt auf dem Feld der Eisenmanns zusammen. So entsteht ein unglaublicher Sortenreichtum.

Auf dem Feld gibt es also viel zu bestaunen – das wird auch an diesem Tag bei der Ernte deutlich. Fünf Mitarbeiter von Eisenmann schwitzen schon in der Mittagssonne und bauen die Kürbisse einer Sorte jeweils zu kleinen Türmchen auf der Erde auf. Sie müssen sich ganz schön ranhalten, denn binnen zwei Tagen müssen die schönsten von den vielen zur Abholung bereit stehen. Dann werden sie zur alljährlichen Sortenschau ins Blühende Barock in Ludwigsburg transportiert. Dort bestaunen sie zahlreiche Besucher.

Die weltgrößte Kürbisausstellung läutet jedes Jahr aufs Neue den Herbst auf originelle Art und Weise ein. Die Gäste können das Gemüse von seiner vielfältigen Seite kennenlernen. „Der gute alte Kürbis ist zu viel mehr gut, als aus ihm nur gruselige Fratzen zu schnitzen.“ Jens Eisenmann erscheinen die Möglichkeiten grenzenlos. Das gilt nicht nur für die große Veranstaltung, sondern auch für den eigenen kleinen Hofladen der Eisenmanns.

Im Hofladen der Eisenmann gibt es nicht einfach nur Kürbis zu kaufen, nein, die Auswahl reicht von Exemplaren mit eingraviertem Schriftzug bis hin zu getrockneten Kürbissen, die als Instrument dienen. Die Kreativität scheint nur so zu sprudeln, wenn es bei den Eisenmanns um Kürbisse geht. Jedes Jahr veranstaltet die Familie an vier Wochenenden ein Hoffest, auf dem mehr als zehn verschiedene Gerichte mit Kürbis serviert werden.

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