Marbach Damit dem Boom nicht die Luft ausgeht

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Rund 150 Zuhörer sind ins Literaturarchiv geströmt, um das Symposium nicht zu verpassen. Foto: Werner Kuhnle

Marbach - Edle Tropfen mit dem Label Bio sind angesagt. Auch nachhaltiger Weinbau ist im Kommen. Aber ist das nur ein Strohfeuer? Oder lässt sich dieser Trend sogar ausbauen? Und wenn ja, wie? Über Fragen wie diese hat sich am Freitag eine Expertenrunde beim Symposium der „Wein Lese Tage marbach + bottwartal“ im Deutschen Literaturarchiv ausgetauscht. Mit dem Ergebnis, dass man die Kunden mit diesem ökologisch orientierten Ansatz packen kann – das alles aber kein Selbstläufer ist, sondern die Winzer gute Verkaufs- und Kommunikationsstrategien brauchen.

Auf der Bühne diskutierten und referierten unter der Moderation von Karin Götz, Leiterin der Lokalredaktion der Marbacher Zeitung, Sedat Aktas, Geschäftsführer von Geile Weine, Götz Drewitz, Weinwirtschafter der Vinaturel GmbH aus Berg, Cord-Heinrich Treseler vom Weingut Dr. Frey bei Trier sowie Dieter Blankenhorn, Leiter der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg. In lockerer Runde plauderte Karin Götz außerdem mit Hans und Marcel Wiedenmann vom Weingut Sankt Annagarten sowie Hans und Moritz Haidle vom Weingut Karl Haidle über das Zusammenspiel mehrerer Generationen in einem Betrieb.

Claus-Peter Hutter, Leiter der Umweltakademie Baden-Württemberg, hatte die rund 150 Zuhörer auf die Veranstaltung eingestimmt und eine Lanze dafür gebrochen, ressourcenschonend im Wengert zu arbeiten. In den vergangenen Jahren sei in Sachen Nachhaltigkeitsmanagement zwar schon eine Menge geschehen, stellte der Benninger fest. „Wir müssen aber auch noch einiges voranbringen.“ Denn trotz aller Bemühungen sehe die Realität doch so aus, dass 80 Prozent der Biomasse aus der Landschaft verschwunden sei. Den Tieren sei schlicht die Nahrungsgrundlage entzogen worden. Anderswo sei man oft auch schon weiter. Da stehe Bio schon gar nicht mehr auf dem Label, weil es im Grunde eine Selbstverständlichkeit sei.

Um die Weinberge lebendig und die Natur attraktiv und vielfältig zu halten, solle man auch nicht alleine vor sich hin brüten, appellierte Claus-Peter Hutter an den Zusammenhalt aller Beteiligten. „Es muss am gemeinsamen Ziel gearbeitet werden.“

Dieter Blankenhorn zeigte sich zuversichtlich, dass speziell die jüngere Generation auf einem guten Weg ist. Die Nachwuchswengerter seien meist fleißig und experimentierfreudig. Als Modernisierer lieferten sie wertvolle neue Ansatzpunkte. Die kann man vor allem bei der Vermarktungsstrategie gut gebrauchen, wie der Chef der Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg in seinem Grußwort hervorhob. Es müsse noch besser an den Verbraucher getragen werden, wie wichtig pilzresistente Sorten sind. Er wies zudem darauf hin, dass sich die Kommunikation in Zeiten der Digitalisierung geändert habe und noch weiter ändern werde. Man müsse also die Nachhaltigkeit durchaus als Verkaufsargument sehen, sie jedoch auch mit der entsprechenden Kommunikation verknüpfen.

Andreas Braun, Geschäftsführer der Tourismus und Marketing GmbH Baden-Württemberg, riet in seinem Schlusswort auch dazu, nicht nur auf das nächste Quartalsergebnis zu schielen, sondern langfristig zu denken. Die Regionalität dürfe man ebenfalls nicht aus dem Blick verlieren. „Das ist auch etwas sehr Nachhaltiges“, erklärte er. Schließlich fielen lange Verkehrswege weg, wenn die Produkte aus der Gegend stammen. Braun hält zudem Tourismus und nachhaltigen Weinbau für eng verwoben. Denn Besucher wollten durch keine eintönigen Landschaften spazieren. Die Geschichte hinter den Weinen sei ebenfalls ein Faktor, mit dem man beim Verbraucher punkten könne.

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