Marbach/Bottwartal Weizen & Co. sind in diesem Jahr früh dran

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Die Gerste kann wohl schon in drei Wochen geerntet werden. Foto: dpa

Marbach/Bottwartal - Selten hat Jürgen Häußermann ein Jahr erlebt, in dem das Getreide so zeitig vom Feld geholt werden kann wie in diesem. „Die Wintergerste ist teilweise schon gelb“, sagt der Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Absatzgenossenschaft (Labag) in Marbach. Voraussichtlich in drei Wochen könne die erste Gerste geerntet werden, und zwar im Pleidelsheimer Raum. „Dort ist es immer etwas trockener, und die Böden können das Wasser nicht so lange halten“, weiß der Agrarexperte. Normalerweise wird das Getreide am Mittleren Neckar immer von Mitte Juli bis Anfang August vom Mähdrescher geschnitten.

Natürlich ist es noch ein langer Weg, bis Weizen & Co. sicher in den Silos landen. Hagelschauer und Nässe könnten den Landwirten noch einen dicken Strich durch die Rechnung machen. Doch die Grundlage für ein ordentliches Ernteergebnis sei gelegt, so Häußermann. „Wir werden kein Spitzenergebnis bekommen, aber ein gut durchschnittliches“, glaubt er angesichts optimal dicht stehender Ähren. „Erst war es im April und Mai doch sehr trocken, aber der Regen Mitte Mai hat gut getan.“ Der Labag-Geschäftsführer hofft am Mittwoch auf weitere Niederschläge in der aktuellen Kornbildungsphase. „Große Körner wären gut für die Erträge“, sagt er, „dann steigt die Mehlausbeute in der Mühle“. Das Schreckgespenst für die Landwirte wäre jetzt eine sehr lange nasse Phase bis zur Erntezeit: „Das würde die Pilzkrankheiten fördern, und das wollen wir natürlich nicht.“

Der Weizen ist neben dem Mais die wichtigste Anbaupflanze im Raum Marbach und im Bottwartal. Er wird aber erst nach der Wintergerste, dem Raps und der Sommergerste geerntet. Wie viel Geld ein Landwirt dafür bekommt, hängt vom weltweiten Preisniveau ab. „Momentan liegen wir bei 150 Euro pro Tonne“, sagt Jürgen Häußermann. Das ist nicht viel, aber auch nicht wenig, denn die Lagerbestände seien vielerorts nach mehreren guten Erntejahren voll. „Vor fünf Jahren kostete die Tonne 200  Euro“, erinnert sich der Labag-Chef. Ihm sei es aber auch lieber, wenn kein Kontinent unter Missernten leide. Genau diese Gefahr gibt es derzeit offenbar nach Trockenperioden in Osteuropa und Amerika. „Deshalb hat der Preis um fünf bis zehn Prozent angezogen.“ Ob das für hiesige Bauern ein günstiger Moment sei, Verträge zum aktuellen Preis abzuschließen, vermag Jürgen Häußermann nicht zu sagen: „Die Glaskugel ist nicht hell genug – das Wetter kann sich schon morgen ändern.“

Nicht nur Preise, auch Anbauflächen schwanken. Davon ist in diesem Jahr besonders die Sommergerste betroffen. Die Ursache dafür liegt in Norddeutschland. Dort standen im vergangenen Herbst viele Felder unter Wasser. Darunter litt die Aussaat des Winterweizens, erklärt Häußermann: „Und zwar in ganz Nordeuropa.“ Viele Bauern hätten deshalb vermehrt Sommergerste angebaut. „Der Markt kann die Gerste trotzdem aufnehmen“, glaubt er. Abnehmer seien vorwiegend Brauereien. Zwar gehe der Bierabsatz in Deutschland kontinuierlich zurück, doch eröffneten sich für die Bierhersteller in Osteuropa und Asien Märkte mit zunehmendem Konsum.

Immer mehr ins Hintertreffen gerät dagegen der Raps. „Wir haben in unserem Einzugsgebiet um Marbach und Großbottwar nur noch eine Anbaufläche von 150  Hektar – noch vor zehn Jahren lag sie bei 700 bis 800 Hektar.“ Jürgen Häußermann sieht im Wegfall von Exportsteuern in Südamerika den Grund dafür, dass Palmöl den Raps in der Herstellung von Bio-Diesel und in der Beimischung zum Diesel verdrängt hat. „Die Ölsaaten-Preise stehen unter Druck.“ Das herbeitransportierte Palmöl sei zwar billiger, müsse aber erst nach Europa verschifft werden. „Die Energiebilanz sieht insgesamt nicht unbedingt besser aus“, vermutet Häußermann.

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