Marbach/Bottwartal Private Hilfsdienste sind „weitgehend nicht mehr im Boot“

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Hunde sind bei ihrer Suche nicht immer erfolgreich – erst reicht nicht auf Anhieb. Foto: dpa

Die intensive Suche mit Personensuchhunden, so genannten Mantrailern, ist zeitaufwendig und nicht immer erfolgreich – erst recht nicht immer auf Anhieb. Wenn ein Hund die vermisste Person nicht findet, werden laut der Landesarbeitsgemeinschaft Rettungshunde Baden-Württemberg (LAGRH-BW), in der neun Rettungshunde führende Organisationen vom Arbeiter-Samariter-Bund bis zum THW organisiert sind, mehrere Mantrailing-Teams zur Kontrolle eingesetzt und das Ergebnis so verifiziert. Im Fall von Cäcilia P. wurden laut Polizeisprecher Peter Widenhorn nur am ersten Tag Suchhunde eingesetzt, am Waldstück, in dem sie Monate später gefunden wurde, überhaupt nicht. „Der Polizeitrailer nimmt sich oft nicht die Zeit, weil die auch ohne die Suche nach vermissten Senioren genügend Arbeit haben,“ sagt die Steinheimerin Gaby Hess, Hundeführerin eines Mantrailers beim Deutschen Roten Kreuz Ludwigsburg.

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Widenhorn schließt das zwar kategorisch aus: „Suchmaßnahmen nach Vermissten scheitern in keinem Fall an der Einsatzbelastung oder an Personalressourcen“, erklärt er. Fakt ist jedoch, dass die baden-württembergische Polizei nur fünf eigene Mantrailerhunde hat, wie Roland Fleischer, der Pressesprecher des übergreifenden Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen, auf Nachfrage bestätigt. Dort sind die Mantrailer stationiert, die bei Bedarf landesweit angefordert werden. „Der eine oder andere Hund mehr täte uns gut, das ist schon auf Kante genäht, und die Kolleginnen und Kollegen sind ständig im Einsatz“, räumt er ein.

Dennoch hat man im Fall von Cäcilia P. nicht auf die Möglichkeit zurückgegriffen, Mantrailer des DRK oder einer anderen Hilfsorganisation anzufordern, um nochmals mit Hunden nach ihr zu suchen. Generell kämen seit einiger Zeit nur noch wenige Anfragen der Polizei nach ihren Diensten, sagt Gaby Hess. „Dabei kosten wir noch nicht mal was“, betont sie mit hörbarem Frust. Auf eigene Faust, ohne eine entsprechende Anfrage der Polizei, dürften sie mit ihren Hunden jedoch nicht aktiv werden.

Private Hilfsdienste seien aus taktischen Gründen tatsächlich „weitgehend nicht mehr so im Boot“, bestätigt Roland Fleischer. „Und es macht auch Sinn, wenn die Polizei alle Einsatzmittel wie Hunde, Hubschrauber, Wärmebildkameras und Streifen selber in der Hand hat.“ Bevor man im Zuge der Polizeireform das Polizeipräsidium Einsatz gründete, hatte die baden-württembergische Polizei keine eigenen Mantrailer und nutzte für die gezielte Personensuche ausschließlich die Hunde von Hilfsorganisationen.

Ob das DRK oder eine andere Hilfsorganisation, wenn sie mit ihren Hunden zu einem späteren Zeitpunkt gesucht hätten, mehr Erfolg gehabt hätten als die Mantrailer der Polizei, ist Spekulation. Man hätte es dann aber an dem betreffenden Waldstück, auch ohne einen anderen Anhaltspunkt als den Hinweis von Fejsa, versuchen können. Die Polizei argumentiert, möglicherweise sei die Gesuchte erst später dorthin gelangt, ohne jedoch sagen zu können, wo sie dann in der Zwischenzeit gewesen sein könnte. Wie auch immer: „Es wäre zumindest eine zweite Chance gewesen“, sagt Gaby Hess.

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