Marbach/Bottwartal „Ich will kein Hinterbänkler sein“

Von
Marc Jongen Foto: KS-Images.de

Marbach/Bottwartal - Marc Jongen hat den Einzug in den Bundestag geschafft. Am Morgen nach dem Erfolg seiner Partei ist er in Berlin ein gefragter Mann. Zwischen Fraktionssitzungen, Wohnungssuche und Presseterminen zieht er ein erstes Fazit.

Wie haben Sie den Abend in Berlin erlebt?
Ich freue mich natürlich riesig über den dritten Platz. Wir haben unser Wahlziel erreicht. Es war gestern ein aufregender Abend, aber insgesamt auch eine angespannte Situation, denn unterhalb des Lokals, in dem wir gefeiert haben, demonstrierte die Antifa-Szene. Die Stimmung war aufgeheizt und feindselig. Das gab einen Vorgeschmack auf die politischen Kämpfe in der Hauptstadt.
Warum feierten Sie nicht im Wahlkreis?
Ich war durch mein Amt als Landessprecher sozusagen als Gesandter Baden-Württembergs in Berlin. Wir hatten aber eine Live-Schaltung zur Feier in Ludwigsburg.
Apropos Ludwigsburg. Die Presse war zur Feier des Kollegen im Wahlkreis Ludwigsburg anfangs nicht zugelassen, dann durften doch Fotos gemacht werden. Danach mussten die Kollegen aber wieder gehen. Ist das in Ordnung für Sie?
Das kann ich schwer kommentieren, denn ich war nicht an der Organisation beteiligt. Meiner Meinung nach sollte man ein gutes Verhältnis zur Presse haben und sie auch zulassen. Allerdings haben wir auch Erfahrungen gemacht, die uns zu einer restriktiveren Handhabung bewegen.
Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem persönlichen Ergebnis?
Ich bin sehr zufrieden, denn mit den Erststimmen liege ich nur knapp unter dem Zweitstimmen-Ergebnis, und das liegt wiederum fast genau im Bundesdurchschnitt. Außerdem war ich im Wahlkreis ja nicht so bekannt.
Der Direktkandidat Eberhard Gienger ist sehr präsent im Wahlkreis Neckar-Zaber. Wie basisnah soll Ihre künftige Arbeit werden?
Wir sind in einer anderen Situation als die CDU, die jeden Wahlkreis im Land geholt hat. Ich möchte meinen Wahlkreis bevorzugt betreuen, wir müssen aber schauen, dass unsere Vertreter in Berlin das ganze Land abdecken.
 
Am Tag nach der Wahl hat Frauke Petry für einen Paukenschlag gesorgt. Wie überrascht waren Sie?
Ich war halb überrascht. Sie hatte schon im Vorfeld Zeichen dafür ausgesandt, aber der Zeitpunkt hat mich in der Tat überrascht.
 
Was sagen Sie zur Kritik Petrys, die AfD müsse sich mehr auf Inhalte konzentrieren. Außerdem trat sie Äußerungen von Gauland und Meuthen entgegen, dass es keine rassistischen Tendenzen in der Partei gebe.
Ich halte Petrys Kritik für an den Haaren herbeigezogen und sehe Motive für ihr Verhalten im verlorenen Machtkampf und in einer tiefen Beleidigung.
 
Sie werden Ihr also nicht folgen?
Das kommt überhaupt nicht in Frage. Die Darstellung, sie sei für die gemäßigten Mitglieder zuständig, ist fehlerhaft. Sie versucht, eine Differenz aufzubauen, die es nicht gibt. Ich sehe die AfD als eine Einheit. Wir können nur gemeinsam gewinnen.
Hat Petrys Aktion der Partei geschadet?
Die dadurch entstandenen Turbulenzen sind nicht gut für die Partei, aber ich glaube nicht, dass es uns nachhaltig schadet.
 
Alexander Gauland hat angekündigt die Kanzlerin zu jagen. Auch das hat Frauke Petry kritisiert. Wird Marc Jongen mit jagen?
Ja – das werde ich natürlich auch tun und ich halte es für lächerlich, wenn man das jetzt wieder aufbauscht. Jagen wird hier als Synonym von vor sich hertreiben benutzt. Das sind Ausdrücke, die auch von anderen Parteien verwendet werden, ohne diese hysterischen Reaktionen hervorzurufen.
 
Das bedeutet, Sie teilen die Forderung nach einem Parteiausschlussverfahren?
Petrys Verhalten ist durchaus als parteischädigend einzuordnen. Ich muss den Fall aber noch in Ruhe prüfen.
 
Wo sehen Sie Ihre Rolle in der Fraktion?
Inhaltlich bin ich zuständig für die ideologische Auseinandersetzung mit den anderen Parteien. Ich bin nicht der Finanzexperte, sondern überall dort am richtigen Platz, wo der Kulturkampf stattfindet. Im Übrigen will ich natürlich kein Hinterbänkler sein, sondern eine der hervorgehobenen Positionen wahrnehmen.
 
Artikel bewerten
8
loading