Marbach/Bottwartal Die Stadtbahn-Studie kommt ins Rollen

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Bisher ist eine Stadtbahntrasse unterhalb der Burg Hohenbeilstein in ihrem Nutzwert nicht zu fassen – eine Studie soll darüber Aufschluss geben. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Marbach/Bottwartal - Wohl kaum ein Projekt im Bottwartal ist so umstritten wie eine Stadtbahn. Den Gegnern gilt sie als finanzielles Fass ohne Boden mit erheblichen Lärmrisiken – die Befürworter sehen in ihr ein Zukunftsprojekt, an dem kein Weg vorbeiführt. Was bisher fehlt, sind belastbare Fakten. Genau die soll eine Machbarkeitsstudie liefern, auf die sich die Verwaltungen der Landkreise Heilbronn und Ludwigsburg sowie die Bürgermeister der Kommunen verständigt haben. Der Auftrag für diese Studie wird nun wohl im März 2018 vergeben. Ein Jahr später sollen die Ergebnisse vorliegen.

Über das gemeinsame Vorgehen der Landratsämter Ludwigsburg und Heilbronn informierte der Großbottwarer Bürgermeister Ralf Zimmermann in der Ratssitzung am Montagabend. „Ein Brief liegt uns vor“, sagte er auf Nachfrage und zitierte zum aktuellen Planungsstand der rund 37  Kilometer langen Stadtbahn für das Schozachtal und das Bottwartal. Der Kreistag in Heilbronn habe bereits sein Okay gegeben. Es geht dabei auch um den 22,6 Kilometer langen Abschnitt von Beilstein nach Heilbronn. Die Entscheidung des Ludwigsburger Kreistagsausschusses für Umwelt und Technik (AUT) steht noch aus. Sie fällt noch in diesem Monat in der AUT-Sitzung am 24. November. Auf Ludwigsburger Seite liegt der 14,4  Kilometer lange Abschnitt von Marbach nach Beilstein. Beide Landkreise teilen sich die Kosten zu je 50  Prozent, wobei die Heilbronner Kreisbehörde ihren Anteil zu 100 Prozent selbst, also ohne Kommunen, finanziert. Dagegen bittet das Landratsamt Ludwigsburg die Anliegerkommunen für ihren Teil der Trassenuntersuchung von Marbach nach Beilstein zu 50  Prozent zur Kasse.

Kostenschätzungen für die Gutachten lägen noch nicht vor, teilt das Landratsamt Ludwigsburg auf Nachfrage mit. Die Wirtschaftlichkeit der nördlichen und der südlichen Teilstrecke solle separat, aber auch im Verbund untersucht werden. Das Landratsamt sieht „gute Realisierungschancen für die Gesamtstrecke Marbach-Heilbronn, deren Realisierung hohe Priorität genießt“. Der Verband Region Stuttgart bescheinigte dem Projekt in seinem Verkehrsplan eine „hohe Dringlichkeit“ und geht von rund 6000 Nutzern pro Tag aus.

Aus Sicht der Bürgermeister im Bottwartal ist es erfreulich, dass die Pläne für die Untersuchungen zur Stadtbahn und zur Busbeschleunigung nach den ersten Vorgesprächen zwischen Landrat und Bürgermeistern im Sommer (wir berichteten) jetzt konkret werden. „Wir begrüßen den Einstieg in die Planung“, sagt der Marbacher Rathauschef Jan Trost. Man erwarte sich von der Bahn eine spürbare Entlastung des Stadtverkehrs. Es sei wichtig, dass die Bottwartalbahn ortsnah verkehre und man nicht noch mit dem Auto zu den Bahnhöfen fahren müsse.

Aufschlüsse über die Effizienz erwartet auch der Steinheimer Bürgermeister Thomas Winterhalter: „Ohne eine standardisierte Bewertung wird es keinen Daumen nach oben oder unten geben.“ Er werde den Gemeinderat beteiligen, zumal die im Haushalt auf Antrag der Grünen-Fraktion bereitgestellten 10 000 Euro für eine Finanzierung der Untersuchung vermutlich nicht reichen werden. Über die finanzielle Belastung der Kommunen durch Bau- und Betriebskosten einer Stadtbahn könne man solange nichts sagen, wie noch keine verlässlichen Aussagen über Bundes- oder Landesmittel vorlägen.

Zustimmung über das Vorgehen gibt es auch aus Oberstenfeld. „Eine Schwebesituation ist auf Dauer nicht gut – ich bin immer dafür, wenn Dinge angepackt werden“, sagt der Bürgermeister Markus Kleemann, der persönlich eine Stadtbahn im Bottwartal wegen der zunehmenden Probleme im Straßenverkehr für erstrebenswert hält.

Ebenfalls in einer Machbarkeitsstudie wird eine Spur zur Busbeschleunigung zwischen Murr und Marbach geprüft. „Wir sehen darin eine Chance, kurzfristig Verbesserungen zu erzielen“, sagt der Murrer Bürgermeister Torsten Bartzsch auf Nachfrage unserer Zeitung. „Bis zum Bau einer Stadtbahn können noch Jahre vergehen.“ Für Busse sei eine interimsweise Asphaltierung der Bahntrasse auf der Seite östlich des Gruppenklärwerks Häldenmühle vorstellbar. Dies werde in der Machbarkeitsstudie geklärt. Den Auftrag dafür will der Landkreis Ende Januar nächsten Jahres vergeben. Nach vier Monaten sollen Ende April oder Anfang Mai Ergebnisse vorliegen.

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