Marbach Baugebiet kommt auf den Prüfstand

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Das Baugebiet wird in Frage gestellt. Foto: Werner Kuhnle

Marbach - Die Marbacher Sozialdemokraten stellen die Verwirklichung des Neubaugebietes an der Affalterbacher Straße in Frage. Die sozialen Ziele, also bezahlbarer Wohnraum für Marbacher Familien, seien durch den Aufkauf von Grundstücken durch Bauunternehmen zu „unvorstellbar hohen Preisen“ unerreichbar. Am Wochenende ist der SPD-Ortsverein mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gegangen (wir berichteten). Mit ihrer Kritik und ihren Bedenken sind die Sozialdemokraten aber nicht allein.

„Wir teilen die Bedenken“, betont CDU-Chefin Heike Breitenbücher. „Wir müssen mit den jetzigen Aufkäufern ordentlich durchsprechen, wie die vom Gemeinderat vorgegebenen Kriterien realisiert werden können.“ Die Preise, die derzeit im Umlauf seien, seien astronomisch hoch und nicht bezahlbar. „Wir müssen jetzt Nägel mit Köpfen machen. Es muss alles auf den Tisch und es ist ja nicht so, dass die Stadt keinen Handlungsspielraum hat“, erinnert Breitenbücher.

Einen Spielraum, den auch Grünen-Rat Sebastian Engelmann sieht und genutzt wissen möchte. Er hatte als Einziger seiner Fraktion für das Baugebiet gestimmt. „Die Entwicklung ist aber nicht in meinem Sinn und ich habe kein Problem einzugestehen, dass ich falsch lag“, räumt Engelmann selbstkritisch ein. Zwischendrin sei man auf einem guten Weg gewesen. Die aufgestellten Kriterien, wie etwa das Verwirklichen von Mehrfamilienhäusern, eine nicht ganz so dichte Bebauung und Geschosswohnbauten, hätten seinen Vorstellungen entsprochen. „Aber der Markt hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mehr als 1000 Euro pro Quadratmeter – wer soll sich das leisten? Wir wollen dort keinen Millionärshügel“; betont Engelmann. Man habe versprochen, bezahlbaren Wohnraum für Marbacher Familien zu schaffen, aber im Moment sehe es nicht danach aus, als könne man dieses Versprechen auch halten. „Und damit machen wir uns als Gemeinderäte dann unglaubwürdig.“ Der mehrheitliche Ratsbeschluss sei am Bröckeln, wenn nicht sogar schon gefallen. Deshalb müsse das einzige Druckmittel, das die Stadt habe, ausgespielt werden: Dem Bauträger klarmachen, dass das Baugebiet nur kommt, wenn die Vorgaben auch umgesetzt werden. Für Hendrik Lüdke von der Gruppe Puls ist das zwölf Hektar große Baugebiet von Anfang an keine Option gewesen. Die Zielrichtung, bezahlbaren Wohnraum für Marbacher Familien zu schaffen, sei von Anfang an nicht erreichbar gewesen, betont Lüdke. Er freue sich, dass er Recht gehabt habe. Aber er freue sich natürlich nicht, dass die Baupreise so hoch sind. Auf jeden Fall müsse das Druckmittel eines Realisierungsstopps jetzt eingesetzt werden.

Martin Mistele von den Freien Wählern will sich inhaltlich zu dem Thema nicht äußern. Aber es treibe auch seine Fraktion um, so Mistele. „Auch uns beschäftigt die Frage, ob das Ganze in die richtige Richtung läuft, aber wir müssen den Brocken noch kauen.“

Und was sagt der Rathauschef zum Vorstoß der SPD? Er sei nicht überrascht, erklärt Jan Trost. „In Sitzungsrunden war das ja immer wieder Thema.“ Nach der Sommerpause müsse man eine Entscheidung treffen. Das Aus des Baugebietes ist für Jan Trost aber keine Lösung. „Das wird die Wohnnot noch weiter steigern“, ist er überzeugt. „Schließlich wollen auch gut bezahlte Leute nach Marbach ziehen.“ Chinesen etwa, die beispielsweise bei Bosch arbeiten und ihr Kind auf das FSG schicken wollen, nennt Trost ein Beispiel. Das Umlegungsverfahren sei weitestgehend fortgeschritten, in der zweiten Jahreshälfte wolle man einen Knopf an alles machen.

Jürgen Schmiedel von der SPD betont auf Anfrage noch einmal, dass die Presseerklärung vom Ortsverein, nicht von der Fraktion stamme. Die Fraktion im Gemeinderat werde die Umsetzung der Vorgaben vorantreiben – und in dieser Sache auch den Schulterschluss mit den anderen Fraktionen suchen. „Wir sind nicht gegen das Baugebiet, aber die sozialen Ziele müssen erreicht werden“, betont er. Und sollten diese nicht erreicht werden, dann müsse man das Ganze stoppen. In diesem Zusammenhang erinnert Jürgen Schmiedel an einen Antrag, den er im Rat gestellt hatte: Die Stadt kauft alles auf und schreibt die Baulandpreise fest. „Die Stadt Ludwigsburg hat das auch erst wieder so beschlossen, aber für diesen Vorschlag gab es keine Mehrheit und der Blick zurück nützt nichts.“

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