Kommentar Zweimal Berlin

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Karin Götz Foto: mz

Bottwartal - Vor vier Jahren ist der Jubel bei Eberhard Gienger und seinem Wahlkampf-Team riesig gewesen. Mit seinen 53 Prozent an Erststimmen hatte der CDU-Kandidat das bundesweite Ergebnis seiner Partei um mehr als zehn Prozent getoppt. Und nicht nur das: Um mehr als zehn Prozent hatte er auch sein Ergebnis aus dem Jahr 2009 verbesert. Gestern hatte Gienger weniger Grund zur Freude. Zwar verteidigte er sein Direktmandat und übertraf das Ergebnis seiner Partei erneut um rund sieben Prozent, doch auch er musste einiges an Rückenwind einbüßen. Der Christdemokrat kann dieses Mal nur knapp 40 Prozent der Erststimmen auf sich verbuchen. Darüber hinaus ist es ihm auch nicht gelungen, die Unzufriedenen innerhalb seiner Parteianhänger durch persönliche Überzeugungsarbeit einzufangen und ein zweistelliges Ergebnis der AfD im Wahlkreis Neckar-Zaber zu verhindern.

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Für die Partei rechts außen der CDU wird jetzt der Landessprecher der AfD, Marc Jongen, in den Bundestag einziehen. Sein besonnenes Auftreten bei Veranstaltungen im Wahlkampf stand im Widerspruch sowohl zu den Hau-Drauf-Auftritten als auch zu den rassistischen und rechtsradikalen Parolen seiner Parteikollegen. Vor allem in der Sprache unterschied sich der 49-Jährige von der Wortwahl der medialen AfD-Köpfe. Jongen zählt zum gemäßigten Flügel seiner Partei. Ob er im Wahlkampf nur eine Rolle gespielt hat, oder ob sein Auftreten authentisch gewesen ist, wird sich zeigen.

Einen überaus engagierten und pfiffigen Wahlkampf hat Thomas Utz für die SPD geführt. Kaum ein Tag, an dem er nicht mit einem Clip auf Facebook für die Ziele und Werte der Sozialdemokratie geworben hat. Auch rhetorisch konnte der junge Murrer bei Veranstaltungen punkten. Bitter für ihn: Im Ergebnis hat sich sein Engagement nicht widergespiegelt. Hatte sein Vorgänger vor vier Jahren das Ergebnis der Bundespartei mit seinen Erststimmen leicht toppen können, blieb Utz dieses Mal sogar leicht unter dem SPD-Ergebnis.

Und die Grünen? Catherine Kern kann – trotz einiger Schwächen beim persönlichen Auftritt auf großer Bühne – zufrieden sein. Etwas mehr als zwölf Prozent der Erststimmen konnte sie auf sich verbuchen – und auch bei den Zweitstimmen liegt ihre Partei im Wahlkreis sogar knapp vier Prozent über dem Bundesergebnis.

Nicht zufrieden sein kann Linken-Kandidat Walter Kubach. Der Mundelsheimer hielt zwar sein Ergebnis von vor vier Jahren, kam aber erneut nicht über die Fünf- Prozent-Marke. Youngster Marc Distl von der FDP schaffte bei seiner Premiere persönlich knapp neun Prozent – trotz eines im Wahlkampf eher blassen Auftretens.

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