Großbottwar Schicksal der L1115 hängt in der Schwebe

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Der Verkehr auf der Straße hat offenbar zugenommen. Foto: Archiv (avanti)

- Das Wort „Autobahnzubringer“ möchte der Großbottwarer Bürgermeister Ralf Zimmermann am liebsten gar nicht hören. „Es ist doch eine Landesstraße“, sagt der Verwaltungschef der 8000-Einwohner-Kommune, die an der viel befahrenen L1115 zwischen der Autobahn 81 bei Mundelsheim und Backnang liegt. Das Damoklesschwert eines dreispurigen Ausbaus – mit möglicherweise stärkerem Lärm – schwebt schon seit etwa 15  Jahren über der Storchenstadt. Aber, und dessen ist sich auch Ralf Zimmermann bewusst: Entscheidet das Bundesverkehrsministerium in Berlin in nächster Zeit über den Antrag des Landes, die Straße in eine Bundesstraße umzuwandeln, könnte das Projekt ins Rollen kommen.

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Der mögliche Ausbau ist für Ralf Zimmermann Grund genug, mantraartig alte Forderungen zu wiederholen: „Die Trasse muss südlich vom Ort abgerückt werden, wir brauchen einen Lärmschutz mit Wällen, Mauern und Wänden, und auch das Wegenetz für unsere Landwirte im Bottwartal muss entlang der Strecke erhalten bleiben.“

Was beim Großbottwarer Bürgermeister Abwehrreaktionen hervorruft, wird an anderer Stelle vehement gefordert. Als starker Fürsprecher für den Ausbau gilt Norbert Barthle. Der CDU-Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Backnang-Schwäbisch Gmünd sitzt als Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium quasi an der Quelle. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass bald eine positive Entscheidung fällt“, sagt Barthle. Bund und Land seien sich einig, dass die L1115 eine Verkehrsachse von überregionaler Bedeutung sei. Das Regierungspräsidium Stuttgart müsse noch einige Informationen liefern, etwa zum baulichen Zustand der Strecke oder dem absehbaren Instandsetzungsbedarf. Daran werde aber schon gearbeitet. „In Baden-Württemberg ist der Nachholbedarf sehr groß, der Verkehrsdruck enorm“, erklärt Barthle zum Straßenbau.

Ein Lied davon kann der Aspacher Bürgermeister Hans-Jörg Weinbrenner singen. „Wir haben zwischen der Backnanger Krähenbachkreuzung und dem Abzweig zur Landesstraße  1124 nach Marbach mit fast 26 000  Fahrzeugen täglich die höchste Belastung auf einer Landesstraße in ganz Baden-Württemberg.“ Vor allem der Fernverkehr aus Richtung Sulzbach und Oppenweiler wälze sich schon durch Großaspach, „weil die Leute vier Minuten weniger brauchen“. Das hätten eigene Fahrversuche bewiesen. Weinbrenner fordert deshalb, diesen Abschnitt der L 1115 zuerst auszubauen – und erst später die beiden anderen bisher priorisierten Teile zwischen Großbottwar und Aspach sowie Mundelsheim und Großbottwar. Weinbrenner sähe das als logischen Schritt an, nachdem die B14 zwischen Nellmersbach und Waldrems nach Angaben des Landes bis Juni 2018 ausgebaut und die B14 bis Backnang-West bis 2026 hergestellt sein werden.

Gespannt verfolgen die beiden Landtagsabgeordneten des Wahlkreises Bietigheim-Bissingen, Fabian Gramling (CDU) und der Grüne Daniel Renkonen, die geplante Hochstufung. „Der Ausbau der Straße ist politischer Konsens, da gibt es keine Diskussionen“, sagt Renkonen, dem allerdings der Lärmschutz und die Belange der Landwirtschaft entlang der Strecke auf den Nägeln brennen. „Der Abschnitt zwischen Großbottwar und Aspach steht bisher an erster Stelle, weil die Kuppen im Waldgebiet als sehr gefährlich gelten, wenn auf der zweispurigen Strecke überholt wird.“ Renkonen rechnet damit, dass der Bund für ein Planfeststellungsverfahren vier bis fünf Jahre braucht. „Der Ausbau könnte dann in acht bis zehn Jahren fertiggestellt sein.“

Gemessen wurde der Verkehr auf der Strecke zuletzt im Jahr 2015, berichtet Katja Lumpp, Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Stuttgart. Werktags seien auf der 15 Kilometer langen Strecke durchschnittlich 13 000 bis etwa 25 400 Fahrzeuge unterwegs. Dabei bewege sich der Anteil des Schwerverkehrs bei ungefähr zehn bis zwölf Prozent.

Noch mehr Lastwagen auf dieser Straße sehen würde gerne der Marbacher Bürgermeister Jan Trost. „Der Ausbau der Landesstraße 1115 würde unseren Raum mit Rielingshausen entlasten“, sagt er. Dazu sei aber auch eine konsequente Beschilderung für den Schwerverkehr nötig, damit dieser von der B14 über den Autobahnzubringer zur A81 gelange. Wichtig sei auch, dass die Knotenpunkte, wie etwa die nach Rielingshausen oder Kleinbottwar, erhalten bleiben, wenn die Strecke zur Bundesstraße werde.

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