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GroßbottwarMit neuen Instrumenten auf der Spur eines chaotischen Systems

Phillip Weingand, vom 12.07.2012 15:26 Uhr
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Yannick Garbe ist stolz auf seine neue Wetterstation. Foto: Phillip Weingand
Yannick Garbe ist stolz auf seine neue Wetterstation.Foto: Phillip Weingand

Großbottwar - Cirruswolken“, sagt Yannick Garbe und deutet nach oben. Dort, über allen anderen Wolkenschichten, ziehen dünne, schneeweiße Fäden über das Winzerhäuser Tal. „Das sind reine Eiskristalle, sie weisen meist auf schlechtes Wetter hin. Aber hier gilt: Bei Frauen und Cirren kann man sich irren.“

Anfang des Monats hat der 23-Jährige im Winzerhäuser Tal eine neue Wetterstation eingeweiht – mittlerweile seine dritte. „Aber für mich ist sie die wertvollste“, erklärt er. In der Tat ist der weiße Kasten, der jetzt beim Dreiteufelsbrunnen steht, eine amtliche, professionelle Wetterstation. Messpunkte, Standort, Ausrichtung und sogar Farbe entsprechen einer DIN-Norm.

Bis vor kurzem diente die Station in Lindenfels im Odenwald dem Deutschen Wetterdienst (DWD). Dieser hat nun auf Digitaltechnik umgestellt. Auch Garbe benutzt teilweise digitale Geräte. Doch die mechanischen Instrumente faszinieren Garbe besonders: „Man hat doch einen stärkeren Bezug, wenn man selbst herkommt, die Geräte abliest und das Wetter vor Ort selbst beobachten kann.“ Deswegen hat er die Station erworben – für einen Schnäppchenpreis. Im unscheinbaren weißen Kasten befinden sich verschiedene Thermometer sowie ein sogenannter Thermo-Hygrograph. Dieser zeichnet den Verlauf von Temperatur und Luftfeuchtigkeit auf. Einige Meter weiter stehen Instrumente zur Messung von Niederschlag, Windgeschwindigkeit und -richtung. Die Stadt Großbottwar hat das Aufstellen genehmigt – mit der Auflage, dass Garbe die Wiese zweckmäßig mäht. Aber das müsste der Hobbymeteorologe ohnehin: „Unterhalb der Station muss das Gras kurz gehalten werden, sonst könnte es die Messung beeinflussen“, weiß Garbe. Täglich kommt er zur Station, um die Extremwerte zu notieren – seit dem Jahr 2004 verfügt er über Wetterdaten jedes Tages.

Schon früher hat er sich für das Wetter interessiert – inspiriert durch seinen Vater. Mittlerweile ist der Filius aber richtig durchgestartet, versorgt neben der Marbacher Zeitung auch einen Radiosender mit seinen Prognosen. Viele sprechen ihn auf das Wetter an – mit Small Talk brauchen sie nicht zu rechnen, Garbe ist dann in seinem Element. Was ihn am meisten fasziniert? „Dass das Wetter sich immer von dem am Vortag unterscheidet. Und dass es so unberechenbar ist. Es ist ein chaotisches System, kein lineares.“ Da Meteorologen aber mit linearen mathematischen Modellen arbeiten, ist Garbe überzeugt: „Zu 100 Prozent werden wir das Wetter nie vorhersagen können – trotz aller Technik.“

Als Hauptberuf kann er sich die Wetterforschung noch nicht vorstellen – der ausgebildete Chemielaborant arbeitet im Atomkraftwerk Neckarwestheim. „Der Beruf macht mir Spaß und ich bilde mich als Chemiker weiter“, so Garbe. Wer für den DWD arbeiten wolle, müsse zeitlich und räumlich flexibel sein. „Ich bin aber sehr heimatverbunden“, so Garbe. Darin sieht er aber auch einen Vorteil: „Ich kenne das lokale Wetter mittlerweile recht gut. Die Wettermodelle konnte ich daher schon anpassen.“ Und genau dabei soll ihm auch die neue Station weiterhelfen.

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