Großbottwar Das Verborgene wird sichtbar gemacht

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Wo Gaius Longinius am rauchenden Ziegelofen weilte, stehen jetzt Schautafeln. Foto: Avanti

Großbottwar - Das Gelände im Gewann Mäurach wirkt unscheinbar, doch unter der Erdoberfläche liegt das, was Regierungspräsident Wolfgang Reimer gestern als „herausragendes Denkmal“ bezeichnete: die Überreste eines römischen Gutshofs, von dem – und das ist äußerst selten – der Name des einstigen Hausherrn überliefert ist. Gaius Longinius Speratus, ein ehemaliger Legionär, hatte sich dort mit einer Ziegelbrennerei niedergelassen. Belege dafür sind nicht nur Ziegelfunde mit dem Stempel GLSP, sondern auch eine Steintafel, die bereits 1720 im Hof des Großbottwarer Schlössles entdeckt wurde, wo sie zur damaligen Zeit ganz profan als Abdeckung einer Dole diente.

Mit der gestrigen Enthüllung von zwei bogenförmigen, an römische Fenster erinnernden Schautafeln durch Wolfgang Reimer und den Bürgermeister Ralf Zimmermann, wird nun deutlich, was sich unter der Grasnarbe verbirgt. „Wir sind stolz, dass ein wichtiges Stück Geschichte der Stadt erlebbar gemacht wird“, so der Bürgermeister. Er dankte dem ehrenamtlichen Mitarbeiter der Landesdenkmalpflege, dem Großbottwarer Architekten Markus Pantle, dafür, dass er maßgeblich dazu beigetragen habe, in der Bevölkerung ein Bewusstsein für das bedeutende Bodendenkmal zu schaffen. Pantle war es auch, der im Jahr 2013 die Überreste des Ziegelofens entdeckt hat.

Vor kurzem wurde der römische Gutshof ins Denkmalbuch eingetragen. „Dieser zusätzliche Schutz ist dringend notwendig“, betonte der Regierungspräsident. Denn weil der Boden in der Vergangenheit regelmäßig umgepflügt worden sei, sei schon viel des alten Gemäuers unwiderbringlich verloren gegangen. Er sei sehr dankbar dafür, dass die Stadt gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Rettungsmaßnahmen ergriffen habe. Dank der Unterstützung des Landes konnte die Stadt bereits die meisten Grundstücke erwerben und vor dem Pflug schützen.

Gaius Longinius Speratus sei seines Wissens der einzige Villenbesitzer aus römischer Zeit, der in Wikipedia verzeichnet sei – als „Unternehmer aus Baden-Württemberg“ in einer Reihe mit Robert Bosch, Anton Schlecker oder Reinhold Würth, sagte Reimer zur Erheiterung der gut fünfzig Anwesenden.

Marcus Mayer vom Landesamt für Denkmalpflege und Experte für provinzialrömische Archäologie zeichnete ein lebendiges Bild dessen, wie es damals wohl im Mäurach zugegangen sein mag: „Hätten Sie hier vor 1816 Jahren den Blick nach Nordwesten gerichtet, hätten Sie mehrere Steinbauten mit orangefarbenen Dächern gesehen, vielleicht würde auch der Ziegelofen rauchen und die vier Kinder von Gaius Longinius Sporatus und Junia Deva im Freien spielen.“

Einen schmackhaften Eindruck vom Leben der Römer vermittelte der Historische Verein Großbottwar, der unter anderem „mulsum“, einen römischen Würzwein, „moretum“, Schafskäse mit vielen Kräutern und Knoblauch, sowie gefüllte Datteln servierte. Alles seien Originalrezepte, betonte Doris Öhler. Extra abgefüllt haben die Bottwartaler Winzer einen Gaius Longinius Speratus-Wein – Trollinger halbtrocken.

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