Großbottwar Das Gedächtnis der Stadt ist wieder in Schuss

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Brigitte Popper leitet das Archiv seit zehn Jahren. Foto: Werner Kuhnle

Großbottwar - Fast zehn Jahre sind vergangen, seit das Archiv der Stadt Großbottwar aus einem Dornröschenschlaf erweckt worden ist. Im Mai 2008 nahm Brigitte Popper ihre Tätigkeit als Stadtarchivarin auf, nachdem das „Gedächtnis der Stadt“ im Gebäude der Schule an der Linde zwölf Jahre lang verwaist war. Bis heute hütet und pflegt sie im Rahmen ihrer 20-Prozent-Anstellung das Archiv. Dass das Aufleben vor einem Jahrzehnt ein wichtiger Schritt war, wurde nun in einem Tätigkeitsbericht deutlich, den sie dem Gemeinderat vorlegte. Von einer „Premiere“ sprach Bürgermeister Ralf Zimmermann. Denn letztmals war ein solcher Bericht im Jahr 2009 Thema, jedoch im damaligen Verwaltungsausschuss des Gremiums.

„Wir verfügen über einen reichhaltigen Bestand“, sagte Brigitte Popper und verwies darauf, dass beispielsweise die Unterlagen des Gemeinderats lückenlos bis ins Jahr 1689 zurückreichen. Damit all die Dokumente fachgerecht aufbewahrt werden, wurde das Stadtarchiv sukzessive in Schuss gebracht und erweitert. 2010 und 2014 kamen jeweils neue Depots hinzu.

Vor allem aber wurde das Schriftgut getrocknet, gereinigt sowie teils neu bewertet – ein bitter notwendiger Schritt. „Ich erinnere mich an den desolaten Zustand des Archivs um das Jahr 1995“, meinte Stadtrat Jürgen Pantle (Freie Wähler). „Da stapelten sich die Fotografien, viele klebten aneinander. Es war eine unsachgemäße Behandlung. Und der Baudreck vom Schulumbau lag zentimeterhoch auf den Unterlagen.“ Auch mit Schimmel hatte man in der Vergangenheit zu kämpfen.

Mit der heutigen Situation im Neu- und im Altbau der Förderschule ist das nicht mehr vergleichbar, auch dank der nun klimatisierten Räume. „In der Region Ludwigsburg stehen wir im Vergleich gut da“, schätzte die Stadtarchivarin ein und sprach von einem „vorbildlichen“ Umbau. Archivarskollegen hätten angekündigt, sich das Großbottwarer Archiv einmal ansehen zu wollen. Möglich gemacht haben die Verbesserungen neben der Tätigkeit von Brigitte Popper auch finanzielle Aufwendungen der Storchenstadt. „In dieser Hinsicht ist Großbottwar vorbildlich“, hält die Archivarin in ihrem Bericht fest.

Und der Bestand wächst, seit 2009 um 60 Laufmeter. 45 davon beinhalten Verwaltungsunterlagen. Zum Vergleich: Bis 2009 umfasste das Archiv 317 Laufmeter. Hinzugekommen sind unter anderem auch das Vereinsarchiv des Albvereins, Materialien der Bürgerinitiative Bonag, Nachlässe sowie Einzelspenden von Bürgern.

Die Arbeit geht Brigitte Popper jedenfalls nicht aus. So werden im Jahr im Schnitt rund fünf Laufmeter an Altbeständen nachträglich verzeichnet. „Bei gleichem Tempo werden die Altbestände erst in 21,6 Jahren verzeichnet sein und damit zur Verfügung stehen“, schreibt sie im Bericht. Und gänzlich erschlossen ist nur das Altarchiv Großbottwars – im Gegensatz zu zu denen aus Winzerhausen, Hof und Lembach sowie dem Sauser-, Holzweiler- und Abstetterhof. Zusätzlich stoßen natürlich neue Dokumente zum Archiv hinzu. Diese werden seit 2009 auch digital erfasst.

Genutzt wird das Archiv von der Stadtverwaltung selbst, Familienforschern, für Publikationen sowie die Vorbereitung von Vorträgen und Ausstellungen. So jährt es sich im Jahr 2025 zum 500. Mal, dass der Großbottwarer Gastwirt Matern Feuerbacher am Wunnenstein zu einem der Anführer im Bauernkrieg gewählt wurde. „Anlässlich dieses Jubiläums sollte es in der Stadt unbedingt etwas geben“, regte Brigitte Popper in der Sitzung des Gemeinderats an. Die Archivarin erhielt fraktionsübergreifend viel Lob für ihre Arbeit.

Andreas Strohm (CDU) hakte nach, ob es im Fall eines Brandes oder Wasserschadens Schutz gebe. Brigitte Popper musste verneinen. „Nur die Daten des Standesamtes sind digitalisiert“, meinte sie. Als Anregung wurde vorgebracht, eine Direktschaltung zur Feuerwehr einzurichten sowie einen Wassermelder anzubringen, um einen möglichen Wasserschaden frühzeitig zu bemerken. Immerhin ist das Stadtarchiv nur donnerstags besetzt.

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