Großbottwar Chronologie eines erfolgreichen Widerstands

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Der erfolgreiche Kampf von Bürgern gegen das Häslachfeld ist jetzt nachzulesen. Foto: Werner Kuhnle

Großbottwar - Gut zehn Jahre ist es her, dass die Schönheit des Bottwartals dem schnöden Mammon geopfert und zwischen Großbottwar und Oberstenfeld ein 40 Hektar großes Gebiet, das „Häslachfeld“, mit Gewerbe- und Wohngebäuden sowie einer Ortsumgehung zugepflastert werden sollte. Von diesen Plänen ist nicht zuletzt dank der Interessengemeinschaft der Bottwartaler Naturverbundenen Gemeinsam (BoNaG), die die Bürger informiert und Unterschriften gesammelt hat, nichts übriggeblieben.

Die Stadt Großbottwar hat nun ein kleineres, ortsnahes Gebiet für Gewerbe- und Wohnbau ausgewiesen. Und die BoNaG hält mit einer druckfrischen Broschüre, die samt Aufkleber „Unser Bottwartal – das Tal der Liebe“ kostenlos im ersten Stock des Rathauses und bei der Wohnscheune Haag erhältlich ist, stolz Rückblick auf das Erreichte: auf verworfene und abgeänderte Pläne, auf eine entstandene Leitbilddebatte und auf die Diskussion in Öffentlichkeit und Medien. Auch in einer Orts-Check-Aktion der Marbacher Zeitung hatte sich herausgestellt, dass die meisten befragten Bürger für den Erhalt der Natur waren.

„Das Beste an der Initiative ist, dass vielen die Schönheit des Bottwartals wieder ins Bewusstsein gerückt ist“, betonte Thomas Liesching gestern bei der Vorstellung der Broschüre im Stadtarchiv, wo alle Unterlagen zum Widerstand zu finden und nach Voranmeldung auch zu besichtigen sind. „Ich halte das für eine bedeutende Überlieferung“, betonte Archivarin Brigitte Popper. Stadtgeschichte sei nicht nur, was in der Verwaltung passiere, sondern auch, was Bürger auf die Beine stellten.

Zusammengestellt wurde die Broschüre, die im Wesentlichen aus verschiedenen Presseartikeln und Leserbriefen besteht und mit Fotos und Kommentaren versehen wurde, von Ursula Fink, Thomas Liesching und Markus Pantle, die alle in der BoNaG engagiert waren. Die wird jetzt übrigens – zumindest vorerst – nicht mehr benötigt. „Aber wer weiß, vielleicht entsteht etwas Kulturelles daraus“, meinte Liesching.

Im Grunde genommen habe ein Blick auf den Regionalplan des Verbands Region Stuttgart von Anfang an gezeigt, dass fast das gesamte Tal unter Landschaftsschutz steht und die Pläne damit zum Scheitern verurteilt gewesen seien. „Und wie man sieht, geht es auch anders, indem man Industriebrachen reaktiviert“, so die BoNaG-Sprecherin Suzanne Ege mit Blick auf das ehemalige Laauser-Areal. Es sei toll, dass man so viele aktive Unterstützer für den Erhalt der Natur des Bottwartals gefunden habe, resümierte Ursula Fink: „Früher gab es bestenfalls Einzelaktionen; in diesem Fall haben viele an einem Strang gezogen.“

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