Erdmannhausen Jahresabschluss könnte eine Tradition werden

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Der Jahresabschluss ist eine gute Gelegenheit, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Foto:  

Erdmannhausen - Die Erdmannhäuser sind nach ihrem 1200-Jahr-Jubiläum im Jahr 2016 offenbar immer noch in Feierlaune. Zum Jahresabschluss am Freitag auf dem neugestalteten Schafhausplätzle haben sie sich jedenfalls nicht lange bitten lassen. Dicht an dicht standen die fröhlichen Menschen, unterhielten sich und ließen sich nebenbei Glühwein oder Kinderpunsch schmecken. Kaum sah man im Gedränge den schön mit Kerzen geschmückten Brunnen.

Die Bürgermeisterin Birgit Hannemann sagte, der Jahresabschluss im Rathaus im Jubiläumsjahr sei so gut angekommen, dass man beschlossen habe, das zu wiederholen. Allerdings habe man sich dieses Mal für das neugestaltete Plätzle am Brunnen entschieden, um den Jahresabschluss 2017 gemeinsam zu feiern. „2018 au wieder!“, rief ein Mann dazwischen, und die Rathauschefin zeigte sich grundsätzlich nicht abgeneigt, eine Tradition entstehen zu lassen.

Das Schafhaufplätzle am Neuhofweg jedenfalls lädt trotz oder vielleicht auch gerade wegen seiner Winzigkeit geradezu dazu ein, bei kalten Temperaturen zu feiern. „Ein richtiger Winterplatz; es ist so eng, dass man sich richtig aneinander kuscheln kann“, schmunzelte eine Frau. Und er ist ein Stück weit auch eine Erdmannhäuser Gemeinschaftsleistung. Denn der Architekt Hans Schänzer, der extra für das Fest seinen Urlaub unterbrochen hatte, konnte letzten Endes nur tätig werden, weil sich zuvor der Freundeskreis Schafhausbrunnen engagiert sowie auch etliche Einwohner für den Brunnen und den Platz gespendet hatten.

In einem Marktwagen standen die Gemeinderäte und hielten Heißgetränke bereit, mischten sich aber auch zu Beginn des Festes unter die Feiernden und drückten ihnen die Glühweinbecher in die Hand. Nur der Kinderpunsch musste extra bestellt werden. Doch die meisten wollten „mit Stoff“, wie es ein Gast formulierte. Die Gemeinderäte waren es auch, die alles aufgebaut hatten. „Sie sehen: Die können nicht bloß diskutieren, sondern auch richtig anpacken“, scherzte die Bürgermeisterin. Und der erste Stellvertretende Bürgermeister Franz Pilhartz witzelte: „Eigentlich wollten wir den Brunnen mit Glühwein füllen, aber er ist immer wieder eingefroren.“

Für ihre Arbeit nicht nur beim Glühweinausschank erhielten die Gemeinderäte viel Lob. „Es ist schön, dass die Gemeinde so etwas macht“, war eine oft zu hörende Aussage, und gestaunt wurde darüber, dass das Ganze auch noch kostenlos war. „Ich wollte meinen Glühwein bezahlen, aber die wollten absolut nichts haben“, erzählte ein Mann seinen Bekannten. Der Erdmannhäuser Unternehmer Martin Probst setzte noch einen drauf: „Der Jahresabschluss ist eine Sache, bei der man sich auch mal bei den Gemeinderäten dafür bedanken kann, was sie das Jahr über ehrenamtlich leisten. Die wenigsten wissen, wie viel Arbeit dahintersteckt“, sagte er und hatte als Dank auch gleich „ein Geschenkle vom Nusseboom“ mitgebracht – in vier Stunden mühseliger Arbeit selbst geknackte und gebrannte Walnüsse. Davon durften auch die Besucher naschen, und das Rezept verriet er auf Nachfrage gern: „Ein Teil Wasser mit einem Teil Zucker aufkochen, zwei Teile Nüsse dazu, Zimt drüber und ein wenig Salz.“

Glühwein und Kinderpunsch waren dagegen nicht selbstgemacht, sondern „nur“ selbst gewärmt, wie der Gemeinderat Hans-Georg Götz schmunzelte. Doch sie mundeten allen bestens; mancher ließ sich seinen Becher mehrmals nachfüllen. Als plötzlich das Licht im Marktwagen ausfiel, sorgte das für großes Hallo. „Jetzt ist erst mal der Strom weg“, konstatierte die Gemeinderätin Daniela Baumgärtner-Bauer nüchtern. Und es blieb nicht bei dem einem Mal. Der guten Stimmung tat die wackelige Stromversorgung aber keinen Abbruch. Im Gegenteil. Es wurde im romantischen Kerzenlicht eher noch kuscheliger. Nur die Durstigen mussten ein wenig warten, bis die Heißgetränke wieder die nötige Temperatur hatten.

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