Erdmannhausen/Floridablanca Neue Erfahrungen und Freundschaften

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Auch Medellin möchte Sonja Lutz einmal einen Besuch abstatten. Foto: Archiv (privat)

Erdmannhausen/Floridablanca - Wenn das Abiturzeugnis auf dem Tisch liegt, eröffnen sich für die Schulabgänger eine Vielzahl an möglichen Wegen. Studium? Ausbildung? Oder erst einmal ins Ausland? Sonja Lutz aus Erdmannhausen ist die Entscheidung leicht gefallen. Sie hat gestern ihren Flug nach Kolumbien angetreten. Der Rückflug? Geht erst wieder im August 2019!

Zwölf Monate lang wird die 18-jährige in Floridablanca in einer Community helfen, in der vertriebene Familien betreut werden. „Illegale Gruppen reißen schon seit Jahren immer wieder Land an sich“, weiß Lutz: „Vor allem Kinder brauchen dann häufig eine Betreuung.“ Ihre Aufgabe werde darin bestehen, einen Mitarbeiter zu begleiten und zu unterstützen. Vermittelt hat ihr die Stelle die Organisation AFS International, die in fast jedem Land weltweit Plätze für den Freiwilligendienst anbietet: „Das wird vom Staat gefördert.“ Dennoch bleiben von gut 10 000 Euro noch rund 2700 Euro übrig, die Sonja Lutz selbst für ihr Auslandjahr stemmen muss: „Ich habe dafür während meiner Abizeit gearbeitet“ Im Altenheim habe sie dabei gleichzeitig erste Erfahrungen gesammelt.

Während ihrer Zeit in Floridablanca muss die Erdmannhäuserin jedoch mit deutlich weniger Geld auskommen. Genau 100 Euro bekommen die Freiwilligen im Monat ausgehändigt: „Wobei das aber für kolumbianische Verhältnisse viel ist.“ Auf diese Tatsache sind die Jugendlichen schon in den Vorbereitungswochen hingewiesen worden: „Uns wurde etwa gesagt, dass wir unser ‚Taschengeld’ nicht vor unseren Gastgeschwistern raushängen lassen sollen.“ Vor Ort sind die Jugendlichen nämlich bei Gastfamilien untergebracht.

Doch das beruhigt die Eltern zuhause nur bedingt, weiß Sonja Lutz: „Ihnen wäre es schon lieber gewesen, ich wäre irgendwo in Europa geblieben. Aber sie unterstützen mich jetzt auf jeden Fall.“ Dass ihre Wahl ausgerechnet auf Kolumbien gefallen ist, kommt nicht von ungefähr: „Die Kultur in Lateinamerika hat mich schon immer sehr fasziniert.“ 2016 habe sie dann auch in der Marbacher Zeitung stets die Artikel von Jana Bauer verfolgt, die von ihrem Aufenthalt in Kolumbien erzählte: „Und ich fand alles einfach sehr schön.“ Sprachbarrieren gibt es für die 18-Jährige zudem auch nicht, da sie Spanisch nun schon seit insgesamt fünf Jahren lernt. Und auch ihre Geschwister hatten nur Gutes aus Argentinien und Mexiko zu berichten. Sie seien auch der Grund, weshalb sie keinen Bammel vor dem Auslandjahr habe: „Sie haben mir immer erzählt, das es schneller rumgeht als man denkt und sich zuhause nicht so viel ändert.“ Die Freunde seien weiterhin dieselben wie zuvor.

Wünsche an ihre Reise nach Kolumbien hat Sonja Lutz natürlich schon einige: „Ich hoffe, dass ich meine persönlichen Stärken besser kennenlerne und zudem viele gute Erfahrungen sammle.“ Auch auf die neuen Menschen und die Kultur freue sie sich. „Und darauf, mein Spanisch anzuwenden und weiter zu verbessern“, erklärt die Abiturientin. Doch bei all dem bleibt sie auch ganz realistisch: „Viele denken, sie gehen in den Freiwilligendienst und verändern das Leben der Menschen oder bringen diesen etwas bei.“ Kolumbien sei aber kein rückständiges Land, in das sie nun zum Missionieren gehe: „Ganz ehrlich, ich bin erst 18. Ich weiß doch selbst noch nicht viel von der Welt.“

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