Erdmannhausen Countryflair entführt in den Wilden Westen

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Die Countrynight ist mit 250 Line-Dancern gut besucht gewesen. Foto: avanti

Erdmannhausen - Mit Westernhut, Karobluse und Lederstiefeln ausgestattet wiegen sich rund 250 Line-Dancer im Takt der Musik, Schritt nach links, Clap, Drehung, Clap. Am Samstag hat die Countrynight in der Halle auf der Schray in Erdmannhausen stattgefunden. Dank ihrer großzügigen Tanzfläche und hohen Decken der optimale Veranstaltungsort, die Holzverkleidung versprüht Countryflair. Es dreht sich um Amerika, US-amerikanische Kultur und ihre Tänze.

Line-Dance-Clubs aus der Region sind zusammengekommen, um der gemeinsamen Leidenschaft nachzugehen und zu Countrymusik einstudierte Choreografien zu tanzen. „Rot, blau und weiß sind hoch im Kurs“, berichtet Elke-Dagmar Eisen, die einen Westernshop in Leinfelden-Echterdingen betreibt. Am Eingang präsentiert sie einen Verkaufsstand, Ohrstecker, Lederwaren und Haarspangen nach Maß – alles was das Line-Dance-Herz begehrt. „Auf Wunsch färben wir Federn passend ein, als Haarschmuck“, erzählt die 58-Jährige. Auffällig ist ein Schnapshalter aus Leder, der an den Gürtel geschnallt werden kann, darin eine kleine Flasche Whisky – „Line-Dancer trinken ganz gern“, verrät sie mit einem Augenzwinkern.

Für Wasser statt Alkohol beim Tanzen sind Nadine, 35, und Nicole Nägele, 34, aus Ingersheim. Seit zwölf Jahren sind die beiden Line-Dancer, sie trainieren zweimal wöchentlich in Tamm. Fasziniert sind sie von den USA und dem „American Way of Life“. Um dieses Lebensgefühl hautnah zu erleben und in der Hoffnung, mehr über Line-Dance zu erfahren, reisten sie 2014 nach Philadelphia. Die schmerzliche Erkenntnis: In den USA ein Line-Dance-Event zu besuchen stellte sich als schwierig heraus, denn dort ist diese Art des Tanzens weniger populär. „Im Gegenteil, es flacht komplett ab, vergleichbar mit Volkstänzen hierzulande“, führt Nadine Nägele aus.

Umso mehr schätzen die beiden Schwestern die zahlreichen Events in der Region, die sie regelmäßig aufsuchen. Besonders gefällt ihnen das Miteinander auf Line-Dance-Events wie diesen. „Wie eine große Familie, man sieht immer viele bekannte Gesichter“, schwärmen sie. Ihre Begeisterung für Amerika bringen sie gerne zum Ausdruck, lassen Anglizismen in ihre Sprache einfließen – ein Stück Amerika im Alltag. Die Band des Abends kennen sie persönlich, „es ist einfach schön, mit hugs von den Jungs begrüßt zu werden“.

Die Jungs, das ist die Band Paprika-Country, eine fünfköpfige Band mit Countryrock, Westernballaden und Truckersongs im Repertoire. Sie sind die Stimmungsmacher in der Halle, beliebte Taktgeber sind Klassiker wie „Lay Down Sally“ von Eric Clapton. So wohl sie sich in der Countrymusik fühlen, stehen sie zu ihren schwäbischen Wurzeln, auf ihrer Website verkünden sie „ungebremste Schwabenpower“. So geht es den meisten, das zeigt auch die Speisekarte – von Kartoffelsalat bis Schnitzel, mehr schwäbisch als amerikanisch. „Die Wedges mit Sour Cream, die passen thematisch noch am ehesten“, findet Jennifer Kunz, 32, aus Erdmannhausen. Sie ist Jugendleiterin beim FC Biegelkicker Erdmannhausen, der für den organisatorischen Teil des Abends zuständig ist.

Zum dritten Mal hat die Countrynight unter dem Dach der Biegelkicker stattgefunden. „Wir freuen uns, dass die Veranstaltung so gut ankommt“, so Kunz. Ein Stück Wilder Westen, das in Erdmannhausen hoffentlich seinen festen Platz im Veranstaltungskalender behält.

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