Die Freitagsreportage Ein Hauch von Hollywood im Hardtwald

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Die Filmklappe ist im Dauereinsatz. Foto: Michael Raubold Photographie

Murr - Ein Ruf hallt durch den tiefen Wald: „Wir kommen zur Ruhe!“, ordnet Susanne Petzold mit deutlicher Stimme an. Die Kameramänner bringen sich in Position, Mikrofone an meterlangen Stangen werden durch die Luft geschwenkt. „Kurz davor!“, ruft die Setaufnahmeleiterin erneut betont. Im Wald, an dem an diesem Vormittag so viel Trubel herrscht, wird es allmählich still. Die letzten Handgriffe werden getätigt, Diffusoren für die passende Beleuchtung in den richtigen Winkel gebracht, das Laubrascheln wird vermieden. „Wir drehen!“, ertönt der nächste Ruf. Es fällt die Filmklappe, gefolgt von einem: „Uuuund bitte!“

Die Schauspielerinnen Meike Kircher und Franziska Küpferle, in der SWR-Kultserie „Die Kirche bleibt im Dorf“ bekannt als Maria Häberle und Elisabeth Rossbauer, spielen nun auf einem Baumstamm sitzend ihre Szene. Der Text sitzt tadellos, etwa 30 Sekunden dauert die Aufnahme. Im Fernsehen wird es wirken, als seien die beiden alleine im Wald. Beim Dreh selbst ist das wahrlich anders. Ein eingespieltes Team aus 30 Personen geht hinter den Kameras seinen Aufgaben nach: Ton, Regie, Maske, Dokumentation... Wie aufwendig das ist, zeigt unter anderem, dass beim Ton auf Flugzeuge am Himmel geachtet werden muss. Damit die Mitglieder der Filmcrew all die Informationen nicht durch den Wald brüllen müssen, stehen viele über Funk in Kontakt.

„Uuund danke!“ ruft diesmal Ulrike Grote, die die bei Millionen Fernsehzuschauern beliebte schwäbische Komödie geschrieben hat, und die beim Dreh Regie führt. Die Baumstamm-Szene ist vorerst im Kasten, wird aber kurz darauf zwei, drei weitere Male aufgenommen, auch aus einer anderen Perspektive. Ehe der Pulk aus Menschen übers Geäst und durchs Laub hastig zum nächsten Drehort zieht. Es muss schließlich ein strammer Zeitplan eingehalten werden: Bis zu zehn Minuten einer Folge werden am Tag gefilmt. „Das ist wahnsinnig. Normal sind drei bis fünf Minuten“, sagt Produzentin Ilona Schultz.

Ein Zeitplan, der am heutigen Freitag endet – dann nämlich ist nach 29 Drehtagen auch die vierte Staffel vollends gedreht. Doch die Fans der Serie müssen stark sein: Aller Voraussicht wird die Staffel, die vermutlich im Frühjahr 2018 ausgestrahlt wird, die letzte sein. Die genauen Sendetermine stehen dabei noch nicht fest.

Bis es soweit ist, wird im Hardtwald längst Ruhe eingekehrt sein. Hier, in der Nähe des Feuersees auf Murrer Gemarkung zwischen Forsthof, Großbottwar und Kleinaspach, ist ein Teil der Dreharbeiten über die Bühne gegangen, auch die Baumstamm-Szene. Weitere Örtlichkeiten der Serie waren die Burg Lichtenberg, die Pfarrscheuer in Benningen oder auch die Neckarmühle in Mundelsheim.

„Ausgangslage war damals die Kirche in Kleiningersheim, die wir ausgewählt haben“, sagt Produktionsleiter Wolfgang Krenz von der Fortune Cookie Film GmbH, die die Serie im Auftrag des SWR dreht. Dadurch war klar: Die Produktionsfirma bezieht ihr Büro in Ludwigsburg, und auch die Drehorte sollten in der näheren Umgebung sein. So erlebten – auch dank sogenannter Locationscouts – das Neckar- und Bottwartal einen Hauch von Hollywood und vor allem die aus der Serie legendäre Rivalität zwischen Ober- und Unterrieslingen. „Es stand auch eine Kirche im Remstal zur Wahl. Dann wären wir nach Esslingen gegangen“, sagt Krenz.

So falsch kann die Entscheidung nun nicht gewesen sein: Auch weit über das Schwäbische hinaus feiert „Die Kirche bleibt im Dorf“ Erfolg. „Ich glaube, die Serie schafft es, trotz der Mundart nicht provinziell zu wirken. Vor fünf Jahren waren wir damit ziemlich die Ersten, gerade im deutschsprachigen Raum. Inzwischen sind viele nachgezogen“, sagt Schauspieler Christian Koerner (Karl Rossbauer).

Sechs bis acht Wochen dauerte die Vorbereitung, um die Kulissen der vierten Staffel vorzubereiten, erklärt Szenenbildnerin Stephanie Schlienz. Bereits viel früher hatten die Schauspieler ihre Texte gelernt, wie Meike Kircher berichtet: „Das Tolle an dieser Serie ist, dass die Texte auf uns zugeschnitten sind. So tut man sich leichter. Die Vorbereitung dauert dennoch Monate, auch weil man sich ja körperlich fit halten muss.“ Man könne die Schauspieler nachts wecken und fragen: Folge 28, Szene 6 – wie lautet dein Text? „Alle würden das wissen“, sagt Ilona Schultz. Zudem erfolgen technische und inhaltliche Proben, damit beim Dreh kaum mehr gefeilt werden muss.

Das heißt aber nicht, dass am Filmset nicht auch improvisiert werden muss. „Wir drehen auch bei Regen, was wir dann eben inhaltlich in der Geschichte anpassen müssen“, meint Ilona Schultz. Die Dreharbeiten zu verschieben, sei nicht machbar. Auch sei plötzlich eine Hängematte gerissen, in der es sich Schauspieler Christian Pätzold (Gottfried Häberle) bequem gemacht hatte. Die Szene wurde kurzerhand in die Geschichte aufgenommen.

Ansonsten darf über den Inhalt der vierten Staffel natürlich nicht zu viel verraten werden. Nur so viel: Die beiden verstrittenen Familien Rossbauer und Häberle schmieden gemeinsam Pläne, um den ungeliebten Heinz, der Maria geheiratet hat, loszuwerden. Und so fallen im Hardtwald sogar Schüsse. Und eine Person springt wutentbrannt in einen See – den Feuersee.

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