Bottwartal Auf Werbetour für Reaktivierung der Bottwartalbahn

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Wolfram Berner, Hans-Joachim Knupfer und Jochen Biesinger (von links) haben über die Bottwartalbahn diskutiert. Foto: Frank Wittmer

Seit der endgültigen Stilllegung der Bottwartalbahn im Jahr 1990 wird auch über ihre Reaktivierung diskutiert. Das beweisen die zahlreichen Studien und Gutachten, die der verkehrspolitische Sprecher der Marbacher CDU-Gemeinderatsfraktion Jochen Biesinger zumindest seit 1994 gesammelt hat. „Das ist ein mächtiger Berg“, sagt er.

Die Rahmenbedingungen haben sich aber verändert, seit über eine durchgehende Verbindung von Marbach nach Heilbronn diskutiert wird. Eine Machbarkeitsstudie beider Landkreise ist in Arbeit. Einen neuen Akzent setzt die Bürgeraktion Bottwartal mit der „TramTrain“, einer Straßenbahn, die ohne teure Unter- oder Überführungen auskommen könnte.

Auf Einladung des CDU-Stadtverbandes Marbach stellten Wolfram Berner und Hans-Joachim Knupfer von der Bürgeraktion am Montagabend den 30 Zuhörern im Turnerheim die „Vorab-Machbarkeitsstudie“ vor. „Wir wollen einer professionellen Studie nicht vorgreifen“, betonte Knupfer. „Wir sind keine Fachplaner, keine Ingenieure und keine Kostenermittler.“

Dennoch sehr detailliert sind in dem 40 Seiten starken Heft, das auch bei der Geschäftsstelle der Marbacher Zeitung erhältlich ist, Streckenverläufe und Bahnhöfe sogar mit der cleveren Anbindung ans Busnetz dargestellt. Im Gegensatz zu einer Verlängerung der S-Bahn setzt die TramTrain größtenteils auf vorhandene Wegeführungen. „Wo der Bus durchkommt, kommt auch die Stadtbahn durch“, dieses Motto belegten die beiden mit vielen Beispielen aus Stuttgart oder dem Heilbronner Raum. Gleisneubauten könnten als Magerrasen ausgeführt werden und so sogar eine ökologische Aufwertung mit sich bringen. Gleichwohl könnten die Schienen auch auf bestehenden Straßen oder Wegen verlaufen, wie es in Großbottwar wohl nicht anders geht. „Die Kelter in die Luft zu sprengen, das geht nicht – wär ja auch schade“, meinte Knupfer.

Die TramTrain werde von Beilstein bis Marbach bei zehn Haltestellen idealerweise 25 Minuten brauchen, stellte Berner heraus. Außerorts dürfe der Zug 80 Stundenkilometer fahren und sei bei Straßenquerungen wie der L1100 bevorrechtigt. „Dazu reichen 30 Sekunden“, meinte Knupfer auf die Frage eines Zuhörers, der noch mehr Staus befürchtete. Ein anderer Gast berichtete von der Ammertalbahn, die dazu beigetragen habe, „dass man auf der B28 jetzt wieder Auto fahren kann“. Generell haben alle reaktivierten oder neu gebauten Nebenstrecken die prognostizierten Fahrgastzahlen bei weitem übertroffen, stellte Berner dar. Mit einem jetzt schon vorhandenen Potenzial von 5000 Pendlern, die die Bürgeraktion an einem „bitterkalten Novembertag“ gezählt hat, sei die Straßenbahn auf jeden Fall ausgelastet. An den Wochenenden kommen die Ausflügler dazu, die ihre Fahrräder in den geräumigen Abteilen unterbringen können. Die barrierefreie Zugänglichkeit sei zudem von Vorteil.

Die Hoffnung sei, dass mit sinnvoll ausgetüftelten Bus-Zubringern viele erst gar nicht ins Auto steigen. Man müsse allerdings bedenken, dass morgens viele Schüler unterwegs sind, merkte ein Zuhörer an. Wenn man aber eine Stunde von Oberstenfeld nach Marbach brauche, so Biesinger, sei das nicht attraktiv. „Wir bauen die Bahn für die jungen Leute, die wollen lieber heute als morgen das Auto stehen lassen“, meinte Wolfgang Streufert aus Oberstenfeld. Arnegunde Bärlin aus Marbach war von den Ideen begeistert: „Das ist eine fantastische Vision“, meinte die Stadträtin. Vor allem wenn die Bahn, wie erhofft 2030 fertig würde. „Dann könnte man mit einem wasserstoffbetriebenen Zug ohne Oberleitung zur Landesgartenschau fahren“, stellte Berner gleich noch eine Idee vor.

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