Blickwinkel Miteinander reden

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Karin Götz hält eine Schließung des Jugendhauses für überzogen. Foto: MZ

Steinheim - Eins muss man Werner Maier lassen. Der Leader der ehemaligen Band Purple Sun weiß, wie man für Aufmerksamkeit sorgt. Sein Schreiben, mit dem er auf die aus seiner Sicht unzumutbaren Zustände rund um das Jugendhaus hinweist, hat er bewusst an einen umfangreichen Verteiler geschickt. Anders, da scheint er sich sicher zu sein, würde sich nichts ändern an der seiner Meinung nach leidigen Misere rund um das Jugendhaus.

Ohne Frage: Wenn Kunden sich nicht mehr trauen, die Unternehmen in der Bahnhofstraße zu besuchen, weil sie eine Horde von halbstarken Jugendlichen passieren müssen, besteht Handlungsbedarf. Wenn Anwohner bedroht und belästigt werden ebenso. Und doch ist es befremdlich, dass sich Werner Maier vor seinem öffentlichkeitswirksamen Paukenschlag nicht an den seit Februar amtierenden Rathauschef in dieser Sache gewandt hat. Und seit dem runden Tisch Ende Januar lediglich einmal an den Leiter des Ordnungsamtes kurz vor dessen jüngstem Urlaub. Oder an die Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen. Ausgenommen die CDU-Chefin Renate Eggers, die er nach eigener Aussage privat kennt.

Auch die Polizei ist seit einem Vorfall vor zwei Jahren nicht mehr gerufen worden – so die Versicherung der Gesetzeshüter. Mit besagtem Vorfall ist die Stadt und allen voran Jugendhausleiter Stefan Maier immer offen umgegangen. In seinem jährlichen Sachstandsbericht im zuständigen Ausschuss informiert Maier nicht nur über Positives aus dem zurückliegenden Jahr, sondern auch über Negatives. Und zu dem zählte sicher der Polizeieinsatz vor zwei Jahren, in dessen Nachgang ein junger Mann wegen eines Drogendeliktes in Haft gekommen war. Stefan Maier die Kompetenz abzusprechen, das Jugendhaus zu leiten, ist harter Tobak – und aus meiner Sicht nicht nachzuvollziehen. Der Sozialpädagoge steht für mich für Verbindlichkeit, Engagement und Transparenz. Maier leistet gute Arbeit – und er ist nah dran an seinen Jugendlichen. Und ganz ehrlich: Ob ein Jugendhausleiter raucht oder nicht, ist immer noch seine persönliche Angelegenheit.

Dass der Standort in der Bahnhofstraße nicht ideal für ein Jugendhaus ist, darauf hat Stefan Maier beharrlich hingewiesen. Es wird Zeit, dass ein Knopf an eine andere Lösung gemacht wird. Ein Grundsatzbeschluss für den Neubau auf dem Campusgelände wäre wünschenswert. Dem Vermieter ist zu danken, dass er den Vertrag noch einmal verlängert hat. Sollten die Probleme wirklich so massiv gewesen sein, hätte er dies sicher nicht getan.

Dennoch: Die Verwaltung muss den Vorwürfen nachgehen und die Verzweiflung der Nachbarn ernstnehmen. Es muss ein Gespräch mit allen geben, um eine Lösung zu finden. Die Forderung nach Schließung des Jugendhauses halte ich indes für überzogen.

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