Blickwinkel Lektion gelernt?!

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Nicht Flüchtlinge, sondern die Dorfjugend hat über die Stränge geschlagen und gewütet. Foto: privat

Mundelsheim - Die Bilder haben sich in meinem Kopf festgesetzt. Auch wenn es schon drei Wochen her ist, sind sie immer noch präsent. Das Königshäusle an den Hängen des Mundelsheimer Käsbergs kenne ich von Presseterminen. Das 1819 von der Hofkammer, der königlichen Verwaltung, erbaute Haus inmitten von Weinbergen ist ein wahrer Schatz. Kein Wunder wurde es von König Wilhelm I. gerne als Aussichtsstätte genutzt. Der Blick in die Umgebung ist einzigartig. Der Anblick, der sich indes auf den Fotos bot, die an meinem Dienstwochenende ins Postfach flatterten, lässt besagte Idylle nicht einmal mehr erahnen. Kaputte Bänke, in die Weinberge geworfene Fässer, eine aus der Verankerung herausgerissene Schautafel als Zeichen sinnlos-dreister Zerstörungswut. Zum Glück schafften es die Vandalen nicht ins Innere des unter Denkmalschutz stehenden Hauses. Ich mag mir die Bilder gar nicht vorstellen, wenn sie auch dort noch gewütet hätten.

In den sozialen Netzwerken, darunter auch auf unserer Facebook-Seite, war die Bestürzung ob der Verwüstung nachvollziehbar groß. Für mich nicht nachvollziehbar war jedoch die von einigen – mit Blick auf die Suche nach den Tätern – in die Welt gesetzte Mutmaßung, es könne sich nur um Geflüchtete handeln. Mancher Beitrag war so beleidigend, dass wir ihn löschen mussten. Wie einfach und beschränkt erklärt sich die Welt doch im Kopf immer mehr Menschen. Michael Herzog von Württemberg reagierte entsetzt und brachte seinerseits die Vermutung ins Spiel, dass es sich bei den Vandalen vielmehr um ein paar halbstarke Jugendliche gehandelt hat.

Und er sollte Recht behalten. Nicht Flüchtlinge, sondern die Dorfjugend hat über die Stränge geschlagen und gewütet. Zwei Mädchen und ein Junge gestanden die Tat. Sie werden es ahnen: Es war viel, viel zu viel Alkohol im Spiel. Er senkte die Hemmschwelle der Kids so weit, dass es offenbar kein Halten mehr für das Trio gab. Gerade einmal 13 und 14 Jahre sind die Randalierer alt. Nicht viel älter als mein Großer. Die Vorstellung, dass er stark alkoholisiert durch die Weinberge zieht und eine Spur der Verwüstung hinterlässt. Puuh – ich mag gar nicht dran denken.

So schlimm der Vorfall auch ist, so hat er doch etwas Gutes, denn die drei Übeltäter haben sich gestellt. Und nicht nur das: Sie haben sich entschuldigt und einen Arbeitsdienst geleistet. Ob die Teenager das aus ganz freien Stücken gemacht haben oder der Druck von Freunden und Familien irgendwann einmal einfach zu groß geworden ist, sei einmal dahingestellt. Aber eine schäbige Tat nicht nur bei der Polizei zu gestehen, sondern sich auch persönlich beim Leidtragenden zu entschuldigen, dazu gehört Mut, der wiederum Respekt verdient. Und wer weiß? Vielleicht hat das über die Stränge schlagen ja am Ende auch ein Gutes und die drei haben eine Lektion fürs Leben gelernt.

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