Benningen Zehn Minuten zuvor wäre Katastrophe passiert

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Bei dem Unfall am Donnerstag ist ein Auto Foto: Werner Kuhnle

Benningen - Mutmaßlich aufgrund eines gesundheitlichen Problems ereignete sich am Donnerstag gegen 8.50 Uhr in der Beihinger Straße in Benningen ein Unfall.“ So ist es im Polizeibericht vom gestrigen Freitag zu lesen. Weiter heißt es da: „Ein 36 Jahre alter Mazda-Fahrer kam, nachdem er den Ortseingang passiert hatte, nach rechts von der Fahrbahn ab. In der Folge überrollte der Mazda einen Leitpfosten und ein Werbeschild. Schließlich prallte der Wagen gegen einen Baum, worauf sich der Pkw drehte und mit einem Verteilerkasten sowie einer Laterne kollidierte. Der 36-Jährige wurde im Mazda eingeklemmt. Die Freiwillige Feuerwehr Benningen, die mit 18 Einsatzkräften und zwei Fahrzeugen ausrückte, befreite den Fahrer. Dieser erlitt schwere Verletzungen und wurde vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht. Das Auto war nicht mehr fahrbereit und musste abgeschleppt werden. Der entstandene Sachschaden wurde insgesamt auf etwa 32000 Euro geschätzt. Es ergaben sich keine Hinweise auf eine witterungsbedingte Ursache.“

Für Robert Entenmann von der Bürgerinitiative Beihinger Straße (BBB) ist der Unfall ein weiteres Kapitel von „Die unendliche Geschichte von Tempo 30 in Benningen“. Der Pkw haben einen 25 Zentimeter dicken Baum abgerissen, sei dann im Bereich der Fußgängerampel über den Wartebereich „drübergeschossen“ und erst 15 Meter danach zum Stehen gekommen. „Zehn Minuten vorher standen genau in dem Wartebereich rund 20 Kinder des Kindergartens Regenbogen und haben auf Grün gewartet“, so Entenmann. Die Erzieherinnen hätten dies bestätigt. „Wir alle können Gott danken, dass der Unfall danach passiert ist. Wir müssten sonst mit Sicherheit mehrere tote Kinder beklagen. Und wenn man die Kinder sieht, kommen mir die Tränen, wenn ich mir das ausmale“, schreibt Entenmann in einer E-Mail, die unter anderen auch an Bürgermeister Klaus Warthon gerichtet war.

Für den Sprecher der Bürgerinitiative ist es „überhaupt nicht nachvollziehbar und nicht hinnehmbar“, dass der fünfte Antrag auf Tempo 30 im Bereich der Schulsporthalle wieder abgelehnt wurde. Ein neuer Erlass ermöglicht, Tempo 30 an Landesstraßen auch ohne Unfallschwerpunkt an öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Schulsporthallen einzurichten. Daraufhin sei in der Beihinger Straße Tempo 30 im Bereich des Kindergartens angeordnet worden, allerdings nur 50 Meter vor und nach dem Kindergarten. Dies hatte im Gemeinderat für Unmut gesorgt (wir berichteten).

Die Gemeinde will Widerspruch einlegen und erneut für den gesamten Bereich der Beihinger Straße bis zur Schulsporthalle und auch in der Ludwigsburger Straße im Bereich der Schule die Temporeduzierung fordern.

Dieses Schreiben der Gemeinde sei noch nicht eingegangen, teilt Pressesprecherin Annegret Kornmann vom Landratsamt mit. „Eine besondere Gefahrenstelle liegt im Bereich der Sporthalle nicht vor. Der Fußgänger kann in diesem Bereich die Straße mit einer Lichtsignalanlage queren“, so die Begründung des Landratsamtes, warum hier Tempo 30 nicht notwendig sei. Für Robert Entenmann steht jedoch fest: „Dass an der Schulsporthalle zu schnell gefahren wird, beweist die Blitzampel ortsauswärts, die derzeit jeden Tag blitzt.“ Vom Ortseingang her gibt es keine Geschwindigkeitskontrolle. Schwere Lastwagen, die hier täglich mit überhöhter Geschwindigkeit fahren, seien „keine Seltenheit“. Die Problematik bekomme eine besondere Schärfe, weil die Umgehungsstraße weiter nur als Bauruine vor sich hin dümpelt. Entenmann dazu: „Die Fima Epple verhindert oder verzögert mit Anwälten den Weiterbau der Umgehung, so dass mit einer Fertigstellung nicht vor 2020 zu rechnen ist.“ Das Regierungspräsidium Stuttgart als zuständige Behörde geht von einem Abschluss der Grundstücksverhandlungen im ersten Quartal 2018 aus.

Für die Sprecher der BBB steht fest: „Wir sind nicht bereit, noch länger zu warten. Wir brauchen Tempo 30 im Bereich der Schule und im Bereich der Schulsporthalle jetzt.“ Sollte sich das Landratsamt nicht dazu entschließen, Tempo 30 wie von der Gemeinde gewünscht umzusetzen, „dann sollten wir wieder eine Blockade der Beihinger Straße andenken. Die Sicherheit unserer Kinder sollte uns das wert sein.“

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