Benningen Würdiger Ort für Trauer und Abschied

Von
Bürgermeister Klaus Warthon Foto: Frank Wittmer

Benningen - Zu Beginn der Einweihungszeremonie am Sonntag stellte Rathauschef Klaus Warthon die Frage, ob man eine Aussegnungshalle überhaupt mit einem Festakt ihrer Bestimmung übergeben dürfe. Es sei insofern ein feierlicher Akt, als auch im Zeitpunkt des Todes und des Abschieds das Leben eines geliebten Menschen gefeiert werde. Und weil die Würde jedes Menschen über den Zeitpunkt des Todes hinaus unverletzbar ist, gehe es darum, „den Rahmen zu schaffen, dass wir den Abschied würdevoll gestalten können“. Warthon schlug einen Bogen zur Pestzeit im 17. Jahrhundert, als Benningen auf 145 Einwohner geschrumpft war, der Friedhof aber durch die vielen Toten wuchs.

Aus Steinen des 1945 gesprengten Viadukts wurde die Friedhofskapelle errichtet, die später noch um den verglasten Anbau ergänzt wurde. Im Jahr 2004 wurde der Friedhof erweitert, durch den zunehmenden Trend zur Urnenbestattung werden aber wohl keine zusätzlichen Flächen mehr benötigt. So war der Platz gegeben für die neue Aussegnungshalle, die zwar außerhalb des alten Friedhofsbereichs liegt, durch einen von der Denkmalschutzbehörde genehmigten Durchbruch in der Friedhofsmauer den Gottesacker aber doch erweitert.

Bei Sonnenschein ist die Halle hell und freundlich. Die mit Holzlamellen versehenen Fenster lassen das Tageslicht „moduliert“ ins Innere. Die Sichtbeziehung nach draußen zum Friedhof sei möglich, ohne dass von draußen in die Halle geblickt werden kann, so Architekt Eckhard Ernst, der sich bei dem „komplexen Gebäude“ auch über Details wie das elektrisch absenkbare Rednerpult freuen kann. „Ich hab ja viele Sparvorschläge gemacht, die sind aber alle abgelehnt worden“, scherzte der Architekt zur gelungenen Zusammenarbeit mit dem Bauherrn.

Pfarrer Stefan Spitznagel von der katholischen und Pfarrerin Dorothea Gabler von der evangelischen Kirchengemeinde freuten sich nicht nur über den warmen und trockenen Ort, um am Benninger Friedhof Trauerfeiern halten zu können. „Das ist ein Fest, das müssen wir nicht infrage stellen, dass wir diesen würdigen Ort der Trauer haben“, so Stefan Spitznagel zur eingangs gestellten Frage des „Festakts“.

Vom Frauenkreis und beiden Kirchengemeinden gab es insgesamt Spenden über 1500 Euro für das Kunstwerk „Engelsflügelkreuz“. Aus zwei weißen Holzflügeln hat der Künstler Martin Buchard einen Hohlraum geformt, der ein Kreuz ergibt. Aus diesem Grund, weil das Kreuz ja nur durch die Abwesenheit von Materie symbolisiert wird, hoffe er, auch nichtchristlichen Trauergemeinden einen Sammelpunkt geben zu können. Andernfalls wäre das mobile Kunstwerk auch leicht zur Seite zu schieben.

In einem Bilderrückblick – auch hierfür ist die Aussegnungshalle ausgerüstet – ging Bürgermeister Klaus Warthon auf die Entstehung des 2,5 Millionen Euro teuren Gebäudes ein. „Vom ersten Gespräch bis zur Einweihung sind nur vier Jahre vergangen, das ist insofern erstaunlich kurz, wenn man bedenkt, dass wir neun Monate auf die Baugenehmigung und fünf Monate auf den Zuschussbescheid von 480 000 Euro gewartet haben“, sagte er.

Artikel bewerten
4
loading