Benningen Verhandlungen in der Sackgasse

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An der Benninger Ortseinfahrt wird noch die Fertigstellung bis Ende 2017 versprochen. Foto: Wittmer

Benningen - Es ist ein Trauerspiel: Der Bau der lang ersehnten Benninger Umgehungsstraße kommt einfach nicht voran. Erst musste die Brücke neu geplant werden, was rund ein Jahr in Anspruch nimmt, nun kommen die erforderlichen Grundstücksverhandlungen nicht voran. Unsere Zeitung hatte darüber schon im März 2016 berichtet. Nun wird aber vom zuständigen Regierungspräsidium (RP) offiziell bekannt gegeben, dass sich der Bau der Benninger Umgehungsstraße um ein weiteres Jahr verzögert und mit der Fertigstellung nicht vor dem Jahr 2020 zu rechnen sei.

Weil die neu geplante Brücke im Gewerbegebiet Krautlose weiter ausläuft, sind zusätzliche Grundstücke notwendig. Die Einigung mit den Stücklesbesitzern ist allerdings schwierig. „Es ist nicht nur die Firma Epple betroffen“, sagt RP-Sprecher Matthias Kreuzinger auf Anfrage unserer Zeitung. Man kommentiere die laufenden Verhandlungen nicht, aber er wolle klarstellen, dass „mehrere Parteien betroffen sind. Wir streben weiterhin eine gütliche Lösung an.“ In einem Eilverfahren hatte man im Sommer 2016 den Bebauungsplan geändert und der Firma Epple ein Grundstück im Tausch für die wegfallenden Flächen angeboten. Die Anlände für den Entsorgungsbetrieb müsse neu gestaltet werden, weil aus Kostengründen die Höhe der Stützmauer reduziert wurde.

Auch weitere Änderungen im Planungsverfahren waren noch in der Schwebe, weshalb das Regierungspräsidium Bürgermeister Klaus Warthon vergangenen Freitag informiert hat, dass wohl auch in diesem Jahr nicht gebaut wird. „Fertigstellung Ende 2017“ steht noch auf den Plakaten, mit denen das Land für das Bauprojekt wirbt. Daraus wird wohl nichts. Selbst ein „Baubeginn noch 2017“ würde den lärmgeplagten Anwohnern in der Beihinger Straße schon helfen.

Die Begeisterung im Rathaus „hält sich in Grenzen“, wie Warthon die schlechte Nachricht aus Stuttgart auf Nachfrage kommentiert. „Wir sind in regelmäßigen Abstimmungen“, so Warthon zur Kommunikation mit dem RP. Die Gespräche mit den Grundstückseigentümern laufen unter Beteiligung der Gemeinde, obwohl das Land bei dem Bauprojekt federführend ist. Der Bau der Umgehungsstraße hat insofern Priorität, weil sich im Zusammenspiel mit der schon 2006 fertiggestellten Pleidelsheimer Osttangente, die jetzt zur Landesstraße hochgestuft wurde, eine Entlastung für die chronisch überbeanspruchte Bergkelterkreuzung in Murr Richtung Marbach/Ludwigsburg ergeben könnte. Doch jetzt heißt es erst mal wieder warten. Die im Februar 2016 fertig gestellte Feldweg-Unterführung Richtung Bootshaus steht einsam in der Landschaft herum. „Die ersten 20 Meter sind gebaut“, mit dieser Witzelei erntet man in Benningen nur noch müdes Gähnen.

Die Umfahrung wird wohl nicht vor dem Jahr 2020 fertig. „Die Gespräche laufen weiter, es muss aber erst alles in trockenen Tüchern sein, bevor man die Arbeiten ausschreiben kann“, erklärt Warthon. Bei Großprojekten wie der Umgehung muss dies europaweit erfolgen. „Dann dauert es minimum nochmal sechs Monate, bis die Bagger anrollen.“ Der Brückenschlag werde daher erst im kommenden Jahr, also 2018, erfolgen, vermutet Warthon. Und bei den ursprünglich anvisierten zwei Jahren Bauzeit, komme man rechnerisch auf die Fertigstellung im Jahr 2020. „Ich bin optimistisch und sage mal Ende 2019“, gibt Warthon die Hoffnung nicht auf.

Vom RP gibt es indes neue Informationen, wie der Bau konkret ablaufen soll. Die Neckarbrücke werde nicht vor Ort gebaut, sondern erst zur Installation mit Pontons auf dem Neckar nach Benningen transportiert. Leider wird es dadurch auch teurer: 2007 rechnete man noch mit acht Millionen Euro für die 1,2 Kilometer lange Straße samt Brücke. Diese werden laut RP-Sprecher Kreuzinger „nach jetzigem Stand nicht ausreichen“. Die Kostensteigerung liege jedoch nicht an den Verzögerungen beim Grunderwerb, sondern sei „inflationsbedingt“.

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