Benningen „Eine der größten Kulturleistungen“

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Claus-Peter Hutter hat die Zuhörer über Steillagen informiert. Foto: Werner Kuhnle

Benningen - In Benningen oder Mundelsheim hat man sie täglich vor der Haustür und nimmt sie kaum noch als etwas Besonderes wahr, weil sie einfach „schon immer“ da waren. Tatsächlich jedoch sind die terrassierten Steillagen, in denen Wein angebaut wird, eine echte Kulturleistung. Und zwar eine, so sagte Claus-Peter Hutter, am Donnerstag in seinem Vortrag im Museum im Adler, die sich durchaus mit Berühmtheiten wie Machu Picchu oder der Chinesischen Mauer messen könne. Eingeladen worden war der Leiter der Umweltakademie vom Bund für Heimatkunde, dessen Erste Vorsitzende Sonja Hähnlen sich über die große Resonanz von etwa 40 Besuchern freute. Es habe aus Platzmangel sogar einigen Interessenten abgesagt werden müssen, erklärte sie.

Der Vergleich von Weinbergmäuerle und Chinesischer Mauer wirkte auf manchen Besucher erst einmal ein wenig dick aufgetragen, und doch wurde im Verlauf des Abends deutlich, dass er berechtigt ist. Einst hätten die Römer den Weinbau ins Neckartal gebracht; nach deren Abzug sei er allerdings zum Erliegen gekommen, bis er vor etwa 1000 Jahren wiederbelebt worden sei, und zwar durch Klöster, Burg- und Schlossherren, erläuterte Hutter. Derzeit stellt er eine Rechnung darüber auf, wie lang wohl die unzähligen Mäuerle und Mauern am Neckar, die bei Gundelsheim bis zu fünf Meter hoch seien, insgesamt sind. Sein vorläufiges Zwischenergebnis: „Mit den Zuflüssen sind es mindestens 2000 Kilometer.“ Denn was man nicht sieht: Die Mauern sind doppelt.

Auch den mittlerweile verstorbenen Mundelsheimer Wengerter Theo Harsch hat Hutter zum Rechnen gebracht, und der ist trotz aller schwäbischen Vorsicht beim Zusammenzählen seiner Gänge in die Steillagen für verschiedene Pflegemaßnahmen und Lese auf eine beeindruckende Jahresleistung gekommen. „Das ist so, als hätte er dreimal pro Jahr einen Dreitausender bestiegen“, sagte Hutter und betonte: „Das sind für mich die Reinhold Messners der Weinberge!“Allein, auch das steht für Hutter fest: Nur, weil es so schön aussieht und weil sich allerlei mediterrane Pflanzen und seltenes Getier in den Steillagen wohlfühlen, macht sich keiner die Mühe, eine terrassierte Steillage zu bewirtschaften und so die einst „aus purer Not heraus“ entstandene Kulturlandschaft zu erhalten. Denn trotz aller modernen Hilfsmittel ist das immer noch schweißtreibende Arbeit. „Man kann das nur erhalten, wenn man auch entsprechende Produkte hat, die man zu einem ordentlichen Preis verkaufen kann“, ist sich Hutter sicher und verwies dazu auf das Beispiel von „Montis Casei“. Das Geld in der Metropolregion sei auch für einen edleren Tropfen da. Dennoch: Auch öffentliche Gelder seien nötig. „Schlösser und Burgen werden vom Land unterstützt, um erhalten zu bleiben – das sollte auch bei den terrassierten Steillagen als bäuerlicher Architektur und Kunst so sein.“Wie die Weine aus Steillagen schmecken, konnten die Besucher bei einer abschließenden Weinprobe mit den Weinerlebnisführern Klaus Hebeiß, Gerhard Thullner, Jutta Schreiber und Herbert Weber kosten. Dazu gab es verschiedene, vom Heimatbund selbst gebackene oder bestrichene Brote.

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