Benningen Arbeit und Sprache sind das A und O

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In solchen Containern sind die Asylbewerber untergebracht. Foto: FACTUM-WEISE

Benningen - Rund 65 000 Flüchtlinge sind in diesem Jahr schon in Baden-Württemberg gestrandet. Bis Dezember werden es wohl an die 100 000 Frauen, Männer und Kinder sein, die im Ländle eine Unterkunft brauchen. Allein dem Landkreis Ludwigsburg sollen derzeit wöchentlich 261 Menschen zwangszugewiesen werden. Kein Wunder, dass der Grünen-Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen angesichts solcher Zahlen bei einem Bürgergespräch am Mittwochabend im Benninger Rathaus zu der Feststellung kam: „Das ist momentan das politische Thema.“ So sei es auch wahrscheinlich, dass irgendwann im Landkreis Ludwigsburg eine Landeserstaufnahmestelle eingerichtet werden müsse – wenngleich es für eine Standortdiskussion noch zu früh sei, wie Renkonen am Rande der Veranstaltung meinte.

Hoch aktuell ist indes die Frage, wie all diese Menschen, die mehrheitlich aus anderen Kulturkreisen stammen, in Deutschland integriert werden können. Ein Thema, das auch bei der von Renkonen initiierten Veranstaltung im vollen Sitzungssaal des Benninger Rathauses im Mittelpunkt stand. Als Experten beleuchteten der Hausherr Klaus Warthon, der integrationspolitische Sprecher der grünen Landtagsfraktion Daniel Lede Abal sowie Heike Schmitt und Karlheinz Haasis vom örtlichen Arbeitskreis Asyl die Einbindung von Flüchtlingen aus jeweils unterschiedlicher Perspektive. Besonders eindrücklich waren dabei die Schilderungen von Heike Schmitt und Karlheinz Haasis, die direkt von der Basis berichten konnten. Die beiden kümmern sich mit mehr als 20 Mitstreitern um rund 70 junge Männer.

Und das Wichtigste sei dabei, diese aus der Strukturlosigkeit ihres Alltags zu holen. Die Asylbewerber dürften erst nach 15 Monaten arbeiten. „Sie sind zum Nichtstun verdammt“, erklärte Heike Schmitt. „Und sie wissen nicht, wie sie die Zeit totschlagen sollen“, ergänzte Karlheinz Haasis. Die Leute seien nach der Phase des permanenten Wartens schlicht „kaputt“. Doch selbst nach 15 Monaten bewege sich in Sachen Job nicht viel. Das Mindestlohngesetz schrecke Arbeitgeber immer wieder davon ab, die Flüchtlinge zu beschäftigen. „Die Leute werden zur Kriminalität gezwungen“, erklärte Haasis, beispielsweise, indem sie dann schwarz arbeiteten. Das Anerkennungsverfahren müsse einfach schneller laufen, forderte Heike Schmitt.

Der zweite elementare Baustein auf dem Weg zur Integration ist für die beiden Ehrenamtlichen vom AK Asyl das Lernen der deutschen Sprache. „Das ist ein großer Punkt“, sagte Heike Schmitt. Doch auch hier hat das System offenbar so seine Tücken. „Die VHS findet keine Lehrer, weil die Anforderungen so hoch sind“, berichtete sie.

„Es gibt viele schöne Dinge. Aber nicht alles ist immer einfach“, sagte der Bürgermeister Klaus Warthon zu den Erfahrungen des Arbeitskreises. Ohne diesen und den Einsatz von anderen Freiwilligen, das machte der Rathauschef auch deutlich, wäre eine Integration der Flüchtlinge jedoch nicht möglich. Deshalb unterstütze die Gemeinde die Aktivitäten. Wobei es nicht immer große Projekte sein müssten. Es gehe auch um die „kleinen Hilfsbereitschaften“, die überall im Ort anzutreffen seien. So habe zum Beispiel der TSV Benningen ein gemeinsames Frühstück organisiert.

Für die großen Weichenstellungen beim Thema Integration ist hingegen die Politik zuständig und damit Leute wie Daniel Lede Abal. Der Grünen-Abgeordnete erläuterte, mit welchen Maßnahmepaketen die Situation gemeistert werden soll. So erhöhe der Bund beispielsweise die Kompensationsmittel für den sozialen Wohnungsbau. Außerdem sei von Berlin versprochen worden, Asylverfahren in drei Monaten abzuarbeiten. Ferner sollen die Länder den Wohnungsbau in Gebieten fördern, in denen die Lage besonders angespannt ist. Flüchtlinge aus Heilberufen würden bei der Erstversorgung ihrer Leidensgenossen eingebunden. „Die Versorgungsdecke ist hier dünn“, erklärte Daniel Lede Abal. Auch das Leiharbeitsverbot für Flüchtlinge solle aufgelockert werden und Integrationskurse für Asylbewerber und Geduldete mit guter Bleibeperspektive geöffnet werden. Heike Schmitt hob zuletzt allerdings auch hervor, dass all das das grundlegende Problem nicht beseitigen wird. „Wenn wir die Fluchtursache nicht bekämpfen, wird sich nichts ändern“, sagte sie.

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