Beilstein-Klingen Faules und Stiellahmes muss entfernt werden

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Ernst Kawa und Sohn Alexander (von links) sind mit der Qualität der Trauben zufrieden. Foto: Michael Raubold Photographie

Beilstein-Klingen - Das Rattern des Weinbergschmalspurschleppers nimmt die Aufmerksamkeit jedes Herannahenden in Beschlag. Dort, wo am Hang gegenüber Angusrinder genüsslich grasen, hievt ein Traktor die mit satt-dunkelblauen Trauben beladenen Zuber mühelos hoch und kippt sie in die vier Riesenwannen auf einem Hänger, wo Winzer Ernst Kawa bereit steht, um mit der Harke die Ladung zu ebnen. Schließlich sollen die je 1100 Liter fassenden Behälter gut gefüllt sein, bevor sein Inhalt in die Bottwartal-Kellerei nach Großbottwar kommt.

Im Weinberg der Familie Kawa, der sich im Beilsteiner Ortsteil Klingen befindet, ist an diesem Mittwoch jede helfende Hand gern gesehen. Denn die Lembergertrauben stehen zur Lese an. „Etwas später, als bei den meisten Kollegen“, weiß Weinbauer Kawa, doch die Lage erfordert es. Aber diese hat auch Vorteile, wie der schwäbische Wengerter ausführt: „Dafür faulen die Trauben hier nicht so schnell, obwohl wir sie länger hängen lassen“. Außerdem sei in diesem Jahr nichts erfroren, obwohl die Weinberge höher liegen. „Es gibt einen vollen Herbst“, so das Urteil Kawas, der zufrieden auf die Qualität und Ausbeute seiner Trauben blickt. „Nur wenig muss in diesem Herbst weggeschnitten werden“.

Von würzig-feuchter Luft und frischen Temperaturen sind die Ernte-Helfer umgeben, die bald nasse Füße bekommen vom feuchten Gras. Doch beim eifrigen Einsatz der Scheren wird es den Traubenschneidern schnell warm und die Socken trocknen von alleine. Zwar ist der Hang nicht so steil wie an jenem, wo Kawas Trollinger- und Rieslingtrauben wachsen, doch geht das permanente Stehen in Schräglage auch hier tüchtig in die Beine und vor allem in den Rücken. „Der tut abends ordentlich weh“, weiß Lieselotte Kawa, die die Weinlese schon seit 40 Jahren managt und für das leibliche Wohl sorgt. „Sie ist immer ein wenig angespannt“, meint die Erstgeborene Nicole mitfühlend, die gemeinsam mit ihren beiden Geschwistern Alexander und Caroline sowie allen Partnern, beim Lesen hilft. „Das tun wir alle gern“, erzählt die Tochter, deren Schwester mit Mann und Söhnchen Matz sogar vom Bodensee angereist war, um bei der Lese dabei sein zu können. Und obwohl Nachwuchs bei Kawas Tochter Caroline und Schwiegertochter Julia unterwegs ist, lassen sich auch die beiden Frauen den Spaß nicht nehmen.

Mutter Lieselotte hat derweil für das Vesper und das Mittagessen gut vorgesorgt, „um die Helfer bei Laune zu halten“. Das Wetter hat sie dagegen leider nicht im Griff. Doch der Mittwoch kann sich sehen lassen: Kühl, aber trocken, scheint gegen später dann sogar noch die wärmende Sonne. Da schmecken der servierte Kartoffelsalat und die Grillwürste besonders gut.

Rund ein Dutzend fleißige Helfer haben sich heute am Weinberg eingefunden, um die diesjährige Referenzmenge von rund 120 Kilogramm Lemberger-Trauben pro Ar Rebfläche zu lesen. Wie immer gilt es, eine hohe Oechslezahl zu erreichen. Deshalb hat Lieselotte Kawa in den Wochen zuvor auch schon Trauben weggeschnitten. „Es tut zwar weh, die auf den Boden zu werfen, aber es nützt der Qualität.“ Auch Blätter reißt die Winzerin immer wieder ab, damit die Früchte nicht verschatten.

Da es im vergangenen Jahr bei der Lese geregnet hat und der Traktor abgerutscht ist, haben sich die Kawas dazu entschlossen, die kleinen 300-Liter-Butten heuer aus eigener Kraft in den Rebspuren nach unten zu schieben, bevor die vollen Bottiche von Sohnemann Alexander übernommen werden. Der nämlich sitzt im Weinbergschmalspurtraktor und zirkelt geschickt mit zwei daran angebrachten Stangen, um in die überstehenden Wülste der Bütten einzufädeln, die dann mühelos auf den Hänger hochgehievt und ausgeschüttet werden können. Auf diese Weise leert sich Zuber für Zuber, die in gestapelter Form wieder nach oben gefahren werden.

Die ganze Familie freut sich über ihre Helfer, die sich seit Jahren verlässlich beteiligen und wissen, worauf es bei der Lese ankommt. Denn Fauliges und Stiellahmes muss aus den Trauben herausgeschnitten werden. „Besonders das Sauerfaule“, betont Ernst Kawa, der den Unterschied gut kennt. Doch allesamt müssen die schneidenden Hände wenig wegwerfen. Lieber stecken sie sich die leckeren Trauben auch mal in den Mund. „Ohne das geht gar nichts“, sagt Helferin Elsbeth Kredel, die die Trauben „am liebsten vom Stock mag“ und direkt hineinbeißt. „Das haben uns meine Eltern aber damals verboten“, erinnert sich Ernst Kawa, „denn die Insekten sind so nicht immer sichtbar und das kann bei einer Wespe gefährlich sein“.

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