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Beilstein/Handball„Die genannten Summen sind völlig utopisch“

Julia Spors, vom 28.12.2012 00:00 Uhr
Andreas Gramsch, Vorstands-Vize der SG Bottwartal. Foto: avanti
Andreas Gramsch, Vorstands-Vize der SG Bottwartal.Foto: avanti
Beilstein Als Aufstiegsfavorit sind die Landesliga-Handballer der SG Bottwartal in die neue Runde gestartet – vor allem durch die Verpflichtungen von Dennis Saur und Markus Rossmeier. Andreas Gramsch, der zweite Vorstand der SG, zieht zur Winterpause ein kleines Fazit und nimmt Stellung zu den Gehalts-Gerüchten der „Stars“. Zudem erklärt der 39-Jährige im Interview, wie sich die Hierarchien in der Mannschaft entwickelt haben.
Elf Spiele sind absolviert. Was steht ist Platz vier. Sind Sie damit zufrieden?
So, wie der Stand der Dinge derzeit ist, ja. Am Anfang der Saison lief es nicht so gut. Ich denke, das lag mit daran, dass wir einige Abgänge zu verschmerzen und Neuzugänge zu integrieren hatten. Da dauert es einfach etwas, bis die Mannschaft richtig harmonisiert und eingespielt ist. Hinzu kam zu Beginn der Runde, dass viele Mannschaften noch einmal extra motiviert waren, gegen uns zu gewinnen. Inzwischen kommt das Team mit diesem Druck aber klar, hat sich gefunden und spielt guten Handball. Man hat gesehen, dass die vergangenen Entscheidungen auch immer die richtigen waren.

Das heißt, der Aufstieg ist nach wie vor das erklärte Ziel?
Unser Ziel ist durch die Verpflichtung von Torhüter Benjamin Krotz nicht kleiner geworden. Es hat sich eher gefestigt. Durch den Sieg gegen den TV Mundelsheim haben wir – TuS Stuttgart einmal ausgenommen – eigentlich alles in der eigenen Hand. Bei den Stuttgartern hoffen wir, dass sie den einen oder anderen Punkt im Laufe der Saison noch abgeben. Wobei ich auch kein Problem damit hätte, als Zweiter aufzusteigen. Denn: Die Relegation bedeutet immer interessante Spiele.

Man hört aber raus: Der SG-Express scheint Ihrer Ansicht nach jetzt richtig zu rollen und Fahrt aufgenommen zu haben.
Ja, das kann man schon so sagen. Es hört sich vielleicht blöd an, aber die zwei Niederlagen gleich zu Beginn der Runde haben uns ganz gut getan. Wir haben viel daraus gelernt – auch im Zusammenspiel. Man merkt, dass mittlerweile Hierarchien in der Mannschaft drin sind, es gibt Chefs. Das hatten wir die letzten drei, vier Jahre nicht mehr.

Wer sind die Chefs?
Das ist natürlich allen voran Dennis Saur. Aber auch Hannes Kurz und Markus Käfer gehören da dazu. Markus und Hannes bringen sich sehr für das Gesamtkonstrukt der Mannschaft ein. Neben den Chefs haben wir die jungen Wilden, die in der zweiten Reihe stehen, aber für gehörigen Druck sorgen und jetzt auch zunehmend Spielanteile bekommen sollen. In den vergangenen beiden Partien konnten wir nicht viel experimentieren. Aber jetzt sollen sie verstärkt zeigen, was sie können.

Wer sind die jungen Wilden?
Malte Barz zum Beispiel. Er hat sich meiner Ansicht nach toll entwickelt. Oder aber Tom Kircher, der großes Talent hat. Ihm fehlen nur noch ein paar Kilogramm auf den Rippen und damit das Durchsetzungsvermögen. Alle überrascht hat auch Marco Hegendorf auf Rechtsaußen. Er kommt aus der Kreisliga und hat einen wahnsinnigen Sprung gemacht. Er hat mit Markus Rossmeier ein Vorbild neben sich, der ihm die Tricks zeigt. Das muss man aber noch etwas mehr von Markus einfordern.

Das heißt: Die Mischung aus jungen Wilden und erfahrenen Stars macht`s in diesem Jahr?
Genau! Zu Beginn wussten zum Beispiel die Jungen noch nicht, was macht da ein Rossmeier, ein Marjanovic oder ein Saur? Warum sind die überhaupt da? Inzwischen kennt jeder seine Rolle. Und dabei wird eines deutlich: Wir sind wieder eine Mannschaft, sitzen jetzt auch abends mal länger zusammen. Genau das hat uns früher ausgemacht und es ist schön, dass dieses Zusammengehörigkeitsgefühl nun wieder da ist bei der SG Bottwartal.

Rossmeier, Marjanovic, Saur: Über diese Verpflichtungen hat sich die ganze Liga die Augen gerieben. Haben die Jungs bislang denn das gebracht, was man von ihnen erwartet hat?
Fangen wir mal mit den beiden ganz Neuen an: Benjamin Krotz und Ezequiel Pardales. Wir haben gewusst, wenn wir noch einen Torhüter verpflichten, muss es ein Hochkaräter sein, der weit mehr ist als eine Ergänzung der vorhandenen Torhüter. Was mich bei Benni sehr positiv überrascht, ist, wie er sich in die Mannschaft eingefunden hat. Er hat sofort Tipps gegeben, obwohl er gerade einmal zwei Leute kannte. Klar, dass wir mit ihm bislang mehr als zufrieden sind. Er muss genauso weitermachen. Bei Ezequiel Pardales habe ich am Anfang gedacht: In der Abwehr ist er sensationell stark. Er spielt fair, hat aber ein wahnsinnig gutes Auge. Gegen Mundelsheim hat er nun auch noch in der Offensive gezeigt, was er kann. Er wird sich mehr und mehr in das Mannschaftsgefüge integrieren, so dass wir auch an ihm noch sehr viel Freude haben werden. Da bin ich sicher.

Wie ist es mit den anderen drei Hochkarätern im Kader?
Damir hat am Anfang der Saison sehr gute Leistungen gezeigt, jetzt ist er leicht eingesackt. Aber ich denke, dass er nach der Winterpause wieder auf einem sehr hohen Niveau spielen wird. Dennis Saur steht außer Frage – mit ihm sind wir mehr als glücklich. Er ist der Kopf der Mannschaft und auf dem Feld genauso wie außerhalb klar der Chef. Wenn er sagt, etwas wird so gemacht, dann wird das auch so gemacht. Als Rolf Fischer nicht da war vier Wochen lang, hat er ein sensationelles Training geleitet. Für jemanden, der keine Trainerausbildung hat – top. Wir wollen ihn ja auch auf der Reise ins Traineramt begleiten. Im nächsten Jahr will er mit der offiziellen Trainerausbildung starten.

Bleibt noch Markus Rossmeier . . .
Er ist sensationell auf Rechtsaußen, hat aber vielleicht noch etwas Flausen im Kopf, wenn es um die Abwehrarbeit geht. Da muss man ein Augenmerk drauf legen, wenn es dann wirklich in die Württembergliga gehen sollte.

Da wären wir wieder beim Thema: Ihr habt die Hochkaräter ja geholt, um weiter nach oben zu kommen. Wie weit soll es denn gehen? Und werden die vier auch weiter dabei bleiben, wenn der Aufstieg geschafft ist?
Dennis Saur haben wir ja drei Jahre verpflichtet. Mit den anderen wollen wir ebenfalls weitermachen, sofern die Bedingungen stimmen. Das ist völlig klar. Wobei wir das nicht auf Biegen und Brechen machen werden. Auf der Torhüter-Position wollen wir beispielsweise einen weiteren jungen Mann aufbauen, der schon im Probetraining bei uns war. Er spielt derzeit noch in der B-Jugend und soll nächste Saison aufgebaut werden. Die Entscheidung, ob Benjamin Krotz bleibt, wird im Februar fallen.

Das heißt aber auch, Daniel Neumann und Marc Hoffmann sind definitiv nicht mehr dabei?
Ich weiß nicht, was sie künftig machen werden. Aber ich habe sie seit der Verpflichtung von Benjamin Krotz nicht mehr gesehen. Marc hat sich mittlerweile wieder seinem alten Verein TV Flein angeschlossen, bei Dani kenne ich seine Planungen nicht – wir würden uns freuen, wenn er bleibt.

Zurück zu den anderen Akteuren.
Bei Damir Marjanovic und Markus Rossmeier gibt es Signale, dass sie bleiben wollen. Eine Entscheidung müssen wir jetzt letztlich über die Feiertage fällen, denn ich möchte das alles im Januar erledigt haben. Wir haben bereits Anfang November mit den ersten Gesprächen angefangen. Unsere eigenen Spieler haben alle signalisiert, dass sie bleiben wollen. Keiner möchte gehen. Jetzt geht es um die Modalitäten und danach können wir dann auf die Suche nach Neuzugängen gehen. Denn klar ist: Geht es in die Württembergliga, brauchen wir einen etwas breiteren Kader. Es gibt ein paar Spieler, die wir im Auge haben. Bei ihnen war uns wichtig, dass sie ins Team passen. Denn klar ist auch: Eine Mannschaft lebt nicht von fünf oder sechs Stars alleine, sondern vom Teamgedanken. Und dafür braucht man ein Team.

Wenn wir über die „Stars“ reden, ist ein Thema unausweichlich: das liebe Geld. Gerüchte über horrende Gehälter gibt es ja viele . . .
Ja, Gerüchte gibt es immer viele, an denen wir uns aber nicht beteiligen. Die genannten Summen sind jedoch völlig utopisch und jeder, der einigermaßen rechnen kann und sich auskennt, weiß das auch. Wir haben kein Problem damit zuzugeben, dass wir Spieler bezahlen. Aber mit deutlich geringeren Beträgen, als da kursieren – und vor allem offizielle Beträge mit allen anfallenden Personalnebenkosten.

Dennoch: Woher kommen die Einnahmen? Hauptsächlich über Sponsoren oder gibt es den Club 50, von dem unter anderem gemunkelt wird, wirklich?
(lacht). Ja, den Club 50 gibt es seit dieser Saison wirklich auf Initiative von drei Privatpersonen, die uns unterstützen wollten. Er wurde gegründet mit dem Ziel, gezielt die erste Herren-Mannschaft zu unterstützen. Dahinter stecken Privatleute aus unterschiedlichsten Bereichen, unter anderem auch mein Schiedsrichterkollege und ich. Wir geben zum Beispiel das Geld, das wir als Schiedsrichter verdienen, in diese Kasse rein.

Woher kommt das restliche Geld?
Ganz normal über Sponsoren, den Förderverein und dann muss man bedenken, dass wir einer der aktivsten Vereine sind, was Feste und Aktionen angeht. Fakt ist aber: Wir haben keinen Großsponsor, der einfach mal die Schatulle öffnet. Mit der Anschaffung unseres Kleinbusses sowie der Jobbörse machen wir auch extrem viel für unsere Sponsoren. Wir sehen das als eine gegenseitiges Geben und Nehmen.

Okay, weg vom Geld und zurück zum Sportlichen: Wie lautet das Ziel für die Rückrunde?
Die Mannschaft will kein Spiel mehr verlieren. Das hat sich das Team vor dem Mundelsheim-Spiel fest vorgenommen. Derzeit fehlt bei uns noch etwas die Feinabstimmung, zum Beispiel im Abwehrspiel. Aber das wird von mal zu mal besser.

Die Württembergliga scheint nur noch Formsache zu sein. Wie weit nach oben soll es denn für die SG Bottwartal in der Zukunft noch gehen?
Formsache? Noch ist die komplette Rückrunde zu spielen und gerade der Januar wird heftig. Wir haben einen klaren Fünf-Jahres-Plan, der besagt: Wir wollen dieses oder nächstes Jahr aufsteigen und dann erst einmal mit dem Abstieg in der Württembergliga nichts zu tun haben. Wenn wir uns dort etabliert haben, soll es hoch in die BWOL gehen – das ist der Wunsch oder die Planung. Das war seit der Gründung der SG Bottwartal schon immer der Plan und ich denke, das ist machbar. Die Dritte Liga wäre utopisch, aber die BWOL dürfte finanziell und organisatorisch zu stemmen sein für uns.

Gibt es noch weitere Ziele, die Ihnen wichtig wären?
Klar die Weiterentwicklung der SG Bottwartal. Ich denke, es würde gerade im Männerbereich Sinn ergeben, wenn der SKV Oberstenfeld der SG Bottwartal beitreten würde und wir unsere Kräfte bündeln könnten. Wir machen uns gegenseitig Konkurrenz, die eigentlich fehl am Platz ist. Denn wir haben alle das gleiche Ziel. Der Handball im Bottwartal gehört in eine gewisse Klasse und es wäre schön, wenn man das gemeinsam erreichen könnte.
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